StartRatgeberWäsche trocknen im Winter: Ständer, Keller oder Trockner?

Wäsche trocknen im Winter: Ständer, Keller oder Trockner?

Man kennt das: Draußen ist es grau und feucht, der Wäscheständer steht im Wohnzimmer, und am nächsten Morgen sind die Fensterscheiben unten beschlagen. Das ist kein Zufall. Eine Maschine Wäsche gibt beim Trocknen eine ordentliche Menge Wasser an die Raumluft ab, und die muss irgendwo hin.

Wie viel? Die Stadt Münster nennt in ihrem Lüftungsratgeber für 4,5 Kilo geschleuderte Wäsche 1,0 bis 1,5 Liter, für tropfnasse 2,0 bis 3,5 Liter. Zum Vergleich: Ein Mensch gibt über den Tag ungefähr gleich viel ab, Kochen etwa einen halben bis einen Liter. Wer im Winter zweimal die Woche drinnen trocknet, verdoppelt an diesen Tagen locker die Feuchte, die sonst anfällt.

Erst einmal: schleudern

Der billigste Trick passiert in der Waschmaschine. Je weniger Wasser in der Wäsche bleibt, desto weniger muss verdunsten, egal ob am Ständer oder im Trockner. Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt rund 1.400 Umdrehungen pro Minute und hält den Mehrverbrauch fürs Schleudern für vernachlässigbar. klimaaktiv sieht 1.400 oder 1.600 Umdrehungen als ausreichend. Ausnahmen sind natürlich empfindliche Sachen, die nach Pflegeetikett weniger vertragen.

Wäscheständer: nicht gratis, aber meistens billig

Viele halten das Trocknen am Ständer für kostenlos. Ganz stimmt das nicht. Damit Wasser verdunstet, braucht es Energie, physikalisch rund 0,7 kWh pro Liter. Die holt sich die Wäsche aus der Raumluft, und die Heizung liefert nach. Bei 1,5 Litern sind das also gut eine Kilowattstunde Heizwärme pro Ladung.

Ein bisserl Geld ist das, aber nicht viel. Mit einer Wärmepumpe, die aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme macht, kostet das ein paar Cent. Mit Gas sind es pro Ladung auch nur Cent-Beträge. Mehr ins Gewicht fällt die Feuchte selbst.

Darauf kommt es an:

Der Raum. Ein warmes, gut gelüftetes Zimmer ist besser als das kühle Schlafzimmer. In kalten Räumen bleibt die Feuchte länger in der Luft und schlägt sich an kalten Wänden und Fensterlaibungen nieder. Tür zu, damit die feuchte Luft nicht durch die ganze Wohnung wandert.

Lüften. Kippfenster bringt im Winter wenig und kühlt die Laibung aus. Besser mehrmals am Tag kurz und kräftig querlüften. Das Energieinstitut Vorarlberg empfiehlt vier bis sechs Mal täglich kurz querlüften und ab 60 Prozent Luftfeuchte die Fenster aufzumachen. Das Umweltbundesamt rät beim Wäschetrocknen im Winter zu Stoßlüften von je 5 bis 10 Minuten. Mehr braucht es nicht, weil kalte Außenluft kaum Wasser enthält. Mehr zum Thema steht in unserem Beitrag zum richtigen Lüften im Winter.

Messen. Ein Hygrometer kostet wenig und beendet jede Diskussion. Die Umweltberatung nennt 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte als optimal. Laut Energieinstitut Vorarlberg wird es ab etwa 70 Prozent über längere Zeit kritisch, dann kann Schimmel wachsen. Wenn das Gerät am Tag nach dem Wäschetag noch deutlich über 60 Prozent zeigt, war die Lüftung zu knapp.

Und bitte nicht über den Heizkörper hängen. Der Stoff verdeckt die Wärmeabgabe, und die Feuchte landet konzentriert dort, wo die Luft danach an der kalten Wand vorbeistreicht.

Übrigens: Auch draußen trocknet Wäsche im Winter, nur langsamer. An einem klaren, windigen Frosttag gefriert das Wasser im Stoff und verdunstet trotzdem nach und nach, weil die kalte Luft sehr trocken ist. Bei Nebel und Nieselregen kann man sich das sparen. Ganz trocken wird es draußen selten, aber was den halben Tag am Balkon hing, braucht drinnen deutlich kürzer und bringt weniger Feuchte ins Zimmer.

Keller und Dachboden

Klingt nach der eleganten Lösung, weil die Feuchte dann nicht in der Wohnung ist. Im Winter kann das funktionieren, wenn der Raum regelmäßig gelüftet wird. Kalte Außenluft ist trocken, wenn sie sich drinnen erwärmt, nimmt sie Feuchte auf. Problematisch wird es, wenn der Keller zu ist und die Wände kalt sind: Dann bleibt die Wäsche lange klamm, und die Feuchte landet an den Kellerwänden. Warum Kellerlüften im Sommer schadet und im Winter hilft, haben wir beim feuchten Keller erklärt.

Ein Luftentfeuchter verkürzt die Trockenzeit laut Stiftung Warentest deutlich. Im Dauerbetrieb ist er aber teuer, und ein Wärmepumpentrockner trocknet dieselbe Ladung laut Warentest günstiger.

Trockner: Wärmepumpe oder gar nicht

Wer einen Trockner hat oder kaufen will, sollte sich das Gerät genau ansehen. Laut deutschem Umweltbundesamt brauchen Wärmepumpentrockner etwa 73 bis 97 kWh pro 100 Trockengänge, ältere Geräte ohne Wärmepumpe rund 340 kWh. Konsument hat im September 2026 vierzehn Wärmepumpentrockner getestet: Pro voller Ladung Baumwolle schranktrocken lagen sie zwischen 0,90 und 1,82 kWh.

Rechnen wir grob, mit eigenen Annahmen: 30 Cent pro kWh Strom, 150 Ladungen im Jahr. Ein alter Kondenstrockner mit rund 3,4 kWh pro Gang kostet dann etwa 150 Euro im Jahr, ein guter Wärmepumpentrockner mit rund 1 kWh etwa 45 Euro. Der Wäscheständer kostet nur die Heizwärme, also wenig, dafür Platz und etwas Disziplin beim Lüften.

Ein alter Kondenstrockner, der noch läuft, muss deshalb nicht sofort raus. Wer ihn aber für die tägliche Wäsche einer Familie nutzt, zahlt jedes Jahr spürbar drauf. Und wer schon einen Wärmepumpentrockner hat: Flusensieb nach jedem Gang leeren, sonst steigt der Verbrauch.

Für die meisten Haushalte bleibt der Wäscheständer im warmen Raum mit gutem Lüften die günstigste Lösung. Der Trockner wird interessant, wenn kein Platz da ist, die Wohnung zu Schimmel neigt oder einfach sehr viel Wäsche anfällt.

Quellen

Stadt Münster, Wohnungsamt: Richtig heizen und lüften (PDF) · Umweltbundesamt – Wäschetrockner · klimaaktiv – Waschen und Trocknen · Konsument-Test Wäschetrockner 2026 · Die Umweltberatung – Schimmel vermeiden · Energieinstitut Vorarlberg, Stichwort Feuchtigkeit: energieinstitut.at · Stiftung Warentest – Luftentfeuchter

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