StartSanieren & RenovierenFeuchter Keller: Jetzt lüften, im Sommer lieber nicht

Feuchter Keller: Jetzt lüften, im Sommer lieber nicht

Man kennt das: Im August riecht der Keller muffig, also reißt man die Fenster auf, damit „frische Luft“ reinkommt. Ein paar Wochen später sind die Wände feucht und hinter dem Regal blüht der erste Schimmel. Das Lüften war gut gemeint, hat aber genau das Gegenteil bewirkt.

Die gute Nachricht: Jetzt, im Herbst und Winter, ist die Zeit, in der Lüften den Keller wirklich trocknet. Im Sommer ist es oft umgekehrt.

Warum warme Luft den Keller nass macht

Luft kann nur eine bestimmte Menge Wasserdampf aufnehmen, und wie viel, hängt von der Temperatur ab. Warme Luft nimmt viel auf, kalte wenig. Kühlt warme, feuchte Luft ab, muss sie Wasser abgeben. Das passiert an den kalten Kellerwänden.

Lufttemperatur maximal enthaltener Wasserdampf
0 °C 4,9 g/m³
5 °C 6,8 g/m³
10 °C 9,4 g/m³
15 °C 12,8 g/m³
20 °C 17,3 g/m³
25 °C 23,0 g/m³

Zwei Beispiele, selbst gerechnet mit den Werten aus der Tabelle:

Sommer. Draußen 25 °C und 60 % relative Luftfeuchte. In jedem Kubikmeter stecken rund 13,8 g Wasser. Die Luft strömt in einen Keller mit 15 °C, und dort passen höchstens 12,8 g hinein. Der Rest schlägt sich an Wänden, Boden und allem nieder, was kühl ist.

Herbst. Draußen 5 °C und 80 %, das ist feucht-neblig. Trotzdem stecken nur rund 5,4 g im Kubikmeter. Wärmt sich diese Luft im Keller auf 15 °C auf, hat sie nur noch rund 42 % relative Feuchte und kann Wasser aus dem Raum aufnehmen. Der Keller trocknet.

Darum geht’s: Entscheidend ist nicht, ob es draußen „feucht aussieht“, sondern ob die Außenluft kälter ist als der Keller. Die Umweltberatung Wien formuliert es für den Sommer klar: An schwülwarmen Tagen und in Tropennächten nicht lüften.

Wie man’s richtig macht

In der kalten Jahreszeit, sobald es draußen verlässlich kühler ist als im Keller, dürfen Sie zu jeder Tageszeit lüften, mehrmals am Tag, ruhig auch länger, solange nichts einfriert. Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt im Winter genau das. An warmen Herbsttagen gilt noch die Sommerregel. Im Sommer gilt: Fenster tagsüber zu, gelüftet wird höchstens nachts oder früh morgens, wenn es draußen deutlich kühler ist als unten.

Die Kellertür zum Stiegenhaus oder zu Wohnräumen bleibt zu. Sonst wandert die feuchte Kellerluft nach oben oder warme Wohnraumluft nach unten, wo sie wieder kondensiert.

Dann der Trick, der am meisten bringt: ein Hygrometer. Zehn Euro, und Sie wissen, wovon Sie reden. Für einen Abstellkeller gelten 50 bis 65 % relative Feuchte als passend. Liegt der Wert dauerhaft deutlich darüber, wird es kritisch. Schimmel kann laut Umweltberatung schon wachsen, wenn an der Wandoberfläche 70 bis 80 % Feuchte herrschen, und an kalten Kellerwänden ist es dort feuchter als in der Raummitte.

Ein einfaches Hygrometer zeigt nur die relative Feuchte. Ob Lüften gerade hilft, sagt es Ihnen nicht direkt. Dafür müssten Sie draußen und drinnen messen und vergleichen. Wer das nicht selbst machen will, kann einen Taupunkt-Lüfter einbauen lassen. Der misst innen und außen und lüftet nur, wenn die Außenluft trockener ist.

Und der Luftentfeuchter?

Hilft, wenn Lüften nicht reicht, kostet aber Strom. Ein Beispielgerät aus einem Infoblatt von EnergieSchweiz braucht bei 1.500 Betriebsstunden im Jahr zwischen 315 kWh (Keller mit 10 °C) und 479 kWh (20 °C). Bei 30 Cent pro kWh sind das grob 95 bis 145 Euro im Jahr, eigene Rechnung. Eine Studie der ZHAW im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Energie fand außerdem: Wer die Zielfeuchte zu niedrig einstellt, treibt den Verbrauch „um ein Vielfaches“ hoch. Für einen Abstellkeller reichen die 50 bis 65 % von oben. Tiefer einzustellen kostet vor allem Strom.

Wann Lüften gar nichts bringt

Wenn die Feuchte nicht aus der Luft kommt, sondern aus dem Mauerwerk. Typische Zeichen: Feuchte Flecken unten an der Wand, die auch im Winter nicht verschwinden, abplatzender Putz, weiße Salzränder. Die häufigste Ursache bei älteren Häusern ist laut klimaaktiv eine fehlende Horizontalsperre gegen aufsteigende Bodenfeuchte. Weitere Ursachen sind eine undichte Abdichtung außen, Spritzwasser oder ein Leitungsschaden.

Da kann man lüften, so viel man will. Klimaaktiv rät, die Ursache von einem firmenunabhängigen Sachverständigen klären zu lassen, mit Mauerwerksproben, bevor jemand eine Sanierung verkauft. Bis dahin: Kartons, Bücher und Polstermöbel nicht in einem feuchten Keller lagern, und Regale ein paar Zentimeter von der Außenwand weg.

Kurz nachschauen: Was steckt dahinter?

Was Sie sehen Wahrscheinliche Ursache Was tun
Wände und Rohre im Sommer nass, im Winter trocken Kondensat durch warme Außenluft Im Sommer tagsüber Fenster zu, nur in kühlen Nächten lüften
Feuchter Streifen unten an der Wand, das ganze Jahr, weiße Ränder Aufsteigende Feuchte, fehlende Horizontalsperre Sachverständigen mit Mauerwerksprobe holen, Lüften allein hilft nicht
Ein einzelner Fleck, der größer wird Leitungsschaden oder undichte Abdichtung außen, z. B. bei einem Fallrohr Leitungen und Dachrinne prüfen lassen
Schimmel hinter Regal oder Kasten an der Außenwand Kalte Wand, keine Luft dahinter Möbel einige Zentimeter abrücken, Hygrometer aufstellen
Muffiger Geruch, Hygrometer dauerhaft über 70 % Zu wenig trockene Luft im Winterhalbjahr Bei kalter Außenluft regelmäßig lüften, sonst Entfeuchter

Die Tabelle ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, nicht beim Falschen anzufangen. Wer einen Schaden im Mauerwerk mit dem Entfeuchter bekämpft, zahlt jahrelang Strom und hat das Problem immer noch.

Ein gekipptes Kellerfenster im Juli dagegen hat noch keinen Keller trockener gemacht.

Wie man die Wohnräume im Winter lüftet, ohne Heizenergie zu verschwenden, steht in unserem Beitrag So lüften Sie im Winter richtig.

Quellen

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