Vier Kilowatt-Peak oder zehn? Für dasselbe Haus bekommt man von drei Anbietern gern drei verschiedene Antworten. Das liegt nicht daran, dass einer von ihnen falsch rechnet. Sie beantworten unterschiedliche Fragen. Der eine fragt: Was brauchen Sie heute? Der andere: Was passt aufs Dach? Der dritte hat vielleicht einfach noch Module auf Lager.
Die richtige Frage ist eine vierte: Was brauchen Sie in fünf Jahren?
Stand: Herbst 2026
Die drei Zahlen, mit denen alles anfängt
Erstens der Stromverbrauch laut Jahresabrechnung. Einfamilienhaus ohne Wärmepumpe: oft 3.000 bis 5.000 kWh.
Zweitens der Ertrag. In Österreich erzeugt ein kWp je nach Region, Ausrichtung und Neigung grob 950 bis 1.100 kWh im Jahr. Wir rechnen im Folgenden mit 1.000, das ist rund und für viele Standorte realistisch.
Drittens die Dachfläche. Pro kWp braucht man heute etwa fünf bis sechs Quadratmeter. Rauchfang, Dachfenster, Abstände zum Rand – die nutzbare Fläche ist fast immer kleiner als die, die man vom Garten aus sieht.
Rechnen wir drei Haushalte durch
Annahmen: Strompreis 28 Cent pro kWh, Einspeisevergütung vorsichtig mit 6 Cent angesetzt (die schwankt stark und ist in den letzten Jahren gefallen), Anlagenpreis 1.400 Euro pro kWp inklusive Umsatzsteuer. Alles Beispielwerte, keine Angebote.
| A: Paar, kein Umbau geplant | B: Familie, Wärmepumpe kommt | C: Familie, WP + E-Auto | |
|---|---|---|---|
| Verbrauch heute | 3.000 kWh | 4.500 kWh | 4.500 kWh |
| Verbrauch in 5 Jahren | 3.000 kWh | ca. 8.500 kWh | ca. 11.000 kWh |
| sinnvolle Größe | 4 kWp | 7 kWp | 10 kWp |
| Ertrag pro Jahr | 4.000 kWh | 7.000 kWh | 10.000 kWh |
| Eigenverbrauch (ohne Speicher) | ca. 30 % = 1.200 kWh | ca. 30 % = 2.100 kWh | ca. 40 % = 4.000 kWh |
| Ersparnis + Einspeisung | 336 € + 168 € = 504 € | 588 € + 294 € = 882 € | 1.120 € + 360 € = 1.480 € |
| Investition | 5.600 € | 9.800 € | 14.000 € |
| grobe Amortisation | ca. 11 Jahre | ca. 11 Jahre | ca. 9,5 Jahre |
Warum hat C den höchsten Eigenverbrauch? Weil ein E-Auto, das tagsüber zuhause steht, Solarstrom wegfrisst wie kaum ein anderer Verbraucher. Die Wärmepumpe bei B hilft weniger, als man hofft – sie braucht ihren Strom vor allem im Winter, wenn die PV wenig liefert.
Förderung ist in der Tabelle nicht eingerechnet. Mit dem EAG-Investitionszuschuss (2026 rund 150 Euro pro kWp für kleinere Anlagen, sofern man im Fördercall zum Zug kommt) verkürzt sich die Amortisation um ungefähr ein Jahr.
Der teuerste Fehler: zu klein
Klingt paradox, weil kleinere Anlagen weniger kosten. Aber: Die Kosten pro kWp sinken mit der Größe, weil Gerüst, Planung, Anmeldung und Anfahrt fix sind. Und wer in drei Jahren erweitern will, zahlt diese Fixkosten ein zweites Mal – oft plus einen neuen Wechselrichter.
Haushalt B, der heute nach aktuellem Verbrauch 4,5 kWp bauen würde und in drei Jahren mit Wärmepumpe merkt, dass es knapp wird, hat damit ein teures Problem.
Und „Dach voll“?
Kann sinnvoll sein. Muss es nicht. Jede zusätzliche Kilowattstunde, die man nicht selbst braucht, bringt nur die Einspeisevergütung – bei unseren 6 Cent ein Fünftel dessen, was selbst genutzter Strom spart. Mit Einspeiseerlösen eine Anlage schönzurechnen, würden wir nicht mehr machen.
