Immer mehr Häuser haben inzwischen eine PV-Anlage am Dach und oft auch einen Speicher im Keller. Viele gehen davon aus, dass sie bei einem Stromausfall damit weiter Strom haben. Meistens stimmt das nicht. Eine normale PV-Anlage schaltet sich bei Netzausfall ab, und ob der Speicher dann das Haus versorgt, hängt an einer Funktion, die man ausdrücklich mitbestellen muss. Für die Heizung, egal ob Wärmepumpe oder Gastherme, ist das die eigentlich wichtige Frage.
Warum die PV-Anlage abschaltet
Eine netzgekoppelte Anlage darf nicht ins Netz einspeisen, wenn dieses ausgefallen ist. Sonst stünden Leitungen unter Spannung, an denen gerade jemand arbeitet. Die Technischen und Organisatorischen Regeln (TOR) für Erzeugungsanlagen vom Typ A, die für Haus-PV-Anlagen gelten, verlangen deshalb, dass der Wechselrichter bei Netzausfall die Einspeisung innerhalb von fünf Sekunden beendet. Das gilt unabhängig von der Größe der Anlage und auch dann, wenn Erzeugung und Verbrauch im Haus zufällig gerade gleich groß sind.
Kommt das Netz zurück, schaltet sich der Wechselrichter nicht sofort wieder zu. Die TOR empfehlen eine Wartezeit von 60 Sekunden, nachdem Spannung und Frequenz wieder im erlaubten Bereich sind.
Das heißt im Alltag: Strahlt die Sonne auf ein volles PV-Dach, und das Netz fällt aus, ist im Haus trotzdem alles dunkel. Es sei denn, die Anlage kann mehr.
Drei Stufen, die oft verwechselt werden
| Begriff | Was es kann | Typische Grenze |
|---|---|---|
| Notstrom | eine eigene Steckdose, an die man einzelne Geräte ansteckt | Leistung oft wenige kW, einphasig |
| Ersatzstrom | versorgt das Hausnetz oder einen Teil davon, automatische Umschaltung | nur so viel, wie Wechselrichter und Speicher liefern |
| Ersatzstrom mit Nachladen | wie oben, zusätzlich lädt die PV den Speicher während des Ausfalls weiter | im Winter wenig PV-Ertrag |
Die Verbraucherzentrale beschreibt Notstrom als eine einzelne Steckdose mit wenigen Geräten und Ersatzstrom als Versorgung des Hausnetzes, begrenzt durch die Leistung des Wechselrichters. Manche Speicher haben die Funktion laut Verbraucherzentrale nur gegen Aufpreis. Als Beispiel aus der Praxis: Ein großer Wechselrichterhersteller gibt für seine einphasige Notstromlösung 3 kW Dauerleistung an, die dreiphasige Variante ist schwarzstartfähig und lädt den Speicher während des Ausfalls weiter.
Wie schnell umgeschaltet wird, ist unterschiedlich. Die TOR erwähnen not- und ersatzstromfähige Umrichter mit einer Netztrennzeit von höchstens 20 Millisekunden, die eine nahezu unterbrechungsfreie Umschaltung erlauben. Viele Systeme brauchen länger, für Licht und Kühlschrank ist das meist egal, für einen laufenden Computer nicht.
Eine Ersatzstromanlage, die ins Hausnetz einspeist und nicht für den Parallelbetrieb mit dem Netz gebaut ist, braucht laut TOR eine verriegelte Umschalteinrichtung. Das gehört in die Hand einer Elektrofachkraft. Für Stromaggregate hält oesterreich.gv.at fest, dass der Anschluss an das Hausnetz ein Fachbetrieb herstellen muss. Ob und wie Sie die Ersatzstromfunktion Ihrem Netzbetreiber melden müssen, klären Sie am besten direkt mit ihm. Eine einheitliche Regel dazu haben wir nicht gefunden.
Wie das mit der Heizung zusammenhängt
Hier wird es für den Winter ernst. Eine Wärmepumpe braucht Strom, das ist klar. Aber auch Pellets-, Öl- und Gasheizungen fallen bei einem Stromausfall aus, weil Regelung, Brenner und Umwälzpumpe Strom brauchen. Darauf weist die Energie Steiermark in ihren Unterlagen zur Blackout-Vorsorge hin. Weiter heizen nur Einzelöfen wie ein Kachelofen oder Kaminofen, die ohne Strom auskommen.
