Beim Hausbau muss man hunderte Entscheidungen treffen. Fliesen, Türgriffe, Küchenfronten. Ein paar Entscheidungen fallen dabei regelmäßig unter den Tisch, weil sie „später“ kommen: PV-Anlage, Wallbox, Speicher, Sonnenschutz. Das Problem ist, dass „später“ oft heißt: Wände aufstemmen, Kabel außen an der Fassade entlangführen, Kompromisse.
Wir haben die Punkte gesammelt, die man mit dem Planer zumindest einmal besprochen haben sollte, bevor die Wände zu sind. Nicht alles muss man umsetzen. Aber alles sollte man bewusst entschieden haben.
Welche Heizung ist im Neubau überhaupt noch erlaubt?
Seit Februar 2024 verbietet das Erneuerbare-Wärme-Gesetz in neuen Gebäuden Anlagen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden können. Öl und Gas sind damit raus. In der Praxis läuft es meist auf eine Wärmepumpe hinaus, seltener auf Fernwärme oder Biomasse. Das macht einige der folgenden Punkte wichtiger.
Wie bereite ich eine PV-Anlage vor, die erst später kommt?
In mehreren Bundesländern gibt es für Neubauten inzwischen eine PV-Pflicht oder konkrete Vorgaben. Aber auch wo nicht: Wer die Anlage erst ein paar Jahre nach dem Einzug bauen will, sollte jetzt vorbereiten.
- Leerrohre vom Dach zum Technikraum. Großzügig dimensioniert, lieber zwei als eins. Nachträglich durch ein fertiges Haus zu kommen, ist mühsam und oft unschön.
- Platz für Wechselrichter und Speicher. Batteriespeicher sind schwer und mögen keine Extremtemperaturen. Der unbeheizte Carport ist meist kein guter Ort.
- Das Dach als Fläche denken. Rauchfang, Dachfenster, Entlüftungen – jedes davon zerschneidet die Fläche. Eine zusammenhängende, unverschattete Fläche ist mehr wert als drei kleine.
Und die Wallbox?
Selbst ohne E-Auto: Eine Zuleitung oder zumindest ein Leerrohr zum Stellplatz kostet im Rohbau wenig. Nachträglich wird daraus schnell ein vierstelliger Betrag. Am besten gleich eine Leitung, die für eine 11-kW-Wallbox reicht.
Dazu gehört ein Punkt, der beim Einzug oft schon zu spät ist: der Zählerkasten. Viele sind am Tag der Übergabe bereits voll. Für Wallbox, PV, Speicher und vielleicht einen Zwischenzähler sollte Reserveplatz eingeplant sein.
Wird es im Sommer zu heiß?
Das ist die Frage, an die im Winter niemand denkt, wenn geplant wird. Große Glasflächen nach Süden und Westen, eine dichte, gut gedämmte Hülle – ein moderner Neubau kann im Hochsommer ordentlich aufheizen.
Am wirksamsten ist außenliegender Sonnenschutz: Raffstores, Rollläden, Markisen. Innenliegende Jalousien helfen deutlich weniger, weil die Wärme dann schon im Raum ist. Da die Kästen meist in der Fassade sitzen, lässt sich außenliegender Sonnenschutz nachträglich nur schwer einbauen. Zumindest die Vorbereitung sollte also drin sein.
Mit einer Wärmepumpe und Fußbodenheizung kommt auch eine sanfte Kühlfunktion in Frage. Keine Klimaanlage, aber sie nimmt die Spitzen. Muss bei der Planung der Anlage berücksichtigt werden.
Wohin mit dem Außengerät der Wärmepumpe?
Das Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist leise, aber nicht lautlos. Nicht unter ein Schlafzimmerfenster, weder das eigene noch das des Nachbarn. Nicht in eine Ecke, wo sich der Schall zwischen Wänden verstärkt. Mit Abstand zur Grundstücksgrenze – manche Gemeinden und Bundesländer haben dazu eigene Vorgaben. Und so, dass die kalte Abluft nicht auf die Terrasse bläst.
Wie lange warte ich auf warmes Wasser?
Kommt darauf an, wie weit Bad und Küche vom Warmwasserspeicher entfernt sind. Liegt das Bad im Obergeschoß am anderen Ende des Hauses, wartet man bei jedem Händewaschen – oder man braucht eine Zirkulationsleitung, die ständig Wärme verliert. Wenn es der Grundriss erlaubt: Nassräume nahe am Technikraum oder übereinander planen.
Lüftung und Dichtheit
Ein Neubau ist dicht, und das ist gut so. Deshalb gehört ein Lüftungskonzept dazu, egal ob mit Komfortlüftung oder ohne. Wer eine Komfortlüftung will, muss die Kanäle früh einplanen, sie verlaufen in Decken und Wänden. Die Dichtheit sollte mit einem Blower-Door-Test geprüft werden, idealerweise zweimal (dazu gibt es einen eigenen Ratgeber).
Und das Netzwerk?
Kein Energiethema im engeren Sinn. Aber wer später Wärmepumpe, PV, Speicher und Wallbox gemeinsam steuern will, braucht eine verlässliche Verbindung zwischen den Geräten. WLAN im Keller ist das Gegenteil von verlässlich. Ein paar Netzwerkkabel zum Technikraum kosten im Rohbau fast nichts.
Die Liste fürs Planergespräch
- Leerrohre Dach – Technikraum
- Platz für Wechselrichter und Speicher
- Leitung oder Leerrohr zum Stellplatz
- Reserve im Zählerkasten
- außenliegender Sonnenschutz, mindestens vorbereitet
- Standort Wärmepumpe mit Blick auf Lärm
- kurze Warmwasserwege
- Lüftungskonzept, Blower-Door-Test im Vertrag
- Netzwerkkabel zum Technikraum


