Seit ein paar Jahren hängt in fast jedem österreichischen Haushalt ein Smart Meter. Die meisten haben ihn beim Tausch kurz gesehen und nie wieder darüber nachgedacht. Dabei zeigt der Zähler – wenn man ihn lässt – ziemlich genau, wohin der Strom verschwindet.
Was „smart“ an meinem Zähler ist, entscheide ich selbst?
Ja, zum großen Teil. Ein Smart Meter kann in drei Konfigurationen laufen, und welche davon bei Ihnen aktiv ist, können Sie beim Netzbetreiber festlegen:
- Opt-out – der Zähler speichert und überträgt keine Tages- oder Viertelstundenwerte. Er wird im Grunde behandelt wie ein alter Zähler. Man nennt das dann „digitaler Standardzähler“.
- Standard – ein Tageswert wird übertragen.
- Opt-in (oft „IME“ oder „erweitert“ genannt) – zusätzlich werden Viertelstundenwerte gespeichert und einmal täglich übermittelt.
Die Namen unterscheiden sich von Netzbetreiber zu Netzbetreiber. Die Sache dahinter ist überall gleich, weil sie bundesweit geregelt ist.
Wo sehe ich meine Daten?
Im Webportal Ihres Netzbetreibers. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, Kundinnen und Kunden mit Smart Meter die Verbrauchsdaten dort zur Verfügung zu stellen. Wer das ist, steht auf der Stromrechnung: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Oberösterreich, Energienetze Steiermark, Kärnten Netz, Salzburg Netz, TINETZ, Vorarlberger Energienetze, Netz Burgenland – oder einer der rund hundert kleineren Betreiber, oft Stadtwerke.
Für die Registrierung brauchen Sie meist die Zählpunktnummer und die Kundennummer. Beides steht auf der Rechnung.
Was kann ich dort herausfinden?
Das Spannendste ist oft der Wert, an den niemand denkt: der Verbrauch in der Nacht. Zwischen zwei und vier Uhr schläft der Haushalt, und trotzdem läuft etwas. Kühlschrank, Router, Geräte im Standby, vielleicht eine alte Heizungspumpe. Dieser Wert heißt Grundlast. Liegt er deutlich über 100 Watt, lohnt sich die Suche nach Stromfressern. (Dazu gibt es einen eigenen Ratgeber.)
Mit Tageswerten sieht man das allerdings nicht. Man sieht nur, dass ein Tag viel war – aber nicht, wann. Dafür braucht es die Viertelstundenwerte, also Opt-in.
Eine kleine Rechnung, die viele überrascht: 100 Watt, die rund um die Uhr laufen, sind knapp 880 Kilowattstunden im Jahr. Bei 28 Cent sind das fast 250 Euro. Für nichts.
Wofür brauche ich Opt-in noch?
Für dynamische Stromtarife, bei denen der Preis sich stündlich oder viertelstündlich ändert. Für die Teilnahme an einer Energiegemeinschaft. Und bei einer eigenen PV-Anlage ist ein vollwertig konfigurierter Zähler meist ohnehin Pflicht.
Umstellen lässt sich das bei vielen Netzbetreibern direkt im Portal, sonst mit einem kurzen Formular. Kosten entstehen dafür normalerweise keine.
Ist das nicht ein Datenschutzproblem?
Das ist eine berechtigte Frage, und die ehrliche Antwort lautet: Es kann eins sein. Aus Viertelstundenwerten lässt sich ablesen, wann jemand zuhause ist, wann geschlafen wird, wann der Herd läuft. Genau deshalb braucht es dafür Ihre ausdrückliche Zustimmung.
Wer das nicht möchte, kann Opt-out wählen. Den Einbau des digitalen Zählers kann man zwar nicht verhindern, die smarten Funktionen aber abschalten lassen. Dann gibt es eben kein Portal mit Verbrauchsdaten, keinen dynamischen Tarif, keine Energiegemeinschaft. Das ist eine Abwägung, die jeder selbst treffen muss. Wir finden keine der beiden Entscheidungen falsch.
Und für Technikfreunde?
Viele Smart Meter haben eine Kundenschnittstelle, über die man die Werte in Echtzeit auslesen kann, etwa für eine Wallbox mit PV-Überschussladen oder ein Energiemanagement. Die Schnittstelle muss der Netzbetreiber freischalten. Laut E-Control hat er dafür fünf Arbeitstage Zeit, und die nötigen Informationen muss er kostenlos zur Verfügung stellen.
Für den Anfang reicht aber viel weniger: beim Portal registrieren. Eine Woche warten. Dann die Nachtwerte anschauen. Mehr braucht es nicht.
Quellen
E-Control: Häufige Fragen und Antworten zu Smart Meter
Das Hausbau Magazin – Smart Meter in Österreich: Opt-out, Viertelstundenwerte und Datenschutz
Netz Burgenland, Opt-Out-Information


