Man kennt das: Das Nudelwasser brodelt ohne Deckel vor sich hin, die kleine Pfanne steht auf der großen Platte, und das Backrohr heizt schon vor, obwohl die Pizza noch im Tiefkühler liegt. Jede Sache für sich ist eine Kleinigkeit. Zusammen landen sie auf der Stromrechnung.
Die kurze Antwort: Am meisten bringen Deckel, ein passender Topf, wenig Wasser, Restwärme und beim Backen Umluft ohne Vorheizen. Das kostet alles nichts. Ein neuer Herd bringt weniger, als man glaubt. Und ein paar beliebte Tipps sind eher Kosmetik.
Wie viel ist da überhaupt drin?
Herd und Backrohr machen laut klimaaktiv rund 10 Prozent des Stromverbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts aus. Die Umweltberatung nennt etwa 14 Prozent.
Umgelegt auf 3.500 kWh im Jahr (mit diesem Durchschnittshaushalt rechnet die E-Control) sind das 350 bis 490 kWh. Bei 30 Cent pro kWh also grob 105 bis 150 Euro im Jahr. Beide Stellen halten bis zur Hälfte davon für einsparbar, wenn man alle Tricks zusammen anwendet. Das ist das obere Ende. Wer realistisch ein Drittel schafft, spart nach unserer Schätzung 35 bis 50 Euro im Jahr. Kein Vermögen. Aber auch nichts, wofür man etwas kaufen muss.
Zur Annahme von 30 Cent: Laut Strompreismonitor der E-Control vom 1. Oktober 2026 zahlt ein Haushalt mit 3.500 kWh beim jeweiligen lokalen Versorger inklusive Netz, Steuern und Abgaben zwischen 890,91 Euro (Tiwag) und 1.218,11 Euro (Energie Klagenfurt) im Jahr. Das sind umgerechnet etwa 25 bis 35 Cent pro kWh. Wir nehmen die Mitte. Weil Grundgebühren in diesem Durchschnitt stecken, kostet jede zusätzliche Kilowattstunde meist etwas weniger. Ihren eigenen Arbeitspreis finden Sie auf der Stromrechnung.
Rechenbeispiel: ein Liter Wasser
Um einen Liter Leitungswasser von 15 auf 100 Grad zu bringen, braucht es physikalisch rund 0,1 kWh (4,19 kJ pro Kilogramm und Grad, mal 85 Grad). Weniger geht nicht. Alles darüber ist Verlust: Wärme, die in die Platte, den Topf, die Luft oder als Dampf verschwindet.
Für die Tabelle haben wir dieses Minimum durch typische Wirkungsgrade geteilt. Die Werte für Induktion und Glaskeramik stammen von der US-Umweltbehörde EPA (ENERGY STAR) und sind Laborwerte, also eher günstig gerechnet. Beim Wasserkocher setzen wir 90 Prozent an. Das ist eine eigene Annahme, weil das Heizelement direkt im Wasser bzw. im Boden sitzt und wenig Wärme danebengeht.
| Variante | Wirkungsgrad (Annahme) | Strom | Kosten bei 30 ct/kWh |
|---|---|---|---|
| Physikalisches Minimum | 100 % | 0,099 kWh | 3,0 ct |
| Wasserkocher | ca. 90 % (eigene Annahme) | 0,110 kWh | 3,3 ct |
| Induktion, mit Deckel | ca. 85 % (ENERGY STAR) | 0,116 kWh | 3,5 ct |
| Glaskeramik (Ceran), mit Deckel | 75 % (ENERGY STAR: 75–80 %) | 0,132 kWh | 4,0 ct |
| Glaskeramik, ohne Deckel | plus rund 20 % Verlust (Umweltberatung) | 0,165 kWh | 5,0 ct |
Knapp zwei Cent Unterschied pro Liter zwischen offenem Topf und Wasserkocher. Wer jeden Tag einen Liter kocht, spart mit dem Wasserkocher rund 20 kWh im Jahr. Das sind sechs Euro.
