Rund 443.000 Haushalte in Österreich heizen noch mit Heizöl. Viele davon fragen sich gerade dasselbe: Muss die Ölheizung jetzt raus? Die kurze Antwort lautet nein – zumindest nicht per Gesetz. Die längere Antwort ist komplizierter, und sie hat 2026 eine unangenehme Wendung bekommen. Der Fördertopf des Bundes für den Kesseltausch ist seit Juli leer.
Was das Gesetz tatsächlich sagt
Hier kursieren viele Halbwahrheiten, deshalb der Reihe nach.
Seit 2020 dürfen in Neubauten keine zentralen Ölkessel mehr eingebaut werden. Das regelte das Ölkesseleinbauverbotsgesetz. Am 29. Februar 2024 hat das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) diese Regel abgelöst und ausgeweitet: In neuen Gebäuden sind seither alle Heizungen verboten, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden können. Also auch Gas, und auch dezentrale Öfen, die vorher noch durchgerutscht sind.
Für bestehende Häuser sieht das anders aus. Einen verpflichtenden Austausch gibt es nicht. Der war zwar lange im Gespräch, ist aber im finalen Gesetz nicht mehr drin. Wer eine funktionierende Ölheizung hat, darf sie weiter betreiben.
Und wenn der Kessel kaputt geht?
Reparieren ist erlaubt. Auch ein neuer Ölkessel im Bestand ist bundesrechtlich nicht verboten – das überrascht viele.
Ganz so einfach ist es in der Praxis trotzdem nicht. Die Bundesländer regeln den Kesseltausch über ihre Bau- und Heizungsgesetze, und die Unterschiede sind groß. In manchen Ländern reicht eine Meldung an den Rauchfangkehrer, in anderen braucht es eine Bewilligung oder den Nachweis, dass Alternativen geprüft wurden. Bevor man also einen neuen Ölkessel bestellt, lohnt sich ein Anruf bei der Gemeinde oder der Baubehörde.
Ob sich ein neuer Ölkessel überhaupt rechnet, ist eine andere Frage. Er läuft 15 bis 20 Jahre. Auf Heizöl fällt aber schon heute CO₂-Bepreisung an, und die Richtung ist ziemlich klar. Realistisch gesehen kauft man sich damit Zeit, keine Lösung.
Förderung: Für heuer ist der Topf leer
Das ist die eigentliche Nachricht des Jahres, und sie fehlt in vielen Ratgebern noch.
Die Sanierungsoffensive 2026 hatte ein Budget von 360 Millionen Euro. Mitte Juli war alles vergeben. Laut Ministerium steigen damit rund 53.000 Haushalte von Öl und Gas auf klimafreundliche Heizungen um. Neue Registrierungen sind seither nicht mehr möglich. Auch „Sauber Heizen für Alle“, das Programm für einkommensschwache Haushalte, nimmt keine neuen Anträge an.
Wer sich rechtzeitig registriert hat, ist aber nicht aus dem Spiel. Diese Registrierungen bleiben gültig, allerdings läuft die Frist: Ab der Registrierung ist das Fördergeld neun Monate (273 Tage) reserviert. In dieser Zeit muss der Tausch umgesetzt, abgerechnet und eingereicht werden. Auf eine Verlängerung sollte man sich nicht verlassen.
Zur Orientierung: 2026 gab es pauschal bis zu 7.500 Euro für eine Wärmepumpe (bei bestimmten Luft-Wasser-Geräten mit synthetischem Kältemittel um 20 % weniger) und bis zu 8.500 Euro für eine Holz- bzw. Pelletheizung. Gedeckelt war das Ganze mit 30 Prozent der Investitionskosten. Bei einer Wärmepumpe um 18.000 Euro blieben also 5.400 Euro übrig, nicht 7.500.
Für 2027 hat das Ministerium wieder 360 Millionen Euro angekündigt, davon 179 Millionen für den Kesseltausch. Wie hoch die einzelnen Fördersätze dann sind, steht noch nicht fest. In der Branche wird mit eher niedrigeren Beträgen gerechnet. Das ist aber Spekulation, bis die Richtlinien veröffentlicht sind.
Was weiterhin geht: Viele Bundesländer fördern den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme mit eigenen Programmen. Die Höhe schwankt stark je nach Land. Hier hilft die jeweilige Energieberatung des Landes weiter.
