Man kennt das: Es ist sieben Uhr früh, draußen hat es zwei Grad, und an der Schlafzimmerscheibe läuft das Wasser runter. Zwei Wochen später ist hinterm Kasten ein grauer Fleck. Die Lösung ist fast immer dieselbe, und sie kostet nichts: anders lüften. Fenster fünf Minuten ganz auf, drei- bis viermal am Tag, und das Kippfenster bleibt im Winter zu.
Kippfenster? Lassen Sie’s.
Das gekippte Fenster fühlt sich nach Lüften an. Ist es aber kaum. Durch den schmalen Spalt geht wenig Luft raus, dafür kühlt die Wand rund ums Fenster aus. An solchen kalten Stellen kann die Luftfeuchtigkeit dann leichter kondensieren. Und der Heizkörper darunter heizt fröhlich ins Freie.
Besser: ganz aufmachen. Kurz. Wände und Möbel bleiben dabei warm, nur die Luft wird getauscht. Wenn zwei Fenster auf gegenüberliegenden Seiten gleichzeitig offen sind, geht’s noch schneller.
Wie lange eigentlich?
Kommt aufs Wetter an. Je kälter es draußen ist, desto schneller ist die Luft getauscht. Als grobe Orientierung:
| Außentemperatur | Stoßlüften |
|---|---|
| unter 0 °C | 3–5 Minuten |
| 0 bis 10 °C | 5–10 Minuten |
| über 10 °C | 10–15 Minuten |
Und dann gibt es die Momente, in denen man sowieso aufmachen sollte: nach dem Duschen, nach dem Kochen, in der Früh im Schlafzimmer. Da entsteht die meiste Feuchtigkeit. Ein Haushalt kann davon übrigens mehrere Liter pro Tag produzieren. Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen. Das muss irgendwo hin.
Warum gerade im Winter?
Klingt paradox, die Winterluft ist ja feucht. Aber kalte Luft kann nur wenig Wasser halten. Kommt sie ins Haus und wird warm, ist sie plötzlich angenehm trocken und nimmt Feuchtigkeit auf. Genau deshalb funktioniert Lüften im Winter so gut. Im Sommer ist es umgekehrt – aber das ist ein anderes Thema.
Das Hygrometer beendet jede Diskussion
Um die zehn Euro, und man weiß, woran man ist. Im Winter sind in Wohnräumen etwa 40 bis 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit gut. Liegt der Wert ständig über 60, wird’s heikel, vor allem in Räumen mit kalten Außenwänden. In vielen Haushalten endet damit auch der Streit, wer zu wenig lüftet. Die Zahl lügt nicht.
Ein Tipp: das Hygrometer ein paar Tage ins Schlafzimmer stellen, dann ins Wohnzimmer. Der Unterschied ist oft größer, als man denkt.
Die drei Klassiker, die Schimmel machen
Der große Kasten direkt an der Außenwand. Dahinter bewegt sich keine Luft, die Wand bleibt kalt, fertig ist der Fleck. Ein paar Zentimeter Abstand reichen oft schon.
Der Wäscheständer im kühlen Schlafzimmer. Eine volle Maschine Wäsche gibt beim Trocknen literweise Wasser ab. Wenn’s nicht anders geht: in den Raum, der am besten gelüftet wird, und die Tür zu.
Die offene Tür zum kalten Zimmer. Warme, feuchte Luft aus dem Wohnzimmer zieht rüber und schlägt sich an den kühlen Wänden nieder. Tür zu.
Wer gerade neue Fenster bekommen hat, sollte im ersten Winter besonders aufpassen. Die alten Fenster haben durch ihre Fugen still und heimlich mitgelüftet. Die neuen tun das nicht mehr.
Und wenn der Fleck schon da ist? Kleine Stellen lassen sich meist selbst wegmachen. Kommt er immer wieder, breitet er sich aus oder ist die Ursache unklar, sollte sich das jemand ansehen, der sich auskennt. Dann liegt es oft nicht nur am Lüften. In einer Mietwohnung gehört das außerdem schriftlich an die Vermieterin oder den Vermieter gemeldet, mit Foto.
Quellen
Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? ·
Verbraucherzentrale Energieberatung: Richtig lüften ·
klimaaktiv: Richtig heizen

