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Alten Kühlschrank tauschen: Ab wann sich ein neues Gerät rechnet

Rund 60 bis 100 Euro im Jahr. So viel kann ein 20 Jahre alter Kühlschrank gegenüber einem neuen Gerät mehr an Strom kosten, wenn er wirklich so viel verbraucht, wie man ihm zutraut. Genau das ist aber der Haken: Viele alte Geräte laufen sparsamer, als man denkt, andere fressen deutlich mehr. Bevor man tauscht, sollte man messen. Dann ist die Rechnung schnell gemacht.

Was alt und neu verbrauchen

Seit März 2021 gilt für Kühlgeräte das neue EU-Energielabel mit den Klassen A bis G. Laut klimaaktiv braucht eine Kühl-Gefrier-Kombination mit rund 360 Litern in Klasse A etwa 110 kWh im Jahr, in Klasse D etwa 218 kWh. Ein Kühlschrank ohne Gefrierfach kommt in Klasse B auf rund 72 kWh. Ein Gerät der Klasse A braucht laut klimaaktiv etwa 50 Prozent weniger als eines der Klasse D.

Bei alten Geräten ist die Spanne groß. co2online nennt für ein Gerät aus dem Jahr 2002 bis zu 330 kWh im Jahr, also das Dreifache eines sparsamen neuen. Ob Ihres in diese Klasse gehört, sagt Ihnen nur ein Messgerät.

Messen geht so

Ein Strommessgerät zwischen Steckdose und Kühlschrank stecken und mindestens einen Tag im normalen Betrieb laufen lassen, besser eine Woche. Den Wert hochrechnen: Tagesverbrauch mal 365. co2online empfiehlt mindestens 24 Stunden, weil Kühlgeräte in Zyklen arbeiten. Die Umweltberatung rät zu so einer Messung bei Geräten, die älter als zehn Jahre sind.

Bevor Sie das Ergebnis bewerten, das Gerät in Normalzustand bringen. Vereisung treibt den Verbrauch stark nach oben: Laut klimaaktiv kosten etwa 5 Millimeter Eis im Gefrierfach rund 30 Prozent mehr Strom. Auch eine zu kalte Einstellung schlägt zu Buche. 1 bis 2 Grad wärmer im Kühlteil sparen laut klimaaktiv 6 bis 12 Prozent. Ein Platz neben Herd oder Heizkörper kostet ebenfalls, denn 1 Grad kühlere Umgebung bringt etwa 3 Prozent. Und die Lüftungsschlitze brauchen mindestens 5 Zentimeter Abstand zur Wand.

Wächst das Eis nach dem Abtauen schnell wieder nach, ist laut Umweltberatung die Türdichtung oder der Kühlkreislauf schuld. Das ist dann ein Fall für Reparatur oder Tausch.

Rechnen wir’s durch

Annahmen, offen gelegt: Strompreis 30 Cent je kWh inklusive Netz und Abgaben. Laut E-Control-Strompreismonitor vom Mai 2026 kosteten 3.500 kWh bei den lokalen Versorgern zwischen rund 836 und 1.218 Euro im Jahr, das sind umgerechnet etwa 24 bis 35 Cent je kWh. Weil die Großhandelspreise im Herbst gestiegen sind, kann Ihr Preis inzwischen höher sein. Neues Gerät: Kühl-Gefrier-Kombi Klasse A mit 110 kWh. Betrachtungszeitraum 10 Jahre, ohne Preissteigerung.

Gemessener Verbrauch Altgerät Ersparnis pro Jahr in 10 Jahren Einschätzung
200 kWh (günstig gealtert) 90 kWh = 27 € 270 € Tausch rechnet sich kaum
330 kWh (typisch alt) 220 kWh = 66 € 660 € Grenzfall, hängt am Gerätepreis
450 kWh (Stromfresser) 340 kWh = 102 € 1.020 € Tausch lohnt sich meist

Den Gerätepreis haben wir bewusst nicht eingesetzt, er schwankt zu stark. Rechnen Sie selbst: Kaufpreis geteilt durch die jährliche Ersparnis ergibt die Jahre bis zur Amortisation. Liegt das Ergebnis deutlich unter der Lebensdauer des neuen Geräts, passt es.

Klingt nach wenig? Bei einer Gefriertruhe im Keller, die zusätzlich zum Kühlschrank läuft, verdoppelt sich die Rechnung schnell. Laut klimaaktiv ist eine Gefriertruhe übrigens 10 bis 15 Prozent effizienter als ein Gefrierschrank gleicher Größe. Und wer einen alten Zweitkühlschrank im Keller nur für ein paar Getränke laufen lässt, spart am meisten, wenn er ihn einfach absteckt.

Die ökologische Seite

Ein neues Gerät hat bei der Herstellung Energie und Material verbraucht. Das deutsche Umweltbundesamt hat deshalb Schwellen berechnet, ab denen ein Tausch eines noch funktionierenden Geräts sinnvoll ist, verglichen mit einem neuen Klasse-A-Gerät über zehn Jahre. Für eine Kühl-Gefrier-Kombi liegt die ökologische Schwelle bei 340 kWh im Jahr, die finanzielle bei 560 kWh. Für einen Kühlschrank sind es 240 und 460 kWh, für einen Gefrierschrank 430 und 570 kWh. Die finanziellen Werte beruhen auf deutschen Annahmen zu Strom- und Gerätepreisen, für Österreich sind sie nur ein Anhaltspunkt.

Auffällig: Ökologisch lohnt sich der Tausch oft früher als finanziell. Wer also ein 400-kWh-Gerät hat, tut der Umwelt etwas Gutes, verdient aber nicht unbedingt daran.

Reparieren statt tauschen: Prämie läuft Ende 2026 aus

Ist das Gerät kaputt, aber sonst in Ordnung, gibt es noch bis Jahresende Geld für die Reparatur. Die Geräte-Retter-Prämie übernimmt laut reparaturbonus.at 50 Prozent der Kosten, bis zu 130 Euro je Reparatur, Service oder Wartung, Kühlschränke inklusive. Ein Bon läuft nach drei Wochen ab, wenn er nicht eingelöst wird. Laut Wirtschaftskammer endet das Programm mit Ende 2026, für die Zeit danach sind keine Budgetmittel mehr vorgesehen. Wer also eine defekte Dichtung oder einen Thermostat tauschen lassen will, sollte das bald erledigen.

Und das Altgerät?

Kühlgeräte gehören nicht in den Sperrmüll, weil sie Kältemittel enthalten, ältere Geräte teils noch ozonschädliche Stoffe. Die Abgabe bei kommunalen Sammelstellen ist laut elektro-ade.at kostenlos. Wer ein neues Gerät liefern lässt, kann das alte beim Lieferanten kostenlos zurückgeben. Auch Geschäfte ab 150 Quadratmetern Verkaufsfläche nehmen das Altgerät zurück, wenn Sie dort ein gleichartiges Neugerät kaufen und abholen.

Unsere Einschätzung: Messen kostet ein paar Euro und eine Woche Geduld. Wer über 400 kWh im Jahr misst, sollte tauschen. Unter 250 kWh würden wir das Gerät behalten, entfrosten, richtig einstellen und laufen lassen, bis es aufgibt. Mehr Ideen, wo sonst im Haushalt Strom verschwindet, stehen in unserem Beitrag zu den Stromfressern.

Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.

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