Seit Jahresbeginn ist Erdgas im Großhandel deutlich teurer geworden, zuletzt mit Tempo, und jetzt kommt von der anderen Seite der Rechnung Druck dazu: Laut einem Verordnungsentwurf der E-Control, über den APA und ORF berichten, werden die Gasnetzentgelte 2027 österreichweit im Schnitt um 7,2 Prozent teurer. In Kärnten sind es 20,7 Prozent, in Niederösterreich 19,3 Prozent. Für rund jeden fünften Haushalt in Österreich, der mit Gas heizt, sind das zwei getrennte Entwicklungen mit einer gemeinsamen Ursache.
Zwei Preise, die gerade gleichzeitig steigen
Die Gasrechnung besteht grob aus drei Teilen: dem Energiepreis, den Netzentgelten sowie Steuern und Abgaben. Die Netzentgelte machen laut einem Bericht der Kleinen Zeitung etwa ein Drittel aus.
Der Energiepreis hängt am Großhandel. Der Gaspreisindex ÖGPI der Österreichischen Energieagentur lag im Oktober bei 300,50 Punkten, 81 Prozent über dem Vorjahresmonat und erstmals seit März 2023 über 300. Der Monatsindex für November kommt auf 83,96 Euro je Megawattstunde, ein Plus von 146,3 Prozent gegenüber November 2025. Als Treiber nennt die AEA die Lage in der Straße von Hormus und die saisonale Nachfrage.
Die Netzentgelte setzt die E-Control jedes Jahr per Verordnung fest. Der Entwurf für 2027 sieht laut den Medienberichten folgende Änderungen vor:
| Netzbereich | Änderung 2027 | Mehrkosten Musterkunde 15.000 kWh/Jahr* |
|---|---|---|
| Kärnten | +20,7 % | bis zu 94 € |
| Niederösterreich | +19,3 % | rund 70 € |
| Burgenland | voraussichtlich +14,3 % | rund 70 € |
| Oberösterreich | +8,9 % | rund 35 € |
| Steiermark | +2,7 % | gering |
| Wien, Vorarlberg | je +2,0 % | Wien knapp 10 € |
| Tirol | +1,3 % | gering |
| Salzburg | −1,9 % | rund 5 € weniger |
*Prozentwerte und Beispielrechnungen laut APA-Berichten (ORF Kärnten, news.at, Kleine Zeitung) über den Entwurf der E-Control; die Beispielrechnungen stammen laut APA von der Regulierungsbehörde. Die endgültige Verordnung erscheint in der Regel im Dezember. Den Entwurf selbst konnten wir nicht einsehen.
Wie das zusammenhängt
Das eine hängt am anderen, nur nicht so, wie man zuerst denkt. Die hohen Großhandelspreise haben mit den Netzentgelten direkt nichts zu tun. Die Netzentgelte steigen, weil laut Bericht weniger Gas durch Österreich transportiert und weniger verbraucht wird. Ein Gasnetz kostet aber weitgehend dasselbe, egal wie viel durchfließt. Leitungen müssen gewartet, Mitarbeiter bezahlt, Kredite bedient werden.
Gemeinsam ist beiden Entwicklungen, dass sie in dieselbe Richtung wirken:
- Teures Gas → mehr Haushalte und Betriebe steigen aus.
- Weniger Abnehmer → die fixen Netzkosten verteilen sich auf weniger Kunden.
- Höhere Netzentgelte je Kunde → Gas wird für die Verbleibenden noch einmal teurer, auch wenn der Großhandelspreis wieder sinkt.
Dass Kärnten und Niederösterreich so stark betroffen sind, passt in dieses Bild, lässt sich aus den Berichten aber nicht im Detail aufschlüsseln. Kärnten und das Burgenland lagen laut ORF schon vorher bei 3,7 bzw. 3,8 Cent je kWh Netzentgelt und damit bei den höchsten Werten in Österreich.
Zur Einordnung: Mit Versorgungssicherheit hat das wenig zu tun. Anfang Oktober waren laut Staatssekretärin Zehetner 69 Terawattstunden in den Gasspeichern, davon 4 TWh für gesicherte Haushaltskunden vorgesehen. Gas ist also vorhanden. Es ist nur teuer.
Was das im Alltag heißt
Ein kleines Rechenbeispiel, mit offengelegten Annahmen. Ein Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Gasverbrauch im Jahr. Steigt der Energiepreis im Vertrag um 3 Cent netto je kWh, sind das 450 Euro netto mehr im Jahr. Dazu käme in Niederösterreich das höhere Netzentgelt von rund 70 Euro. Wie stark und wann Ihr Lieferant den Energiepreis anpasst, wissen wir nicht. Viele Verträge haben Preisgarantien, andere hängen an einem Index. Nicht eingerechnet sind Umsatzsteuer und mögliche Änderungen bei Abgaben.
