StartPhotovoltaik & SpeicherLäuft die PV-Anlage richtig? So prüfen Sie den Ertrag selbst

Läuft die PV-Anlage richtig? So prüfen Sie den Ertrag selbst

Man kennt das: Ein strahlender Tag, das Dach in voller Sonne, und am Abend zeigt die App eine Zahl, die irgendwie mickrig wirkt. Oder gar keine. Läuft die Anlage noch richtig?

Das lässt sich ohne Messgerät klären. Sie brauchen drei Dinge: den erwarteten Ertrag für Ihr Dach (den rechnet das kostenlose EU-Tool PVGIS aus), den tatsächlichen Ertrag aus Wechselrichter-App oder Zähler und ein bisschen Geduld beim Vergleichen. Ein einzelner schwacher Tag sagt fast nichts. Ein Jahr, das deutlich unter Plan liegt, oder ein sonniger Tag mit null Kilowattstunden sagen dafür eine Menge.

Was das Dach liefern sollte

Für Österreich gibt der OÖ Energiesparverband (Stand 01/2026) rund 900 bis 1.100 kWh pro Kilowatt-Peak und Jahr an, je nach Standort. Die E-Control rechnet in ihrem Beispiel mit 900 kWh als gutem Durchschnitt. Das ist eine brauchbare Spannweite. Für die eigene Anlage ist sie zu grob, weil Ausrichtung, Neigung und Horizont viel ausmachen.

Genauer geht es mit PVGIS. Das Werkzeug kommt von der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission, ist gratis und ohne Registrierung nutzbar. Im Reiter für netzgekoppelte Anlagen setzen Sie den Punkt auf Ihr Haus, tragen die Leistung in kWp ein, dazu Dachneigung und Ausrichtung (Azimut 0 ist Süden, −90 Osten, 90 Westen). Die vorgeschlagenen 14 % Systemverluste lassen Sie stehen. Heraus kommt ein Jahreswert und eine Monatsgrafik.

Wir haben PVGIS für einige Orte abgefragt, pro installiertem kWp, damit Sie ein Gefühl für die Größenordnung bekommen:

Monat Wien, Süd 35° Wien, Ost-West 15° Linz, Süd 35° Graz, Süd 35°
Jänner 48 25 46 68
März 106 79 104 113
Mai 132 127 127 125
Juli 140 139 135 136
September 113 88 108 110
November 48 27 47 59
Jahr 1.175 967 1.141 1.222

Eigene Abfrage PVGIS 5.3 am 02.11.2026, Strahlungsdaten 2005–2023, 14 % Systemverluste, Werte in kWh pro kWp, gerundet. Beispielwerte, nicht Ihr Dach.

Für Ihre Anlage multiplizieren Sie einfach mit der Leistung. Acht kWp in Linz, Süddach: Im Mai wären das um die 1.000 kWh.

Auffällig: Die PVGIS-Werte für gut ausgerichtete Süddächer liegen über der amtlichen Spanne. Das widerspricht sich nicht. PVGIS rechnet mit einem freien Dach in genau Ihrer Lage, die Faustwerte decken alle möglichen Dächer ab, auch halb verschattete. Wenn Ihre Anlage fünf oder zehn Prozent unter PVGIS bleibt, ist das noch kein Alarm.

Monate schwanken, Jahre kaum

Das ist der Punkt, den viele unterschätzen. PVGIS zeigt neben dem Mittelwert auch, wie stark die Werte von Jahr zu Jahr streuen. Für Wien liegt die Schwankung im April bei rund 16 kWh pro kWp, also über zehn Prozent des Monatswerts. Übers ganze Jahr sind es nur knapp vier Prozent. Ein verregneter Mai ist also kein Defekt. Ein ganzes Jahr, das 15 oder 20 % unter der Erwartung bleibt, schon eher ein Grund, nachzuschauen. (Das ist unsere Faustregel, keine Norm.)

Noch besser als PVGIS ist übrigens die eigene Anlage vom Vorjahr. Gleicher Monat, ähnliches Wetter, deutlich weniger Ertrag? Dann stimmt etwas nicht. Und wer einen Nachbarn mit ähnlich ausgerichteter Anlage hat: Ein kurzer Vergleich über den Gartenzaun ist der billigste Ertragscheck, den es gibt.

Jetzt im November ist der Vergleich übrigens wenig aussagekräftig. Die Werte sind ohnehin klein, Nebel und tiefe Sonne drücken sie weiter. Warum das so ist, steht in unserem Artikel zur PV-Anlage im Winter. Für einen Ertragscheck taugen die Monate März bis September besser.

Woher die echten Zahlen kommen

Erste Adresse ist der Wechselrichter. Fast jeder hat eine App oder ein Webportal mit Tages-, Monats- und Jahreswerten. Wichtig: Schauen Sie auf die Erzeugung, nicht auf Netzbezug oder Speicherstand. Bei mehreren Strings (also getrennten Modulreihen) zeigen viele Geräte die Werte auch einzeln an. Das ist Gold wert, weil zwei gleich große, gleich ausgerichtete Strings ähnlich viel liefern sollten.

