Smart Home galt lange als Spielerei: zu teuer, zu kompliziert, zu futuristisch. Inzwischen sieht das anders aus. Mit den richtigen Systemen lassen sich die Heizkosten in vielen Häusern spürbar senken – wie viel, hängt stark vom Gebäude ab. Der Komfort steigt nebenbei auch noch.
Die Werbung verspricht gern Einsparungen von 30 Prozent und mehr. Die seriösen Zahlen sind bescheidener, aber durchaus interessant.
Woher die Einsparung kommt
Ein smartes Thermostat heizt nicht effizienter als ein normales. Es spart nur dann, wenn es die Temperatur senkt, wenn niemand die Wärme braucht: nachts, tagsüber bei Abwesenheit, in selten genutzten Räumen. Dazu kommt die Fenster-offen-Erkennung, die den Heizkörper beim Lüften zudreht.
Das heißt auch: Wer schon heute konsequent die Thermostate zurückdreht, wenn er das Haus verlässt, wird mit smarter Technik wenig zusätzlich sparen.
Was realistisch drin ist
Eine Simulationsstudie im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW hat untersucht, was programmierbare Thermostate bringen. Die Ergebnisse, grob zusammengefasst:
- Nachtabsenkung: 5 bis 12 Prozent weniger Heizenergie im Einfamilienhaus, im Mehrfamilienhaus deutlich weniger
- Absenkung bei Abwesenheit tagsüber: noch einmal 8 bis 11 Prozent, wenn tatsächlich regelmäßig niemand zuhause ist
- Ungenutzte Räume absenken: weitere 2 bis 4 Prozent
Wer tagsüber meistens zuhause ist, spart entsprechend weniger. Und schwere, massive Gebäude reagieren träger – dort fällt die Einsparung durch kurze Absenkungen geringer aus.
Die Studie stammt aus Deutschland, die Grundlagen der Bauphysik sind aber in Österreich dieselben.
Sonderfall Wärmepumpe und Fußbodenheizung
Hier ist Vorsicht angebracht. Fußbodenheizungen reagieren sehr langsam, und Wärmepumpen arbeiten am effizientesten, wenn sie gleichmäßig durchlaufen. Starke Nachtabsenkungen können dann sogar kontraproduktiv sein, weil die Wärmepumpe morgens mit höherer Leistung und schlechterem Wirkungsgrad nachheizen muss.
Sinnvoller ist dort eine gut eingestellte Heizkurve und – wenn eine PV-Anlage vorhanden ist – die Steuerung nach Solarstrom: Warmwasser und Pufferspeicher werden bevorzugt dann aufgeheizt, wenn die Sonne scheint.
Dynamische Stromtarife
In Österreich gibt es inzwischen Stromtarife, deren Preis sich stündlich am Börsenstrompreis orientiert. Eine smarte Steuerung kann Wärmepumpe oder Warmwasserbereitung in günstigere Stunden verschieben. Ob sich das rechnet, hängt vom Tarif, vom Verbrauch und davon ab, wie flexibel die eigene Anlage ist. Für die meisten Haushalte ist das eher ein Zusatznutzen als der Hauptgrund für ein smartes System.
Was es kostet
Der Einstieg ist überschaubar. Smarte Heizkörperthermostate kosten je nach Hersteller grob zwischen 30 und 100 Euro pro Stück, dazu kommt meist eine Zentrale. Für ein Einfamilienhaus mit acht bis zehn Heizkörpern ist man oft mit einigen hundert Euro dabei.
Bei Fußbodenheizungen sind Raumthermostate und Stellantriebe am Heizkreisverteiler nötig. Das ist etwas aufwändiger und wird meist vom Installateur erledigt.
Schrittweise vorgehen
Zuerst die Räume, in denen am meisten zu holen ist: Wohnzimmer, Schlafzimmer, selten genutzte Zimmer. Ein paar Wochen beobachten, ob die Zeitpläne passen.
Dann ergänzen: Fensterkontakte, falls die eingebaute Fenster-offen-Erkennung nicht zuverlässig reagiert. Weitere Räume, wenn sich das System bewährt.
Bei einer Heizungserneuerung: Steuerung gleich mitplanen, damit Heizung, PV und gegebenenfalls Speicher miteinander kommunizieren können.
Fazit
Smarte Heizungssteuerung lohnt sich vor allem dort, wo das Haus tagsüber oft leer steht oder einzelne Räume selten genutzt werden. Zweistellige Einsparungen sind dann realistisch, pauschale 30 Prozent eher nicht. Wer eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung hat, sollte weniger auf Absenkung und mehr auf eine gute Grundeinstellung setzen.
Mehr zum Aufbau eines ganzen Systems steht im Artikel zur Smart Home Automation.
Quellen
- Verbraucherzentrale NRW / Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser (2016): Studie zu elektronischen Heizkörperthermostaten (PDF)
- Wärmepumpe Austria – Wärmepumpe in der Sanierung: https://www.waermepumpe-austria.at/waermepumpe-in-der-sanierung