Was der Umstieg kostet
Die Zahlen hängen stark vom Haus ab. Grobe Richtwerte für ein Einfamilienhaus, inklusive Installation:
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: etwa 18.000 bis 32.000 Euro
- Pelletheizung (mit Lager, Fördertechnik, Speicher): im Bestand meist 23.000 bis 30.000 Euro
- Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme): 28.000 bis 50.000 Euro, weil die Bohrung dazukommt
Pellets sind also nicht automatisch die günstige Variante. Das hält sich hartnäckig, stimmt aber meistens nicht. Der Vorteil von Pellets liegt woanders: Sie funktionieren auch in schlecht gedämmten Altbauten mit hohen Vorlauftemperaturen gut, und die bestehenden Heizkörper können fast immer bleiben. Genau dort tut sich eine Wärmepumpe oft schwer. Nicht immer, aber oft genug, dass man es vorher prüfen sollte.
Ein Ölkessel ist in der Anschaffung deutlich billiger. Das ist kein Geheimnis. Über 20 Jahre gerechnet sieht das Bild aber meistens anders aus.
Jetzt tauschen oder bis 2027 warten?
Das hängt fast nur davon ab, in welchem Zustand der alte Kessel ist.
Der Kessel läuft noch zuverlässig: Dann spricht einiges dafür, den Winter abzuwarten und die Zeit zu nutzen. Energieberatung machen, Angebote einholen, klären, ob das Haus für eine Wärmepumpe taugt. Sobald die Förderung 2027 startet, kann man sich sofort registrieren. Wichtig dabei: Die Registrierung muss vor dem Einbau passieren. Wer vorher tauscht, geht beim Bund leer aus.
Der Kessel ist am Ende: Das ist die schwierige Situation. Im Winter ohne Heizung zu sein, ist keine Option, und auf eine Förderung zu warten, die noch nicht ausgeschrieben ist, auch nicht wirklich. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Landesförderung. Manchmal ist auch eine Reparatur als Überbrückung die vernünftigere Entscheidung – selbst wenn sie sich nicht gut anfühlt.
Ein Punkt, der oft untergeht: Nach einem Förderjahr wie diesem sind viele Installateure ausgelastet. Wer im Frühjahr 2027 tauschen will, sollte die Angebote schon im Herbst oder Winter einholen.
Worauf es beim Installateur ankommt
Die beste Wärmepumpe spart wenig, wenn sie falsch dimensioniert oder schlecht eingestellt ist. Deshalb nicht nur Preise vergleichen. Fragen, ob eine Heizlastberechnung gemacht wird. Fragen, wie die Heizkörper geprüft werden. Und nach Referenzen in der Umgebung fragen – ein Installateur, der schon ein paar Häuser im Ort umgestellt hat, kennt die typischen Probleme meistens schon.
Wie sich die laufenden Energiekosten von Öl, Gas, Wärmepumpe und Pellets beim eigenen Verbrauch unterscheiden, zeigt der Heizkosten-Rechner.
Fazit
Ein Zwang zum Tausch besteht für bestehende Ölheizungen nicht, auch 2026 nicht. Trotzdem wird es für Öl langfristig eher teurer als billiger. Wer umsteigen will, hat gerade ein Timing-Problem: Die Bundesförderung ist für heuer vergeben, die für 2027 ist angekündigt, aber noch nicht im Detail bekannt. Für die meisten mit einem funktionierenden Kessel heißt das: jetzt planen, 2027 umsetzen. Bei einem Totalausfall ist die Rechnung eine andere.
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen
- Allgemeine Vertragsbedingungen Kesseltausch 2026 (Punkt 11, Fristen): sanierungsoffensive.gv.at (PDF)
- BMLUK, Presseaussendung 13.07.2026: Sanierungsoffensive 2026: alle Fördermittel abgeholt
- oesterreich.gv.at – Erneuerbare-Wärme-Gesetz
- FAQ Kesseltausch 2026 (Ein-/Zweifamilienhaus), sanierungsoffensive.gv.at: https://www.sanierungsoffensive.gv.at/fileadmin/user_upload/2026/faq_Kesseltausch_2026_EFH.pdf
- Zahl der Ölheizungen (Mikrozensus Energieeinsatz der Haushalte, Statistik Austria): Klimadashboard Österreich
- Kostenrahmen: Hoval – Kosten Pelletheizung und branchenblatt.at – Wärmepumpe Kosten


