Plus 50,15 Euro in Kärnten, minus 57,92 Euro in Niederösterreich. So weit liegen die Netzbereiche im Entwurf für die Stromnetzentgelte 2027 auseinander, und zwar für denselben Musterhaushalt mit 3.500 kWh. Die E-Control hat die neue Tarifverordnung am 29. Oktober 2026 in Begutachtung geschickt. Im Österreich-Schnitt sinken die Netzentgelte für Haushalte um 3,6 Prozent (rund 15 Euro im Jahr), mit Leistungspreis um 5,7 Prozent (rund 24 Euro). Mehr zahlen vor allem Haushalte in Kärnten, Innsbruck, Graz und Linz.
Der Durchschnitt hilft Ihnen allerdings wenig. Wichtig ist, in welchem Netzbereich Sie wohnen und ob Ihr Netzbetreiber 2027 schon auf den Leistungspreis umstellt. Rechnen wir’s durch.
Zwei Tarifsysteme für dasselbe Jahr
Die Regulierungskommission der E-Control hat diesmal zwei Tarifsätze veröffentlicht. Der eine gilt für das bisherige System (Arbeitspreis plus Pauschale), der andere für die neue Systematik mit Leistungspreis. Wann umgestellt wird, entscheidet jeder Netzbetreiber für seinen Netzbereich selbst, irgendwann zwischen 1. Jänner 2027 und spätestens 1. Juli 2028. Ab diesem Datum gilt der Leistungspreis für alle. Wie der Leistungspreis aufgebaut ist, haben wir bei der Grundsatzverordnung zu den neuen Netzentgelten erklärt. Hier geht es nur um die Beträge.
Laut ORF planen die meisten Netzbetreiber den Umstieg erst für 2028. Viele Haushalte werden 2027 also noch nach den alten Regeln abgerechnet, allerdings mit neuen Beträgen.
Alle Zahlen stammen aus dem Begutachtungsentwurf und sind vorläufig. Stellungnahmen sind bis 20. November 2026 möglich. Die endgültigen Werte legt die E-Control erst danach fest.
Die Tabelle: Was der Entwurf je Netzbereich bedeutet
Die E-Control rechnet mit einem Haushalt auf Netzebene 7 mit 3.500 kWh Jahresverbrauch. Für das neue System nimmt sie eine monatliche Leistungsspitze von 4 kW an. Enthalten sind nur Netznutzungs- und Netzverlustentgelt, also weder Messentgelt noch Energiepreis oder Abgaben. Die Euro-Beträge verstehen sich brutto und im Vergleich zu 2026. Die letzte Spalte haben wir selbst ausgerechnet: Sie zeigt, was die Umstellung auf den Leistungspreis für diesen Haushalt 2027 gegenüber dem alten System ausmacht.
| Netzbereich | 2027, bisheriges System | 2027, mit Leistungspreis | Umstellung bringt (eigene Rechnung) |
|---|---|---|---|
| Kärnten | +50,15 € (+9,6 %) | +24,28 € (+4,7 %) | −25,87 € |
| Innsbruck | +19,32 € (+4,2 %) | +30,04 € (+6,6 %) | +10,72 € |
| Graz | +11,72 € (+3,4 %) | +25,37 € (+7,4 %) | +13,65 € |
| Linz | +9,95 € (+2,8 %) | +20,32 € (+5,7 %) | +10,37 € |
| Oberösterreich | +7,60 € (+2,0 %) | −5,27 € (−1,4 %) | −12,87 € |
| Tirol | +3,82 € (+1,0 %) | −34,22 € (−8,6 %) | −38,04 € |
| Burgenland | −0,84 € (−0,2 %) | +7,27 € (+1,6 %) | +8,11 € |
| Salzburg | −1,39 € (−0,4 %) | −40,18 € (−10,3 %) | −38,79 € |
| Wien | −20,24 € (−4,8 %) | −21,17 € (−5,0 %) | −0,93 € |
| Steiermark | −21,42 € (−4,4 %) | −19,21 € (−4,0 %) | +2,21 € |
| Klagenfurt | −23,98 € (−5,8 %) | −13,28 € (−3,2 %) | +10,70 € |
| Vorarlberg | −27,64 € (−8,5 %) | −36,16 € (−11,2 %) | −8,52 € |
| Kleinwalsertal | −46,66 € (−5,4 %) | −62,80 € (−7,3 %) | −16,14 € |
| Niederösterreich | −57,92 € (−12,0 %) | −76,83 € (−15,9 %) | −18,91 € |
| Österreich-Schnitt | −15,12 € (−3,6 %) | −24,26 € (−5,7 %) | −9,14 € |
Ein Hinweis zu den Medienberichten: Der ORF schreibt Graz im neuen System ein Plus von 5,7 Prozent zu. In der Grafik der E-Control steht bei Graz +7,4 Prozent und bei Linz +5,7 Prozent. Wir haben die Werte der E-Control übernommen. Die Tabelle bei heute.at stimmt mit diesen Werten überein.
Wer gewinnt, wer verliert
Klar im Plus sind Niederösterreich, Vorarlberg und das Kleinwalsertal, und zwar in beiden Systemen. In Wien bleibt es bei rund 20 Euro weniger, egal, wann die Wiener Netze umstellen. Die Wiener Netze rechnen in ihrer eigenen Aussendung übrigens mit einem kleineren Haushalt (2.000 kWh) und kommen dabei auf rund 3 Prozent bzw. etwa 7 Euro Ersparnis.