Die Umweltberatung nennt für den Wasserkocher gegenüber dem Elektroherd 60 bis 80 Prozent Ersparnis. Solche Werte passen eher zu alten Gussplatten oder zu einem kleinen Topf auf einer zu großen Platte. Wo Ihre Küche liegt, hängt vor allem am Herd.
Und jetzt der Tipp, der weniger bringt, als überall steht: Nudelwasser im Wasserkocher vorkochen und dann in den Topf leeren. klimaaktiv schreibt dazu nüchtern, das bringe keine Vorteile. Mit Induktion ist der Wasserkocher laut klimaaktiv ohnehin nicht im Vorteil. Für Tee und Kaffee passt er trotzdem, aber nur, wenn Sie so viel einfüllen, wie Sie wirklich brauchen. Ein voller Kocher für eine Tasse frisst den Vorteil sofort wieder auf.
Am Herd
Der Deckel ist der Klassiker, und er bleibt es. oesterreich.gv.at nennt 10 bis 13 Prozent weniger Energie, die Umweltberatung 20 Prozent.
Mehr als der Deckel bringt oft die richtige Platte. Ist sie nur ein, zwei Zentimeter größer als der Topfboden, gehen laut Umweltberatung 20 bis 30 Prozent der Energie daneben. Und der Topfboden sollte eben sein.
Wenig Wasser. Für eine Portion Erdäpfel reicht laut klimaaktiv ein Viertelliter, Gemüse muss nur knapp bedeckt sein. Zum Ankochen die höchste Stufe, dann zurückdrehen. Auf der Glaskeramik oder der alten Gussplatte ein paar Minuten vor Ende ganz abschalten, die Platte gibt noch Wärme ab. Bei Induktion funktioniert das kaum, weil die Wärme im Topfboden entsteht und das Feld sofort aus ist.
Nudeln kann man nach einigen Minuten Kochzeit mit geschlossenem Deckel ohne Hitze fertig ziehen lassen. Für Eier reicht ein Fingerbreit Wasser plus Deckel. Die richtige Zeit muss man ein paarmal ausprobieren.
Der Schnellkochtopf ist der unterschätzte Sparmeister. klimaaktiv und die Umweltberatung sprechen von bis zu 30 Prozent weniger Energie und bis zu 50 Prozent weniger Zeit, das deutsche Umweltbundesamt sogar von bis zu 50 Prozent Energie. Lohnt sich vor allem bei allem, was lange braucht: Rindsuppe, Bohnen, Linsen, Erdäpfel. Reis und Hülsenfrüchte vorher quellen lassen verkürzt die Garzeit zusätzlich.
Induktion, Ceran oder Gas – lohnt sich ein Tausch?
Die Wirkungsgrade laut ENERGY STAR: Induktion rund 85 Prozent, klassische Elektro-Kochzonen 75 bis 80 Prozent, Gas rund 32 Prozent. Induktion ist also vorn. Der Abstand ist aber kleiner, als die Werbung vermuten lässt. klimaaktiv nennt rund 30 Prozent weniger Strom bei kleinen Mengen, bei großen Mengen und langer Kochdauer schrumpft der Unterschied. Das Umweltbundesamt sieht es genauso: Der Vorsprung entsteht vor allem beim Aufheizen.
klimaaktiv schreibt außerdem, dass sich mit einfachen Verhaltensänderungen oder passendem Kochgeschirr weit mehr Strom sparen lässt als mit effizienterer Herdtechnik. Das ist der Punkt. Ein neues Induktionskochfeld nur zum Sparen rechnet sich bei 100 bis 150 Euro Kochstrom im Jahr kaum. Wenn der alte Herd ohnehin kaputt ist, ist Induktion die effizienteste elektrische Wahl. Dann aber mit Töpfen, die einen magnetischen Boden haben.
