Beim Neubau ist die Heizungsfrage in Österreich inzwischen weitgehend entschieden – nicht durch Überzeugungsarbeit, sondern per Gesetz. Seit Ende Februar 2024 dürfen in neuen Gebäuden keine Heizungen mehr errichtet werden, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden können. Gas, Öl und Kohle sind im Neubau damit raus. Offen ist eher, welche erneuerbare Lösung passt und wie viel Photovoltaik dazukommt.
Was gesetzlich gilt
Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) verbietet seit 29. Februar 2024 fossile Heizanlagen in neuen Gebäuden. Das betrifft ausdrücklich auch dezentrale Geräte wie Gasthermen oder Einzelöfen, die unter der alten Regel noch erlaubt waren. Ausnahmen, die man „rechtfertigen“ könnte, gibt es für normale Einfamilienhäuser praktisch nicht.
Bei der Photovoltaik ist es komplizierter, weil die Bundesländer das über ihre Bauordnungen bzw. Bautechnikgesetze regeln. Einige Länder schreiben bei neuen Gebäuden eine Solaranlage vor, oft abhängig von Gebäudeart und Größe und teils wahlweise als Photovoltaik oder Solarthermie. Andere verlangen beim Einfamilienhaus nichts.
Weil sich die Regeln immer wieder ändern, sollten Sie vor der Einreichung bei der Baubehörde Ihrer Gemeinde nachfragen, was für Ihr Projekt gilt.
Welche Heizung im Neubau?
In der Praxis läuft es meistens auf eine Wärmepumpe hinaus. Ein neues, gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung braucht niedrige Vorlauftemperaturen – genau die Bedingungen, unter denen Wärmepumpen am effizientesten arbeiten.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: die häufigste Wahl, weil keine Bohrung nötig ist. Beim Aufstellort des Außengeräts lohnt es sich, an die Nachbarn zu denken – Schallschutz ist in vielen Gemeinden ein Thema.
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme): effizienter im Winter, aber teurer, weil gebohrt oder ein Flächenkollektor verlegt werden muss. Im Neubau ist ein Flächenkollektor manchmal günstiger machbar, weil der Garten ohnehin noch nicht angelegt ist.
Fernwärme oder Biomasse: wo ein Fernwärmenetz liegt, eine bequeme Alternative. Pellets sind im Neubau seltener, weil Lagerraum Platz kostet.
Photovoltaik von Anfang an mitplanen
Auch wo es keine Pflicht gibt, spricht beim Neubau viel dafür, PV gleich einzuplanen. Dachausrichtung, Leitungswege und Platz für Wechselrichter und späteren Speicher lassen sich jetzt ohne Mehraufwand festlegen. Nachrüsten geht natürlich auch – ist aber fast immer umständlicher.
Als grobe Orientierung: Eine PV-Anlage mit rund 7 kWp für ein Einfamilienhaus kostet 2026 etwa 12.000 bis 17.000 Euro, mit einem 8-kWh-Speicher eher 17.000 bis 25.000 Euro. Das schwankt je nach Dach und Anbieter deutlich, Vergleichsangebote lohnen sich.
Der Speicher ist keine Pflicht. Viele Bauherren planen ihn als Option ein und entscheiden später, ob er sich im eigenen Haushalt rechnet – ein Punkt, bei dem die Meinungen auseinandergehen. Mehr dazu im Artikel zu Photovoltaik mit Stromspeicher.
Förderung: was es für den Neubau gibt – und was nicht
Hier passieren häufig Missverständnisse. Die bekannte Bundesförderung für den Heizungstausch („Kesseltausch“ im Rahmen der Sanierungsoffensive) gilt nur, wenn eine fossile Heizung ersetzt wird. Im Neubau gibt es nichts zu ersetzen – diese Förderung fällt also weg.
Was bleibt:
- PV und Speicher: Der EAG-Investitionszuschuss des Bundes gilt auch für Neubauten. Vergeben wird er in Fördercalls; der letzte 2026 läuft vom 8. bis 22. Oktober.
- Wohnbauförderung der Länder: Sie ist beim Neubau meist der größere Hebel und oft an energetische Kriterien gekoppelt. Bedingungen und Höhe unterscheiden sich stark nach Bundesland.
Worauf es bei der Planung ankommt
Ein Neubau mit Wärmepumpe und PV ist heute Standard, kein Experiment. Trotzdem lassen sich Fehler machen – meistens in der Abstimmung zwischen den Gewerken:
- Heizlast berechnen lassen, statt die Wärmepumpe „nach Gefühl“ zu dimensionieren. Zu große Geräte takten häufig und arbeiten schlechter.
- Die PV-Anlage und die Wärmepumpe so planen, dass sie zusammenarbeiten können – etwa über ein Energiemanagement, das Warmwasser bevorzugt bei Sonnenstrom bereitet.
- Platz und Leerrohre für einen späteren Speicher oder eine Wallbox vorsehen, auch wenn beides erst in ein paar Jahren kommt.
Klingt nach Kleinigkeiten. Im Nachhinein sind es aber genau die Punkte, die teuer werden.
Fazit
Fossile Heizungen sind im Neubau seit 2024 keine Option mehr. Die eigentlichen Entscheidungen liegen woanders: welche Wärmepumpe oder Alternative zum Grundstück passt, ob PV verpflichtend ist oder freiwillig kommt, und wie die Förderung des eigenen Bundeslandes aussieht. Wer das früh mit Planer und Installateur klärt, spart sich später Umbauten.
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen
- oesterreich.gv.at – Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG)
- https://www.sanierungsoffensive.gv.at/fileadmin/user_upload/2026/faq_Kesseltausch_2026_EFH.pdf (Kesseltausch nur bei Ersatz fossiler Heizungen)
- Kostenrahmen PV: stromliste.at – Photovoltaik in Österreich 2026
- EAG-Abwicklungsstelle