Interessanter ist die Mitte der Tabelle. In Tirol und Salzburg steigen die Kosten im alten System leicht oder bleiben gleich. Mit Leistungspreis würde derselbe Haushalt rund 38 Euro weniger zahlen als nach dem alten System. In Graz, Linz, Innsbruck und Klagenfurt ist es umgekehrt: Dort kostet die Umstellung den Musterhaushalt jeweils 10 bis 14 Euro zusätzlich.
Kärnten trifft es am stärksten. Gut 50 Euro mehr im alten System, mit Leistungspreis immer noch 24 Euro mehr. Für Kärntner Haushalte mit normalem Verbrauch wäre ein früher Umstieg die bessere Variante. Die Entscheidung liegt aber beim Netzbetreiber und nicht bei Ihnen.
Der Rechenweg am Beispiel Graz
Wir haben einen Beispielhaushalt angenommen: 3.500 kWh im Jahr, Netzbereich Graz, höchste Monatsspitze 4 kW, also genau der Musterhaushalt der E-Control. Die Cent-Werte stammen aus dem Entwurf (netto), die Umsatzsteuer von 20 Prozent rechnen wir dazu.
- Bisheriges System 2027: 8,47 ct × 3.500 kWh = 296,45 € netto, brutto 355,74 €
- Mit Leistungspreis 2027: 8,80 ct × 3.500 kWh = 308,00 € netto, brutto 369,60 €
- Differenz: 13,86 € im Jahr zulasten des neuen Systems (aus den gerundeten Euro-Spalten der E-Control ergeben sich 13,65 €)
Klingt nach wenig? Mit 4 kW ist der Haushalt aber auch sparsam unterwegs. Die E-Control hat für jeden Netzbereich eine Grafik veröffentlicht, die zeigt, ab welcher Monatsspitze das neue System teurer wird als das alte. Wir haben die Grenzwerte für 3.500 kWh abgelesen. Das ist eine Schätzung, rechnen Sie mit etwa ±0,2 kW Ungenauigkeit.
| Netzbereich | Neues System günstiger bis etwa (Monatsspitze, 3.500 kWh) |
|---|---|
| Graz | 3,3 kW |
| Linz | 3,5 kW |
| Innsbruck | 3,5 kW |
| Österreich-Schnitt | 4,1 kW |
| Niederösterreich | 4,2 kW |
| Kärnten | 4,3 kW |
In Graz ist die Linie in der Grafik auffallend flach. Auch mit deutlich mehr Verbrauch steigt der Grenzwert kaum. Wer dort zum Beispiel einen Durchlauferhitzer oder eine Sauna betreibt und so auf 6 oder 7 kW Spitze kommt, liegt klar im teureren Bereich. Wie viel das in Euro ausmacht, lässt sich ohne die genauen Leistungspreise je kW nicht seriös sagen. Diese Rechnung haben wir deshalb bewusst weggelassen.
Drei Lagen, drei Strategien
| Ihre Lage | Beispiel | Was wir tun würden |
|---|---|---|
| Günstig: Umstellung spart | Tirol, Salzburg, Kärnten, NÖ, OÖ, Vorarlberg | Nichts Besonderes. Spitzen trotzdem nicht unnötig hochtreiben. |
| Mittel: Umstellung ist fast egal | Wien, Steiermark (ohne Graz) | Spitze im Netzbetreiber-Portal einmal ansehen, sonst abwarten. |
| Ungünstig: Umstellung kostet | Graz, Linz, Innsbruck, Klagenfurt, Burgenland | Monatsspitzen prüfen und große Verbraucher zeitlich entzerren, bevor der Leistungspreis kommt. |
Ihre gemessenen Monatsspitzen finden Sie laut E-Control im Webportal Ihres Netzbetreibers. Voraussetzung ist ein Smart Meter, der diese Werte auch überträgt. Wie Sie die Daten Ihres Smart Meters nutzen, steht in einem eigenen Beitrag. Bei Wärmepumpe oder Wallbox lohnt sich der Blick sowieso. Was dabei realistisch zu holen ist, haben wir beim Leistungspreis für Haushalte mit großen Verbrauchern durchgerechnet.
Zur Einordnung: Je nach Netzbereich geht es um Veränderungen von unter einem bis knapp 77 Euro im Jahr. Das merkt man, es ist aber kein Grund zur Panik. Unsere Einschätzung: Wer in Graz, Linz oder Innsbruck wohnt und regelmäßig mehrere große Geräte gleichzeitig laufen hat, sollte sich die eigene Spitze vor 2028 ansehen. Für alle anderen reicht es, die endgültigen Zahlen nach der Begutachtung abzuwarten.
Stand: November 2026. Angaben ohne Gewähr.
Quellen und weiterführende Links
- E-Control: Begutachtungsentwurf Systemnutzungstarife-Verordnung 2027 – Netzbereichsgrafiken für beide Systeme, Begutachtungsfrist, Umstellungszeitraum
- Presseinformation der E-Control vom 29.10.2026 (PDF)
- E-Control: Grafiken alter vs. neuer Systematik je Netzbereich (ZIP)
- BMWET, Pressemeldung vom 29.10.2026
- Wiener Netze (OTS, 30.10.2026)
- ORF: Netzentgelte für Strom sinken 2027 im Großteil des Landes
- heute.at: Tabelle je Netzbereich

