Stromverbrauch einer Wärmepumpe = Wärmebedarf des Hauses geteilt durch Jahresarbeitszahl. Mehr steckt in der Rechnung nicht. Die Schwierigkeit liegt darin, die beiden Werte realistisch einzuschätzen – und genau da gehen die meisten Online-Rechner zu optimistisch vor.
Ein Beispiel vorweg: Ein Haus braucht 15.000 kWh Wärme im Jahr, die Wärmepumpe erreicht eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,5. Das ergibt rund 4.300 kWh Strom. Bei 25 bis 30 Cent pro kWh sind das etwa 1.070 bis 1.290 Euro im Jahr.
Der Wärmebedarf
Am verlässlichsten kommt man über den bisherigen Verbrauch hin. Faustwerte für die Umrechnung:
- 1 Liter Heizöl ≈ 10 kWh
- 1 m³ Erdgas ≈ 10 bis 11 kWh (auf der Rechnung steht meist ohnehin kWh)
- 1 kg Pellets ≈ 4,8 bis 5 kWh
Das ist die eingekaufte Energie. Beim alten Kessel geht davon ein Teil verloren – über den Rauchfang, über Abstrahlung im Heizraum. Mit 80 bis 90 Prozent Wirkungsgrad liegt man bei den meisten Anlagen richtig, bei sehr alten eher darunter. 2.000 Liter Öl sind also rund 20.000 kWh eingekauft, davon kommen etwa 17.000 kWh als Wärme im Haus an. Mit diesem Wert rechnet man.
Häufiger Fehler: mit dem Heizölverbrauch direkt rechnen und die Kesselverluste vergessen. Dann wird der Stromverbrauch der Wärmepumpe überschätzt. Das ist ausnahmsweise mal ein Fehler in die sichere Richtung.
Die Jahresarbeitszahl
Hier liegt die eigentliche Unsicherheit. Die JAZ beschreibt das Verhältnis von abgegebener Wärme zu aufgenommenem Strom über ein ganzes Jahr, mit allen kalten Tagen, dem Warmwasser, dem Abtauen im Winter.
Nicht zu verwechseln mit dem COP auf dem Datenblatt. Der COP wird unter festgelegten Laborbedingungen gemessen, etwa bei 2 Grad Außentemperatur und 35 Grad Vorlauf. Die JAZ im Alltag liegt fast immer darunter. Wer mit dem COP rechnet, rechnet sich die Anlage schön.
Was die JAZ bestimmt, sind im Wesentlichen zwei Temperaturen: die der Wärmequelle und die, auf die das Heizwasser gebracht werden muss. Je kleiner der Abstand dazwischen, desto weniger muss der Verdichter arbeiten. Deshalb erreichen Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonde – das Erdreich hat auch im Jänner einige Plusgrade – häufig Werte um 4 bis 5. Luft-Wasser-Wärmepumpen, die bei minus zehn Grad noch Wärme aus der Luft holen müssen, liegen in der Praxis oft um 3 bis 4. Und eine Fußbodenheizung mit 35 Grad Vorlauf ist für jede Wärmepumpe angenehmer als Heizkörper mit 55 Grad.
| Wärmebedarf pro Jahr | JAZ 3,0 | JAZ 3,5 | JAZ 4,5 |
|---|---|---|---|
| 10.000 kWh | 3.330 kWh | 2.860 kWh | 2.220 kWh |
| 15.000 kWh | 5.000 kWh | 4.290 kWh | 3.330 kWh |
| 20.000 kWh | 6.670 kWh | 5.710 kWh | 4.440 kWh |
Die Spreizung ist erheblich. Zwischen einer mittelmäßig und einer gut laufenden Anlage liegen bei einem Altbau schnell 2.000 kWh im Jahr.
Was man selbst beeinflussen kann
Mehr als man denkt, und fast alles hängt an der Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Effizienz spürbar. Viele Anlagen laufen nach der Inbetriebnahme mit einer Heizkurve, die „sicherheitshalber“ zu hoch eingestellt ist. Schrittweise absenken, ein paar Tage warten, weiter absenken – so lange, bis die Räume gerade noch warm werden.
Der elektrische Heizstab ist der zweite Punkt. Er ist für Extremtage und die Estrichtrocknung gedacht. Läuft er regelmäßig, stimmt etwas mit Auslegung oder Einstellung nicht. Die meisten Anlagen zeigen an, wie viel Strom der Heizstab verbraucht hat. Einmal pro Winter nachschauen.
Und Warmwasser: Es braucht höhere Temperaturen als die Heizung und drückt deshalb die JAZ. Eine sinnvoll eingestellte Speichertemperatur und eine Legionellenschaltung, die nicht täglich läuft, helfen.
Ob ein eigener Wärmepumpentarif mit separatem Zähler sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Einige Netzbetreiber bieten unterbrechbare Tarife mit niedrigeren Netzentgelten an, andere nicht, und mit einer PV-Anlage ist ein gemeinsamer Zähler oft günstiger. Das sollte vor der Installation mit Installateur und Netzbetreiber geklärt werden, nachträglich ist es mühsam.
Aussagekräftig wird der eigene Verbrauch übrigens erst im zweiten Winter. Im ersten trocknet oft noch Estrich, die Einstellungen werden nachjustiert, und niemand weiß, ob der Winter mild oder hart war.