Zweite Quelle ist der Smart Meter. Der Zähler zählt Bezug und Einspeisung getrennt; am Display ist die Einspeisung meist unter der Kennzahl 2.8.0 zu finden, der Bezug unter 1.8.0. Im Webportal des Netzbetreibers lassen sich die Werte oft als Tages- oder Viertelstundenwerte ansehen und exportieren, bei den Wiener Netzen etwa Verbrauch und Einspeisung getrennt. Für Viertelstundenwerte braucht es bei vielen Netzbetreibern Ihre ausdrückliche Zustimmung (Opt-in).

Eine Einschränkung beim Zähler: Er sieht nur, was ins Netz geht. Was das Haus selbst verbraucht oder in den Speicher lädt, fehlt. Die Einspeisung ist also kleiner als die Erzeugung, oft deutlich. Als Plausibilitätscheck taugt sie trotzdem. Zeigt die App 30 kWh, der Zähler am selben sonnigen Tag aber praktisch null Einspeisung, obwohl niemand zuhause war und der Speicher voll ist, passt etwas nicht zusammen.

Typische Fehlerbilder

Sonniger Tag, 0 kWh

  • Mögliche Ursache: Wechselrichter aus, Fehlermeldung, Sicherung ausgelöst
  • Was tun: Display am Gerät ansehen, Sicherungskasten prüfen

Ertrag seit einem bestimmten Tag ungefähr halbiert

  • Mögliche Ursache: ein String ausgefallen (Stecker, Kabel, Modul)
  • Was tun: Stringwerte in der App vergleichen, Elektrofachkraft

Nach Stromausfall kein Ertrag mehr

  • Mögliche Ursache: Wechselrichter in Störung geblieben
  • Was tun: Fehlercode ablesen, Neustart laut Anleitung

Knick am Vormittag oder Nachmittag, der früher nicht da war

  • Mögliche Ursache: neue Verschattung: Baum, Zubau, Antenne
  • Was tun: Tageskurve mit Vorjahr vergleichen, Dach von unten ansehen

Mittags flache „Decke“ in der Kurve an heißen Tagen

  • Mögliche Ursache: Wechselrichter drosselt wegen Hitze
  • Was tun: Aufstellort und Lüftung prüfen lassen

Mehrere Wintertage nichts

  • Mögliche Ursache: Schnee auf den Modulen
  • Was tun: abwarten, nicht aufs Dach

Ein paar Worte zu den einzelnen Zeilen.

Der String-Ausfall ist der Klassiker, der lange unbemerkt bleibt. Die Anlage läuft ja, nur eben mit halber Kraft, und im Sommer fällt das zwischen guten und schlechten Tagen kaum auf. Daher der Tipp mit den Stringwerten: einmal im Monat hineinschauen kostet zwei Minuten.

Nach einem Netzausfall schaltet sich eine normale Anlage ab und nach einer Wartezeit wieder zu, wenn das Netz stabil ist. Wie das genau geregelt ist, steht in unserem Artikel über PV und Speicher beim Stromausfall. Manchmal bleibt der Wechselrichter danach aber in einer Störung hängen, oder ein Leitungsschutzschalter ist gefallen. Einen ausgelösten Schalter darf man einmal wieder einschalten. Fliegt er gleich wieder raus: Finger weg, Fachkraft anrufen.

Hitze ist vor allem ein Thema des Aufstellorts. Ein Wechselrichter, der im heißen Dachboden hängt oder in praller Sonne an der Fassade, regelt zum Selbstschutz die Leistung herunter, im Extremfall schaltet er ganz ab. In der Tageskurve sieht das aus wie abgeschnitten. Die Module selbst verlieren bei Wärme auch etwas Leistung, das ist aber normal und in PVGIS schon eingerechnet: In unserer Wien-Abfrage machen Temperatur und schwaches Licht zusammen rund sechs Prozent des Jahresertrags aus.

Und Schmutz? Kostet auf einem normal geneigten Dach meist weniger, als Reinigungsfirmen nahelegen. Wann sich Putzen trotzdem lohnt, haben wir im Beitrag PV-Anlage reinigen aufgeschrieben.

Wann die Elektrofachkraft ran muss

Alles, was über Ablesen, Vergleichen und einen Schalter einmal wieder einlegen hinausgeht. Die Gleichstromseite einer PV-Anlage steht unter Spannung, sobald Licht auf die Module fällt, auch wenn der Wechselrichter aus ist. Stecker abziehen, Kabel prüfen, Module tauschen: Das ist Arbeit für einen konzessionierten Elektrotechniker. Ebenso, wenn der Wechselrichter einen Isolationsfehler meldet, es verschmort riecht oder ein Schalter immer wieder auslöst.

Ein Tipp, bevor Sie anrufen: Screenshots der Tageskurven von einem guten und einem schlechten Tag machen, Fehlercodes notieren, Datum des Ertragseinbruchs aufschreiben. Das spart dem Techniker Suchzeit. Und Ihnen die Rechnung für eine Stunde Fehlersuche, die eigentlich die App schon erledigt hätte.

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