Kurz gesagt: Ein E-Auto kann heute schon das eigene Haus mit Strom versorgen. In Österreich klappt das aber nur mit wenigen Modellen und einer eigenen, passenden DC-Wallbox. Strom aus dem Auto ins öffentliche Netz zurückspeisen (V2G) ist für Privathaushalte noch nicht vorgesehen. Wer jetzt eine Wallbox kauft, sollte trotzdem genau hinschauen: Nicht jedes Gerät, das als „zukunftssicher“ verkauft wird, kann später wirklich Strom aus dem Auto ins Haus liefern.
Im März hat die Österreichische Post gemeinsam mit EVN und Netz Niederösterreich in Mautern an der Donau einen Test mit fünf E-Transportern gestartet, die Strom ins Netz zurückgeben können. Im Mai haben BMW und Solarwatt angekündigt, dass die neuen Modelle iX3 und i3 ab Ende 2026 auch in Österreich das Haus mit Strom aus der Fahrzeugbatterie versorgen sollen. Das Thema rückt also näher an den Alltag. Für alle mit PV-Anlage, Wärmepumpe oder einer geplanten Wallbox ist das ein guter Zeitpunkt, um es einzuordnen.
Drei Begriffe, drei Reifegrade
Hinter „bidirektionalem Laden“ stecken drei Anwendungen. Sie sind unterschiedlich weit.
- V2L (Vehicle-to-Load): Das Auto versorgt einzelne Geräte über eine Steckdose, etwa beim Camping oder auf der Baustelle. Bei Volkswagen sind das laut Hersteller bis zu 3,6 kW, bei etwa 20 % Akkustand schaltet das Auto ab. Das gibt es in vielen Modellen bereits.
- V2H (Vehicle-to-Home): Das Auto speist über die Wallbox in den Hausstromkreis ein und arbeitet damit wie ein großer Heimspeicher. Strom fließt dabei nicht ins öffentliche Netz.
- V2G (Vehicle-to-Grid): Das Auto gibt Strom ins öffentliche Netz ab, zum Beispiel wenn dort Strom knapp und teuer ist. Das ist der Teil, für den Messung, Abrechnung und Regeln noch fehlen.
Welche E-Autos in Österreich schon Strom ins Haus liefern
| Stand Oktober 2026 | |
|---|---|
| Heute möglich | V2H mit VW-ID.-Modellen: laut VW Österreich mit aktueller ID.-Software 6, ältere Fahrzeuge ab Software 3.5 mit mindestens 77-kWh-Batterie. Dazu braucht es den MOON BiDi Charger 11 DC (bis 11 kW laden und entladen), der über VW-Partner erhältlich ist. |
| Angekündigt | V2H für BMW iX3 und i3 der Neuen Klasse mit der BMW Wallbox Professional und dem Energiemanager von Solarwatt, Marktstart laut Ankündigung Ende 2026 in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Preise sind noch nicht bekannt. |
| Noch offen | V2G für Privathaushalte. Die Partner im Post-Projekt rechnen damit, dass bidirektionales Laden in Österreich ab Anfang 2027 möglich wird. Einen fertigen Rahmen dafür gibt es noch nicht. |
Eine Einschränkung bei VW: Für Fahrzeuge mit Software 3.5 bis unter 6 begrenzt der Hersteller das Entladen auf 10.000 kWh oder 4.000 Betriebsstunden. Ab Software 6 rechnet VW die abgegebene Energie stattdessen in eine „virtuelle Distanz“ um, behandelt sie also ähnlich wie gefahrene Kilometer. Für die Garantie verweist VW auf eigene Bedingungen zur Neuwagengarantie. Wer das nutzen will, sollte sie vorher lesen.
Wie das zusammenhängt
Für sich genommen ist V2H einfach ein Speicher auf Rädern. Interessant wird es, wenn man es mit den anderen Bausteinen im Haus zusammendenkt.