Zwei Dinge sollten Gaskunden jetzt im Blick haben:
- Preisänderungen. Bei Strom und Gas können Sie laut AK Wien einer angekündigten Preisänderung innerhalb von vier Wochen ab Zustellung widersprechen. Dann werden Sie drei Monate zum alten Preis beliefert und der Vertrag endet. Ein neuer Lieferant muss in dieser Zeit gefunden sein.
- Die Netzentgelte zahlen Sie unabhängig vom Lieferanten an Ihren Netzbetreiber. Ein Anbieterwechsel ändert daran nichts.
Gasheizung behalten, tauschen oder warten?
Kurzfristig ändert ein höherer Gaspreis an der Heizung im Keller nichts. Einen Tauschzwang für bestehende Gasheizungen gibt es bundesweit nicht. Mittelfristig ist die Frage aber berechtigt, ob man sich weitere 15 Jahre an einen Energieträger bindet, dessen Netzkosten pro Kunde eher steigen werden.
Ab 2. November ist die Bundesförderung für den Heizungstausch wieder offen. Laut amtlichem Infoblatt gibt es für Privatpersonen im Ein-, Zweifamilien- oder Reihenhaus 5.000 Euro für eine Wärmepumpe (plus mögliche Zuschläge), bis zu 4.000 Euro für einen Nah- oder Fernwärmeanschluss und bis zu 6.000 Euro für eine Holzheizung, längstens bis 31. Dezember 2026 bzw. bis das Budget aufgebraucht ist. Wo ein Fernwärmeanschluss technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist, hat er Vorrang. Die Details stehen in unserem Beitrag zur Kesseltausch-Neuauflage, die zusätzlichen Landesförderungen in der Übersicht der Bundesländer.
Dafür braucht es aber nicht unbedingt den sofortigen Tausch. Wer eine funktionierende Therme hat, kann jetzt ein Energieberatungsprotokoll machen lassen (das ist für die Förderung ohnehin Pflicht) und in Ruhe klären, ob das Haus für eine Wärmepumpe taugt oder ob ein Fernwärmeanschluss in Reichweite ist. Die Richtlinien für die Förderung 2027 sollen laut BMLUK und BMWET im Dezember beschlossen werden.
Eine Einschränkung gehört dazu: Auch Fernwärme ist nicht vom Gaspreis abgekoppelt. Die Wiener Fernwärme wird laut Stadt Wien noch etwa zur Hälfte mit Gas erzeugt. Trotz 30 Prozent Rabatt auf den Arbeitspreis steigen die Kosten für eine Musterwohnung dort in der Heizperiode 2026/27 um rund 6 Prozent.
Was als Nächstes kommt
Die endgültige Gas-Netzentgeltverordnung für 2027 wird für Dezember erwartet. Der Entwurf für die Strom-Netzentgelte 2027 war laut ORF Kärnten noch nicht veröffentlicht und soll in den kommenden Wochen folgen. Ebenfalls im Dezember sollen die Förderrichtlinien für 2027 beschlossen werden. Wer mit Gas heizt, hat bis dahin genug Zeit, die eigene Rechnung durchzugehen: Verbrauch, Energiepreis, Vertragslaufzeit, Preisgarantie.
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen
- Österreichische Energieagentur: Gaspreisindex ÖGPI
- AEA, OTS 23.10.2026 – ots.at/presseaussendung/OTS_20261023_OTS0125
- Medienbericht (APA): kaernten.ORF.at, 21.10.2026 – Gasnetzentgelte steigen um rund 20 Prozent
- Medienbericht (APA): news.at – Netzgebühren für Gas steigen in Kärnten und NÖ um 20 Prozent
- Medienbericht (Kleine Zeitung): energynewsmagazine.at – Gasnetzentgelte steigen österreichweit stark
- Statistik Austria, Energieeinsatz der Haushalte 2023/24 (Heizungen nach Energieträger): Tabelle (ODS)
- OTS vom 22.10.2026 – Bundesrat: Versorgungssicherheit bei Energie
- BMLUK, 15.10.2026: 500-Millionen-Euro-Booster für Klimamaßnahmen
- Sanierungsoffensive: Infoblatt Neuauflage Kesseltausch 2026 (PDF)
- Stadt Wien, Rathauskorrespondenz 08.10.2026 – Weiterhin Fernwärme-Rabatte trotz massiv gestiegener Gaspreise
- AK Wien – Energieverträge: Preisänderungen und Kündigungen