Eine Option für Überschüsse sind Energiegemeinschaften, bei denen man Strom lokal an Nachbarn weitergibt. Dazu gibt es einen eigenen Artikel.
Süd oder Ost-West?
Süd bringt pro Modul den höchsten Jahresertrag. Das ist unbestritten. Nur ist der Jahresertrag nicht die Zahl, um die es geht, wenn man mit Eigenverbrauch rechnet.
Eine Süd-Anlage produziert eine hohe Mittagsspitze. Genau dann, wenn in vielen Haushalten niemand zuhause ist. Eine Ost-West-Anlage liefert pro Modul etwas weniger, verteilt den Ertrag aber über den Tag: morgens Ost, nachmittags West. Das passt oft besser zum Frühstück, zum Abendessen, zum E-Auto, das um vier nach Hause kommt. Und weil Ost-West-Module flacher und dichter stehen können, passt auf dasselbe Dach meist mehr Leistung.
Rechnen wir Haushalt B noch einmal mit Ost-West: 8 kWp statt 7, pro kWp etwas weniger Ertrag, sagen wir 900 kWh. Macht 7.200 kWh. Der Eigenverbrauch steigt vielleicht von 30 auf 35 Prozent. Das sind 2.520 statt 2.100 kWh selbst genutzt. Abzüglich der etwas geringeren Einspeisung bleiben rund 100 Euro mehr im Jahr – bei 1.400 Euro Mehrkosten für das zusätzliche kWp. Kein Selbstläufer, aber auch kein Nachteil. Wer ein Ost-West-Dach hat, muss sich jedenfalls nicht ärgern.
Was im Angebot stehen muss
Damit man Angebote überhaupt vergleichen kann: Modultyp und -anzahl, Wechselrichter mit Typenbezeichnung, prognostizierter Jahresertrag (und mit welchem Tool berechnet), Unterkonstruktion, Gerüst, Elektroarbeiten, Anmeldung beim Netzbetreiber, Inbetriebnahme. Ein Angebot, das nur „8 kWp komplett“ nennt, lässt zu viel offen.
Ein Detail, das gern fehlt: ob der Wechselrichter speicherfähig ist bzw. später einen Speicher aufnehmen kann. Wer „vielleicht später“ einen Speicher will, sollte das jetzt klären. Ein Wechselrichtertausch nach drei Jahren kostet mehr als ein paar hundert Euro Aufpreis heute.
Speicher?
Faustregel: etwa 1 kWh nutzbare Speicherkapazität pro 1.000 kWh Jahresverbrauch. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch, rechnet sich aber nicht in jedem Fall schneller als die Anlage selbst. Im Winter wird er an vielen Tagen nicht voll. Wer ein E-Auto hat, das tagsüber lädt, braucht oft einen kleineren oder gar keinen.
Was sich 2025 geändert hat und noch nicht überall angekommen ist
Der Nullsteuersatz für PV-Anlagen ist seit 1. April 2025 Geschichte. Seitdem gelten wieder 20 Prozent Umsatzsteuer. Viele Online-Rechner und ältere Artikel rechnen noch mit 0 Prozent. Bei einer 10-kWp-Anlage macht das schnell über 2.000 Euro aus.
Vor der Bestellung sollte man außerdem beim Netzbetreiber klären, wie viel Einspeiseleistung am Standort möglich ist. Manchmal gibt es Einschränkungen, die die sinnvolle Größe begrenzen. Und: Hält das Dach noch 25 Jahre? Wenn nicht, zuerst das Dach.
Unsere Einschätzung: Für die meisten Einfamilienhäuser, in denen in den nächsten Jahren eine Wärmepumpe oder ein E-Auto dazukommt, liegt die vernünftige Größe eher bei 7 bis 10 kWp als bei den 4 bis 5, die der heutige Verbrauch nahelegt. Wer nichts dergleichen vorhat, ist mit einer kleineren Anlage gut bedient und sollte sich nicht zu „Dach voll“ überreden lassen.


