SG Ready besteht im Kern aus zwei Schaltkontakten an der Wärmepumpe. Über diese beiden Eingänge sagt ein externes Gerät, etwa der Wechselrichter der PV-Anlage oder ein Energiemanager, der Wärmepumpe, in welchem Betriebszustand sie laufen soll. Mehr ist es nicht. Das erklärt, was SG Ready leisten kann, und auch, wo es an Grenzen stößt.
Eine Sache vorweg, weil viele Ratgeberseiten noch den alten Stand beschreiben: Seit 1. Mai 2025 gilt die Schnittstellenversion 1.1 des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), der das Label vergibt. Sie kennt nur noch drei Betriebszustände statt vier. Geräte mit dem älteren Label 1.0 sind weiter am Markt. Welche Version ein Gerät hat, steht im Datenblatt bzw. in der Label-Datenbank des BWP.
Zwei Kontakte, drei Zustände
Die beiden Eingänge heißen in der aktuellen Spezifikation SG1 und SG2. SG1 dient dem Begrenzen der Leistung, vor allem durch Netzbetreiber, und hat Vorrang. SG2 ist für die Nutzung von Überschussstrom gedacht.
| SG1 | SG2 | Betriebszustand (Version 1.1) |
|---|---|---|
| 1 | beliebig | BZ1: Leistungsaufnahme begrenzt (bis 0 kW oder ein festgelegter Wert) |
| 0 | 0 | BZ2: Normalbetrieb |
| 0 | 1 | BZ3: verstärkter Betrieb, Überschuss wird in Wärme gespeichert |
In der Version 1.0 gab es zusätzlich einen vierten Zustand, den „definitiven Anlaufbefehl“ (beide Kontakte geschlossen), in einer Variante auch mit Elektroheizstab. Der ist gestrichen. Ebenfalls weggefallen ist die Grenze von zwei Stunden für die Sperre in BZ1. Geblieben ist eine Vorgabe an die Steuergeräte: Ein Signal muss mindestens zehn Minuten anstehen, und danach darf es frühestens nach weiteren zehn Minuten wieder gesetzt werden.
Wichtig für die Erwartungen: BZ3 ist eine Empfehlung, kein Befehl. Die Wärmepumpe darf das Signal ignorieren, wenn ihre Betriebssicherheit Vorrang hat, und laufende Zyklen oder Abtauvorgänge müssen nicht unterbrochen werden. Ist der Speicher schon warm, passiert schlicht nichts. Genau das zeigte ein Labortest des Instituts SPF in Rapperswil: Die Sperre wurde innerhalb einer Minute umgesetzt, auf das „Einschalten bitte“ konnte die Wärmepumpe aber kaum reagieren, weil die Speicher bereits mit PV-Strom überheizt waren.
Wohin der Überschuss geht und was er kostet
Eine Wärmepumpe kann Strom nicht speichern, nur Wärme. In BZ3 hebt sie deshalb Solltemperaturen an: im Warmwasserspeicher, im Pufferspeicher oder über eine etwas höhere Vorlauftemperatur in der Gebäudemasse. Am besten eignet sich eine Fußbodenheizung mit viel Estrich und ohne Thermostatventile, die abregeln. Warmwasser kann man das ganze Jahr überheizen. Puffer und Räume nur in der Heizperiode.
Das hat einen Preis. Je höher die Temperatur, auf die eine Wärmepumpe heizen muss, desto schlechter ihre Arbeitszahl, und ein wärmerer Speicher verliert mehr Wärme. Fraunhofer ISE hat das an einem Einfamilienhaus gemessen: Im SG-Ready-Betrieb lag die Vorlauftemperatur für Warmwasser im Schnitt 3,7 Kelvin höher (55,5 statt 51,8 °C), die saisonale Arbeitszahl sank um 5,7 % beim Warmwasser und um 4,0 % bei der Heizung. Im Feldtest „WP-QS im Bestand“ kamen bei +5 K Warmwasser und +2 K Heizkurve ähnliche Werte heraus, rund 6 % bzw. 4 %.
Dem steht der Gewinn gegenüber. Derselbe Feldtest fand, dass die Stromkosten der Wärmepumpe durch PV-optimierten Betrieb ohne Batterie um 8 bis 21 % sinken, gerechnet mit Kosten des eigenen PV-Stroms von 10 ct/kWh. Simulationen der HTW Berlin kommen für SG Ready auf 5 bis 10 Prozentpunkte mehr Autarkie. Ein Beispiel mit offengelegten Annahmen: Eine Wärmepumpe braucht 4.000 kWh Strom im Jahr, die kWh aus dem Netz kostet 30 ct. Das sind 1.200 Euro. 8 bis 21 % davon sind rund 100 bis 250 Euro im Jahr. Nicht eingerechnet sind die Kosten für Steuerung und Verkabelung und der Umstand, dass die Werte aus Deutschland stammen.