PV-Anlage: Mittags entsteht mehr Strom, als das Haus braucht. Ein stationärer Speicher fängt davon meist nur einige Kilowattstunden auf, eine Autobatterie viel mehr. Das Problem: Das Auto muss dafür zu Hause stehen. Wer tagsüber in die Arbeit pendelt, lädt am Abend und kann den Mittagsstrom gar nicht speichern. Und ganz leer fahren darf das Haus den Akku nicht: Ein Teil muss für die nächste Fahrt reserviert bleiben. Wie sich ein klassischer Speicher rechnet, steht in unserem Beitrag zu PV mit Stromspeicher.
Dynamischer Stromtarif: Mit einem Tarif, der sich am Börsenpreis orientiert, kann man das Auto in billigen Stunden laden und am teuren Abend das Haus daraus versorgen. Ein vereinfachtes Beispiel: 10 kWh zu 10 Cent geladen, bei rund 85 % Wirkungsgrad kommen 8,5 kWh im Haus an. Kostet die Energie zu dieser Zeit 30 Cent, liegt der Unterschied bei 1,55 Euro. Netzentgelte, Steuern, Batteriealterung und die Technik selbst sind darin nicht eingerechnet. Ob sich so ein Tarif überhaupt lohnt, hängt stark vom eigenen Verbrauch ab, das hat Kollege Toberich beim dynamischen Stromtarif durchgerechnet.
Leistungspreis: Die E-Control plant, dass ab 2027 bei den Netzentgelten auch die bezogene Leistung zählt. Abgerechnet werden soll laut ihrem Konsultationsentwurf der höchste Viertelstundenwert des Monats. Die Verordnung ist noch nicht beschlossen. Kommt sie so, wird es teurer, wenn Wärmepumpe, Herd und Wallbox gleichzeitig laufen. Ein Auto, das in solchen Momenten Strom ins Haus liefert statt zu ziehen, könnte Spitzen glätten. Dafür braucht es aber nicht unbedingt bidirektionales Laden: Oft reicht schon eine Steuerung, die die Wallbox kurz drosselt, wenn die Wärmepumpe anläuft. Was der Leistungspreis für wen bedeutet, steht im Beitrag zum Leistungspreis.
Das eine hängt am anderen: Ohne ein Energiemanagement, das Auto, PV, Wärmepumpe und Tarif gemeinsam steuert, bleibt V2H eine nette Funktion, die man selten nutzt.
Was das Gesetz sagt und was nicht
Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) definiert in § 6 den Begriff „bidirektionales Laden“ mit Verweis auf eine EU-Verordnung. Netzbetreiber müssen außerdem mit Betreibern von Ladepunkten, auch solchen mit bidirektionaler Funktion, diskriminierungsfrei zusammenarbeiten. Eigene Regeln für E-Autos, die ins Netz einspeisen, enthält das Gesetz aber nicht.
Für Speicher gibt es eine wichtige Bestimmung: Nach § 127 Abs. 3 ElWG werden Energiespeicheranlagen beim Bezug des zu speichernden Stroms für 20 Jahre von Netznutzungs- und Netzverlustentgelt befreit, „unter Berücksichtigung des systemdienlichen Betriebs“. Was das genau heißt, legt die E-Control per Verordnung fest. Ihr Konsultationsentwurf vom Februar nennt für systemdienliche Speicher unter anderem mindestens 1 MW Leistung und einen Vertrag mit dem Übertragungsnetzbetreiber APG. Ein Heimspeicher oder ein E-Auto in der Garage fällt da nicht hinein. Ob es für kleine Speicher später eigene Regeln gibt, ist offen.
Für V2H spielt das kaum eine Rolle, weil der Strom im Haus bleibt. Für V2G schon: Eine Befreiung für E-Autos ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen. Wer Netzstrom ins Auto lädt und später zurückspeist, zahlt beim Laden also die normalen Netzentgelte. Damit ist das Geschäftsmodell für Private vorerst schwer zu rechnen.