Könnte der Hausspeicher die Wärmepumpe übernehmen? Technisch teilweise. Die Grenze ist meist nicht die Kapazität, sondern die Leistung. Ein Speicher mit Ersatzstromfunktion liefert nur so viel, wie der Wechselrichter abgibt, und eine Wärmepumpe kann beim Anlaufen und erst recht mit zugeschaltetem Heizstab mehr Leistung verlangen, als der Wechselrichter hergibt. Im Winter kommt dazu, dass die PV-Anlage kaum nachlädt: Laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz muss in der Heizperiode fast der gesamte Heizstrom ohnehin aus dem Netz kommen. Ein voller 10-kWh-Speicher ist an einem kalten Tag schnell leer, wenn eine Wärmepumpe mitläuft.
Einen Punkt sollten Besitzer einer Monoblock-Wärmepumpe kennen: Bei starkem Frost kann das wasserführende Außengerät laut Information der SHK-Innung Berlin schon nach weniger als einem Tag ohne Strom einfrieren. Ein normales Stromaggregat direkt an die Wärmepumpe zu hängen, ist laut derselben Quelle keine gute Idee, weil Anlaufströme die Steuerung beschädigen können. Was bei Ihrer Anlage zu tun ist, steht meist in der Betriebsanleitung. Ein kurzer Anruf beim Installateur, bevor der Winter kommt, schadet nicht.
Was das im Alltag heißt
Lange Stromausfälle sind in Österreich selten. Laut E-Control-Daten, über die Leadersnet berichtet, waren Endkunden 2025 im Schnitt 16,62 Minuten von ungeplanten Unterbrechungen betroffen, 2024 waren es 23,41 Minuten. Für den Alltag reicht deshalb in vielen Fällen die einfache Vorsorge, die oesterreich.gv.at empfiehlt: Vorräte für zehn bis 14 Tage, 2,5 Liter Wasser pro Person und Tag, Bargeld und ein batteriebetriebenes Radio.
Bevor Sie für Ersatzstrom aufrüsten, helfen ein paar Fragen:
- Welche Geräte müssen bei einem Ausfall wirklich laufen? Kühlschrank, Licht, Router und Heizungsregelung sind etwas anderes als Wärmepumpe und Herd.
- Kann mein Wechselrichter überhaupt Not- oder Ersatzstrom, ein- oder dreiphasig, und mit welcher Dauerleistung?
- Lädt die PV-Anlage den Speicher im Ausfall nach, oder ist nach dem ersten Abend Schluss?
- Was kostet die Umschalteinrichtung inklusive Elektriker, und ist mein Zählerkasten dafür vorbereitet?
- Gibt es eine einfachere Lösung? Für die Heizungsumwälzpumpe einer Gastherme reicht unter Umständen eine kleine, fachgerecht angeschlossene Notstromlösung.
Dafür braucht es nicht unbedingt eine Ersatzstrom-Komplettlösung. Wer ohnehin einen Speicher kauft, sollte die Funktion aber gleich mitdenken, weil sie vom gewählten Wechselrichter abhängt. Was Speicher sonst leisten und wo ihre Grenzen liegen, haben wir in unserem Beitrag zur PV-Anlage mit Stromspeicher beschrieben. Das E-Auto als Notstromquelle ist in Österreich technisch erst im Kommen, den Stand haben wir beim bidirektionalen Laden zusammengefasst.
Worauf man achten sollte
Für die meisten Haushalte ist eine Ersatzstromanlage eine Komfortfrage, keine Notwendigkeit. Wichtiger als die Technik ist, dass man weiß, was im eigenen Haus bei einem Ausfall passiert: Welche Heizung fällt aus, wie lange hält das Haus die Wärme, wo ist die Taschenlampe. Wer neu plant, kann das beim Kauf von Wechselrichter und Speicher mit dem Installateur festlegen. Wer schon eine Anlage hat, findet die Antwort meist im Datenblatt des Wechselrichters.
Quellen
- E-Control/Oesterreichs Energie, TOR Stromerzeugungsanlagen Typ A, Version 1.3 (gültig ab 1.7.2024), bereitgestellt von Wiener Netze: PDF
- Verbraucherzentrale – Lohnen sich Batteriespeicher?
- Fronius – Backup-Power-Lösungen (Herstellerunterlage): https://fronius.com/~/downloads/Solar%20Energy/Solution%20Sheets/SE_SOLS_Backup_power_Solution_DE.pdf
- oesterreich.gv.at – Vorsorge für Blackout und Stromausfall
- Energie Steiermark – Handout Blackout-Vorsorge (Stadt Feldbach)
- SHK-Innung Berlin – Kundeninformation Stromausfall (2026)
- Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: https://verbraucherzentrale-rlp.de/node/71757
- Leadersnet, 19.08.2026: Ungeplante Stromausfälle dauerten im Schnitt 16,62 Minuten


