Rund 20 Prozent. So viel vom beantragten Geld ist beim letzten PV-Fördercall des Jahres tatsächlich da. 41.322 Anträge mit zusammen rund 192 Millionen Euro sind laut Wirtschaftsministerium zwischen 8. und 22. Oktober eingegangen. Zur Verfügung stehen rund 38,5 Millionen. Wer jetzt auf eine Zusage wartet, sollte sich deshalb schon einmal überlegen, was er ohne sie macht.
Die Zahlen aus dem Ministerium
Das BMWET hat am 24. Oktober Bilanz gezogen. Der Call war, wenig überraschend, deutlich überzeichnet. Ein paar Details aus der Aussendung sind für die eigene Einschätzung brauchbar:
- 19.310 Anträge betreffen Anlagen bis 10 kWp, 16.945 Anlagen über 10 bis 20 kWp. Zusammen sind das rund 88 Prozent.
- Den „Made in Europe“-Bonus haben 18.800 Anträge für Wechselrichter, 8.997 für Speicher und 6.591 für Module beantragt. Auf den Bonus entfallen rund 7,6 Millionen Euro des beantragten Volumens. Ob er zusteht, wird erst in der Prüfung festgestellt.
- Jetzt werden alle Anträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Vergeben wird nach den Förderbedingungen und Reihungskriterien.
Das Budget von 38,5 Millionen hatte das Ministerium schon zum Start des Calls genannt. Ursprünglich waren für diesen Call nur 8 Millionen vorgesehen, aufgestockt wurde mit Restmitteln aus früheren Runden. Der Branchenverband PV&B Austria nennt in einer Aussendung vom 29. Oktober dagegen nur 30,5 Millionen Euro. Woher die Differenz kommt, ist offen. Wir rechnen mit der Zahl des Ministeriums; mit 30,5 Millionen wären es rund 16 statt 20 Prozent des beantragten Geldes.
Wer zum Zug kommt, entscheidet die Uhrzeit
Für die beiden kleinen Kategorien zählt laut EAG-Abwicklungsstelle allein der Zeitpunkt der Ticketziehung. Kategorie A (bis 10 kWp) und B (über 10 bis 20 kWp) werden nach Ticketzeit gereiht, früheres Ticket zuerst. Bei den größeren Anlagen (C und D) zählt zuerst der beantragte Förderbedarf je kWp.
Und die Tickets waren schnell weg. Laut Ministerium waren nach einer Minute rund 19.600 Tickets gezogen, nach fünf Minuten rund 40.800.
Rechnen wir’s grob durch. 192 Millionen geteilt durch 41.322 Anträge ergibt im Schnitt rund 4.650 Euro pro Antrag. 38,5 Millionen reichen damit für ungefähr 8.300 Anträge, 30,5 Millionen für rund 6.600. Das ist eine Überschlagsrechnung: Wir kennen weder die Aufteilung des Budgets auf die Kategorien noch die Zahl der Anträge, die bei der Prüfung herausfallen. Die Richtung ist trotzdem klar. In der ersten Minute wurden rund 19.600 Tickets gezogen, das Geld reicht nach dieser Rechnung für weniger als die Hälfte davon. Selbst ein Ticket aus der ersten Minute ist also keine Garantie, und wer später dran war, sollte nicht mit Geld rechnen. Das gilt für die Kategorien A und B, bei C und D zählt zuerst der Förderbedarf.
Was eine Zusage wert wäre
Die Fördersätze 2026 laut EAG-Abwicklungsstelle:
| Komponente | Fördersatz | Hinweis |
|---|---|---|
| PV bis 10 kWp (A) | 150 €/kWp | gereiht nach Ticketzeit |
| PV über 10 bis 20 kWp (B) | 140 €/kWp | gereiht nach Ticketzeit |
| Stromspeicher | 150 €/kWh | mind. 0,5 kWh je kWp, max. 50 kWh gefördert |
| Deckel | höchstens 30 % der förderfähigen Kosten, jeweils für PV und Speicher | |
Ein Beispiel, selbst gerechnet: 8 kWp mit 8 kWh Speicher ergeben 8 × 150 plus 8 × 150, also 2.400 Euro, sofern die 30-Prozent-Grenze nicht greift. Dazu käme gegebenenfalls der Europa-Bonus. Bei 15 kWp und 10 kWh wären es 15 × 140 plus 10 × 150, zusammen 3.600 Euro.