Was das im Alltag heißt
Technisch geht V2H heute schon. Ob es sich für ein normales Einfamilienhaus lohnt, ist eine andere Frage. Die Antwort hängt an drei Punkten:
- Steht das Auto oft zu Hause? Homeoffice, Pension oder ein Zweitwagen, der viel steht: Dann passt V2H gut zur PV-Anlage. Wer täglich pendelt, profitiert eher abends und nachts, also vor allem mit dynamischem Tarif.
- Passt das Auto? Die Auswahl ist klein. Ohne freigegebenes Fahrzeug nützt die beste Wallbox nichts.
- Was kostet das Ganze? Bidirektionale DC-Wallboxen sind eigene Geräte und keine Zusatzfunktion einer normalen Wallbox. VW nennt auf seiner Seite keinen Preis. Beim Angebot zählt nicht nur die Wallbox, sondern der Preis bis zur betriebsbereiten Anlage: Installation, Einbindung von PV und Energiemanagement, eventuell weitere Geräte.
Und wer oft das Auto wechselt, sollte bedenken: Eine Lösung, die heute mit dem eigenen Modell funktioniert, muss mit dem nächsten nicht mehr passen.
Vor dem Wallbox-Kauf: vier Fragen
Einige Hersteller bewerben normale Wallboxen als „V2X-ready“. Gemeint ist meist die Norm ISO 15118-20, über die Auto und Wallbox bidirektionales Laden aushandeln. Eine Zusage, dass die Funktion später für das eigene Auto freigeschaltet wird, ist das nicht. Vor der Bestellung sollten deshalb vier Dinge geklärt sein:
- Fahrzeug: Ist das konkrete Modell für V2H freigegeben?
- Wallbox: Kann sie Laden und Entladen heute schon, oder ist das nur angekündigt?
- Hausinstallation: Welche zusätzlichen Geräte braucht es für die Einbindung?
- Netzbetreiber: Welche Melde- und Anschlussregeln gelten? Das regelt jeder Netzbetreiber selbst, bei einer Anlage, die Strom abgeben kann, also vorher fragen.
Eine günstigere Wallbox, die zuverlässig lädt, ist oft die bessere Wahl als ein teures Modell mit unklaren Zukunftsfunktionen.
Was als Nächstes kommt
- Ende 2026: geplanter Marktstart von V2H bei BMW iX3 und i3 in Österreich.
- 1. Jänner 2027: geplantes Inkrafttreten der neuen Netzentgelte samt Leistungspreis und Regeln für systemdienliche Speicher, sofern die E-Control die Verordnung wie geplant beschließt.
- Ab Anfang 2027: Laut den Partnern im Post-Projekt soll bidirektionales Laden in Österreich dann möglich werden. Wie das für Privathaushalte konkret aussieht, ist noch offen.
Bis dahin gilt: V2H ist marktreif für wenige, V2G ist angekündigt, aber noch nicht im Haushalt angekommen. Wer kein passendes Auto hat, verpasst derzeit nichts.
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen
- Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), BGBl. I Nr. 91/2025, § 6 (Begriff „bidirektionales Laden“), § 127 Abs. 3 (Speicher): ris.bka.gv.at
- Volkswagen Österreich, Bidirektionales Laden (Herstellerinformation): volkswagen.at
- Volkswagen Österreich, MOON Wallboxen: volkswagen.at
- Solarserver, 18. Mai 2026: „BMW und Solarwatt starten Vehicle-to-Home mit Neuer Klasse“ – solarserver.de
- electrive, 10. März 2026: „Österreichische Post testet V2G-Laden mit E-Transportern“ – electrive.net
- E-Control, Marktkonsultation SNE-GV Teil 1 (Leistungspreis, Februar 2026): e-control.at (PDF)
- E-Control, Marktkonsultation SNE-GV Teil 2 (systemdienliche Speicher, Februar 2026): e-control.at (PDF)