Gas ist ein Sonderfall. Beim Wirkungsgrad am Topf liegt es klar hinten. Aus Umweltsicht relativiert das Umweltbundesamt das, weil bei der Stromerzeugung in Kraftwerken ebenfalls Verluste anfallen. Und bei den Kosten? Im Gaspreismonitor der E-Control vom 1. Oktober 2026 kosten 15.000 kWh beim lokalen Versorger zwischen 1.573,96 Euro (TIGAS) und 3.060,69 Euro (EVN), also rund 10,5 bis 20 Cent pro kWh. Geteilt durch 32 Prozent Wirkungsgrad kostet die Wärme, die tatsächlich im Topf ankommt, grob 33 bis über 60 Cent pro kWh. Bei Induktion sind es mit unseren 30 Cent rund 35 Cent. Billiger ist Gas am Herd damit nicht, eher im Gegenteil (mit dem Vorbehalt, dass es Laborwerte sind). Einen funktionierenden Gasherd deswegen herauszureißen, rechnet sich trotzdem nicht. Dafür ist der Anteil des Kochens zu klein.
Backrohr: Vorheizen? Meistens nicht.
Steht im Rezept, ist aber in den meisten Fällen unnötig. Ohne Vorheizen sparen Sie laut klimaaktiv bis zu 20 Prozent. Die Ausnahme laut klimaaktiv: empfindliche Teige.
Umluft statt Ober- und Unterhitze spart 15 bis 20 Prozent. Wenn Sie zusätzlich 20 bis 30 Grad weniger einstellen als im Rezept, kommen laut klimaaktiv noch einmal bis zu 20 Prozent dazu. Mit Umluft gehen außerdem zwei Bleche gleichzeitig statt nacheinander. Leere Bleche, die nur mitheizen, gehören raus.
Ein Trick, der hängen bleibt: Tür zu lassen. Jedes Öffnen kostet etwa ein Fünftel der Wärme im Rohr. Und zum Schluss reicht die Restwärme für bis zu zehn Minuten Garzeit, also früher abdrehen.
Kleine Mengen: Mikrowelle, Airfryer, Toaster
Für ein paar Weckerl das ganze Backrohr aufheizen? Lassen Sie’s. Toaster, Kontaktgriller, Miniofen oder Heißluftfritteuse sind für kleine Mengen besser geeignet, so klimaaktiv.
Die Mikrowelle ist laut Umweltbundesamt bis etwa 250 Milliliter klar effizienter als Herd und Backrohr. Darüber sind Wasserkocher, Herdplatte und Ofen meistens sparsamer. Der Teller Suppe gehört also in die Mikrowelle, der Topf Gulasch für vier auf den Herd.
Beim Airfryer ist es ähnlich. Der VKI hat im August 2026 51 Geräte getestet: Bei kleinen Portionen arbeitet eine Heißluftfritteuse meist effizienter als das Backrohr. Bei größeren Mengen oder mehreren Durchgängen ist der Backofen oft die sparsamere Wahl, und kleine Geräte sind in der Regel sparsamer als große. Das ist der überschätzte Tipp Nummer zwei: Der Airfryer spart nicht automatisch. Wer die Familienportion Pommes in zwei Runden macht, hätte genauso gut ein Blech ins Rohr schieben können.
Wer wissen will, was der eigene Backofen oder Airfryer pro Durchgang tatsächlich zieht, kann das mit einem Messstecker nachmessen. Wie das geht und worauf man achtet, steht in unserem Artikel zum Stromfresser-Finden.
Und für alles, was stundenlang schmort, beschreibt die Umweltberatung die Kochkiste: ankochen, Topf in eine gut gedämmte Kiste, dort gart es ohne Strom weiter. Klingt nach Großmutter. Funktioniert trotzdem.
Stand: November 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen und weiterführende Links
- klimaaktiv: Energie sparen beim Backen & Kochen – Anteil am Haushaltsstrom, Vorheizen, Umluft, Induktion, Schnellkochtopf, Wasserkocher
- Die Umweltberatung: Strom sparen beim Kochen
- oesterreich.gv.at, Seite „Herde und Backöfen“ (Deckel, Umluft, Kochfeldwahl): oesterreich.gv.at
- E-Control: Strom- und Gaspreismonitor, 1. Oktober 2026 (PDF)
- ENERGY STAR (US EPA): Residential Induction Cooking Tops – Wirkungsgrade Induktion, Elektro, Gas
- Umweltbundesamt (Deutschland): Herd und Kochfelder und Mikrowelle
- VKI-Presseinformation vom 11.08.2026: Test Heißluftfritteusen (PDF)