Der Großteil davon fällt im Sommerhalbjahr an. Im Dezember und Jänner, wenn die Wärmepumpe am meisten Strom braucht, liefert die PV-Anlage wenig, und es gibt kaum Überschuss, den man verschieben könnte. Das SPF hat im selben Projekt verglichen: 800 Liter Kombispeicher, um 10 K überheizt, sparten 619 kWh Netzbezug im Jahr. Eine 4-kWh-Batterie sparte 1.250 kWh. Wirtschaftlich empfahlen die Forscher, vorhandene Speicher und die Gebäudemasse zu nutzen, aber keine zusätzlichen Speicher nur für diesen Zweck anzuschaffen.
Wo es in der Praxis hakt
Die einfachste Ansteuerung ist ein potenzialfreier Kontakt am Wechselrichter, der ab einer eingestellten PV-Leistung schaltet. Als Schwelle wird oft die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe plus Grundlast des Haushalts empfohlen. Das Problem ist das Wetter. Ziehen Wolken durch, liegt die tatsächliche Erzeugung mal über, mal unter der Schwelle, und die Wärmepumpe läuft teils mit Netzstrom. Wegen der zehn Minuten Mindestdauer lassen sich kurze Spitzen ohnehin nicht nachfahren. Besser arbeitet eine Steuerung, die den echten Überschuss am Netzanschlusspunkt misst, und am besten ein Energiemanager, der auch Prognose und Verbrauch kennt.
Zweites Thema: Takten. Häufiges Ein- und Ausschalten verkürzt die Lebensdauer des Verdichters. Der WP-QS-Bericht empfiehlt, Kurzzyklen von zwei bis drei Minuten im Normalbetrieb zu vermeiden. Eine Regelung, die stur auf maximale Eigenverbrauchsquote zielt, führt laut SPF „nicht zu effizienten Lösungen“. Drittens der Heizstab: Wer über SG Ready den elektrischen Heizstab mitlaufen lässt, setzt Strom 1:1 in Wärme um und verschenkt den Vorteil der Wärmepumpe. Warum er selten laufen sollte, steht im Beitrag zum Heizstab in der Wärmepumpe.
SG Ready kennt nur Ein und Aus. Die Leistung des Verdichters kann es nicht vorgeben. Dafür gibt es Kommunikationsstandards wie EEBus oder herstellerspezifische Modbus-Schnittstellen, über die ein Energiemanager einer modulierenden Wärmepumpe eine Leistung vorgeben kann. In Fachbeiträgen von Herstellerseite wird betont, dass so dem Überschuss fast wattgenau gefolgt werden kann. Unabhängige Messungen, wie viel das gegenüber SG Ready zusätzlich bringt, haben wir nicht gefunden.
Ein Hinweis noch zur Förderung. Der Klima- und Energiefonds fördert bis 15. April 2027 (bzw. solange Budget da ist) Energiemanagementsysteme in Haushalten mit 50 % der Kosten, höchstens 600 Euro. Systeme, die ausschließlich den Eigenverbrauch optimieren, sind ausdrücklich ausgeschlossen, das EMS muss mindestens zwei Komponenten steuern und lokal ohne Internet funktionieren. SG Ready nennt der Leitfaden gar nicht. Als empfohlene Schnittstellen stehen dort EEBus, Modbus, SEMP und OCPP. Eine Wärmepumpe, die nur über SG Ready an einen Wechselrichterkontakt gehängt wird, ist also kein Förderfall. Details zur Förderung: Bis zu 600 Euro für die Steuerzentrale.
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen
- Bundesverband Wärmepumpe: SG Ready Schnittstelle 1.1, Novelle 2025 (Änderungen) und Schnittstelle 1.0
- Fraunhofer ISE, Schlussbericht WP-QS im Bestand (2025): https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/projekte/WP-QS_Schlussbericht.pdf
- Fraunhofer ISE, Feldmessung Einfamilienhaus mit PV, Batterie und Wärmepumpe – Eintrag in Fraunhofer-Publica
- SPF Rapperswil / BFE, Projekt CombiVolt (2019): Schlussbericht (PDF)
- HTW Berlin (Tjaden u. a. 2015): PV-Systeme mit Wärmepumpen ideal betreiben
- C.A.R.M.E.N. e.V.: Wärmepumpe trifft Photovoltaik
- Klima- und Energiefonds, Leitfaden Energiemanagementsysteme Private 2026 (PDF): https://www.umweltfoerderung.at/fileadmin/user_upload/umweltfoerderung/private/Energiemanagement/ems_private_leitfaden.pdf

