Ein Neubau darf laut OIB-Richtlinie 6 einen n50-Wert von höchstens 3,0 pro Stunde haben, mit Komfortlüftung höchstens 1,5. Gemessen wird das mit dem Blower-Door-Test. Die meisten Bauherren lassen ihn einmal machen, am Ende, als Nachweis. Das ist der teuerste Zeitpunkt, um eine Undichtheit zu finden.
Was eigentlich gemessen wird
Ein Ventilator wird luftdicht in eine Außentür gespannt und erzeugt im Haus einen Druckunterschied von 50 Pascal gegenüber außen – einmal Unterdruck, einmal Überdruck. Gemessen wird, wie viel Luft der Ventilator fördern muss, um diesen Druck zu halten. Jede Undichtheit in der Gebäudehülle lässt Luft nachströmen, und der Ventilator muss mehr arbeiten.
Das Ergebnis, die Luftwechselrate n50, gibt an, wie oft das gesamte Luftvolumen des Hauses bei dieser Druckdifferenz pro Stunde ausgetauscht wird. Ein Wert von 1,0 heißt: einmal pro Stunde. Zur Einordnung – ein durchschnittlicher österreichischer Neubau erreicht heute etwa 1,0 bis 1,5, ein unsanierter Altbau oft 4 bis 8, ein zertifiziertes Passivhaus muss unter 0,6 bleiben.
Warum Dichtheit mehr ist als Energie
Der Energieaspekt ist offensichtlich: Warme Luft, die durch Ritzen entweicht, muss nachgeheizt werden. Bei einem gut gedämmten Haus ist dieser Anteil an den Gesamtverlusten nicht zu vernachlässigen.
Der wichtigere Punkt ist Feuchtigkeit. Raumluft enthält Wasserdampf. Strömt sie durch eine Undichtheit in die Dämmebene – etwa in eine Dachkonstruktion –, kühlt sie auf dem Weg nach außen ab. Irgendwo unterschreitet sie den Taupunkt, und das Wasser fällt aus. In der Konstruktion, wo es niemand sieht. Bei Holzbauten und Dächern kann das über Jahre Schäden verursachen, die erst auffallen, wenn es teuer ist.
Ein dritter, eher praktischer Grund: Eine Komfortlüftung arbeitet nur in einem dichten Haus so, wie sie geplant wurde. Sonst strömt Luft an der Wärmerückgewinnung vorbei.
Zwei Messungen statt einer
Die erste Messung gehört in die Phase, in der die luftdichte Ebene fertig ist, aber noch nicht verkleidet: Folien verklebt, Innenputz drauf, noch keine Vorsatzschalen, keine Gipskartonplatten. Man sucht dabei mit Rauchröhrchen, Anemometer oder Wärmebildkamera gezielt die Leckagen. Die lassen sich dann mit Klebeband und Dichtmasse beheben. Ein, zwei Stunden Arbeit.
Die zweite Messung nach Fertigstellung ist der offizielle Nachweis – für Energieausweis, gegebenenfalls für die Wohnbauförderung des Landes, die teils eigene Anforderungen stellt.
Wer nur am Ende misst und über dem Grenzwert liegt, sucht die Leckage hinter fertigen Oberflächen. Die Kosten für eine Messung beim Einfamilienhaus liegen meist bei einigen hundert Euro. Nachträgliches Öffnen von Wänden kostet ein Vielfaches.
Wo es fast immer undicht ist
- Fenster- und Türanschlüsse
- Durchdringungen: Elektroleitungen, Rohre, Lüftungskanäle, Rauchfang
- Steckdosen in Außenwänden ohne luftdichte Dosen
- Übergang Wand – Dach bzw. oberste Geschoßdecke
- Einschubtreppen zum Dachboden
- Rollladenkästen
Massivbauten sind übrigens nicht automatisch dicht. Die luftdichte Ebene ist dort der Innenputz – und hinter Vorsatzschalen oder Installationswänden fehlt er häufig. Genau da findet die erste Messung dann die Überraschungen.
Im Werkvertrag sollte ein Zielwert stehen, außerdem, wer die Messungen beauftragt und wer bei Überschreitung nachbessert. Den Termin für die erste Messung im Bauzeitplan fixieren. Das Zeitfenster zwischen fertiger Dichtebene und Innenausbau ist kurz, und auf Baustellen wird es gern übersehen.
Quellen
- pieno.at – Blower Door Test: Luftdichtheitsprüfung im Neubau und Altbau
- Energieausweis Arch Korab ZT: Was ist ein Blower Door Test?