Klingt nach viel Geld für ein paar Minuten Warten vor dem Bildschirm. Gemessen an einer PV-Anlage mit Speicher ist es aber meist ein überschaubarer Anteil. Genau deshalb sollte die Förderung nicht die einzige Frage sein, an der das Projekt hängt.
Drei Lagen, drei Strategien
| Ihre Lage | Einschätzung | Was wir tun würden |
|---|---|---|
| Ticket in den ersten Sekunden, Antrag vollständig | Chancen, aber keine Garantie | Fördervertrag abwarten, Termine mit dem Installateur fixieren. Ab Vertrag laufen laut Abwicklungsstelle 6 Monate für die Inbetriebnahme (bis 100 kWp). |
| Ticket nach der ersten Minute | eher keine Förderung | Rechnen, ob das Projekt ohne Förderung trägt. Wenn ja: nicht monatelang warten. Wenn nein: Speicher-Teil auf das neue Modell ausrichten. |
| Kein Ticket, Antrag im Lauf des Calls | praktisch chancenlos | Wie Zeile zwei. Ein Speicher, der erst ab 1. November in Betrieb geht, soll nach den Plänen des Ministeriums im neuen System eingereicht werden können. |
Die Übergangsregel für Speicher
Das ist der Teil der Aussendung, den man nicht überlesen sollte. Speicherprojekte, die im dritten Call nicht zum Zug kommen, sollen laut BMWET im neuen System erneut einreichen können, wenn sie ab dem 1. November 2026 in Betrieb gehen. Auch das ist eine Absicht, noch keine beschlossene Regel. Kriterien für diese Übergangslösung sind bisher (Stand 2. November) nicht veröffentlicht, das kritisiert auch PV&B Austria.
Das neue System selbst ist allerdings noch nicht beschlossen. Geplant ist ein laufender Speichersystembonus für neue Speicher und für die Nachrüstung bestehender PV-Anlagen, beantragt nach Fertigstellung mit der Endabrechnung. Voraussetzung soll ein Energiemanagementsystem sein, das den Speicher netzdienlich betreiben kann. Die reine PV-Investitionsförderung soll wegfallen. Für die Gesetzesänderung braucht es laut Ministerium eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat. Fördersätze und Startdatum sind offen.
Wer also einen Speicher plant: Inbetriebnahmedatum dokumentieren, Rechnung aufheben und darauf achten, dass das Gerät von einem Energiemanagementsystem angesteuert werden kann. Mehr lässt sich heute seriös nicht vorbereiten. Was über das neue Modell bekannt ist, steht in unserem Beitrag zur PV-Förderung ab 2027.
Eine Förderung, die noch offen ist
Für die Steuerung selbst gibt es Geld vom Klima- und Energiefonds. Die Förderung „Energiemanagement – Flexibilisierung im Verteilnetz für Haushalte“ nimmt laut Klimafonds Anträge bis 15. April 2027, 12:00 Uhr, an, das Budget für Private beträgt 2,45 Millionen Euro. Gefördert werden Systeme, deren Betrieb sich für fünf Jahre an Bedingungen für das Netz knüpft. Die Bedingungen haben wir bei der Förderung für Energiemanagement zusammengefasst.
Unsere Einschätzung
Eine PV-Anlage, die sich nur mit 2.400 Euro Förderung rechnet, ist knapp kalkuliert. Für die meisten Haushalte entscheiden Eigenverbrauch, Anlagenpreis und Strompreis über die Wirtschaftlichkeit, nicht der Zuschuss. Wer kein frühes Ticket hat, würde von uns hören: PV-Teil jetzt durchrechnen und gegebenenfalls ohne Förderung bauen, den Speicher dagegen frühestens ab 1. November in Betrieb nehmen und die Regeln für den Speicherbonus abwarten.
Stand: November 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen
PV&B Austria, OTS vom 29.10.2026: Unklare EAG-Förderbedingungen
BMWET, OTS vom 24.10.2026: Hohe Nachfrage bestätigt Notwendigkeit der Neuaufstellung
BMWET, OTS vom 09.10.2026: 43.300 Tickets in zehn Minuten
BMWET, OTS vom 08.10.2026: 38,5 Millionen Euro für letzten PV-Fördercall
EAG-Abwicklungsstelle: eag-abwicklungsstelle.at/wissen/investitionszuschuss-photovoltaik-und-speicher
Klima- und Energiefonds: Energiemanagement Haushalte 2026


