Rund 180 Euro im Jahr. So viel spart ein Haushalt mit 3.500 kWh in unserem Rechenbeispiel unten, wenn er aus einem teuren Bestandstarif in einen günstigen wechselt. Bei Ihnen kann es weniger sein, manchmal auch deutlich mehr. Der Wechsel selbst ist in Österreich kostenlos, dauert eine halbe Stunde und hat keinen Einfluss darauf, ob Strom aus der Steckdose kommt. Die Frage ist also nicht, ob man wechseln darf, sondern ob es sich für Sie rechnet.
Rechnen wir’s durch
Ein Beispiel mit runden Werten. Die Tarife sind ausgedacht, die Größenordnung ist realistisch. Verglichen wird nur der Energieteil der Rechnung, denn Netzentgelte und Abgaben bleiben beim Wechsel gleich.
- Alter Tarif: 18 Cent pro kWh, 3 Euro Grundgebühr im Monat
- Neuer Tarif: 13 Cent pro kWh, 2,50 Euro Grundgebühr im Monat, 60 Euro Neukundenbonus im ersten Jahr
Bei 3.500 kWh Verbrauch ergibt das:
- alt: 3.500 × 0,18 + 12 × 3 = 666 Euro
- neu, erstes Jahr: 3.500 × 0,13 + 12 × 2,50 − 60 = 425 Euro
- neu, ab dem zweiten Jahr: 485 Euro
Also 241 Euro Ersparnis im ersten Jahr, danach 181 Euro. Klingt nach wenig? Über fünf Jahre sind das knapp 1.000 Euro – für einmal eine halbe Stunde am Laptop.
Wie viel es bei Ihnen bringt
Der Verbrauch macht den Unterschied. Mit denselben Beispieltarifen (ohne Bonus):
| Jahresverbrauch | alter Tarif | neuer Tarif | Ersparnis pro Jahr |
|---|---|---|---|
| 2.000 kWh (Single) | 396 € | 290 € | 106 € |
| 3.500 kWh (Familie) | 666 € | 485 € | 181 € |
| 5.000 kWh (Haus, viel Technik) | 936 € | 680 € | 256 € |
Mit Ihren eigenen Zahlen geht es genauso: Verbrauch mal Cent-Preis, plus zwölfmal Grundgebühr. Den Verbrauch finden Sie auf der letzten Jahresabrechnung.
Der Bonus ist die Falle
Viele Tarife stehen im Vergleich nur deshalb ganz oben, weil ein Neukundenbonus eingerechnet ist. Der gilt fast immer nur im ersten Jahr. Danach kann derselbe Tarif teurer sein als der, den Sie auf Platz fünf ignoriert haben. Im Tarifkalkulator der E-Control lässt sich einstellen, dass Angebote ohne Neukundenrabatt angezeigt werden. Machen Sie das. Und setzen Sie sich einen Kalendereintrag für in einem Jahr, denn die E-Control empfiehlt selbst, dann wieder zu vergleichen.
So läuft der Wechsel
- Im Tarifkalkulator der E-Control Postleitzahl und Jahresverbrauch eingeben.
- Beim neuen Anbieter online oder telefonisch anmelden. Sie brauchen die Zählpunktbezeichnung, die 33-stellige Nummer mit „AT“ vorne, die auf der Rechnung steht.
- Nicht selbst beim alten Anbieter kündigen. Das erledigt der neue per Vollmacht, damit keine Lücke entsteht.
Fristen, die man kennen sollte: Eine Bindung darf höchstens ein Jahr dauern, die Kündigungsfrist höchstens zwei Wochen. Wer am Telefon, online oder an der Haustür abschließt, hat 14 Tage Rücktrittsrecht.
Wann es sich kaum lohnt
Wer schon vor einem Jahr gewechselt hat und keinen Bonus mehr bekommt, spart oft nur ein paar Euro. Wer sehr wenig verbraucht, merkt vor allem die Grundgebühr. Und wer einen günstigen Floater-Tarif hat, fährt je nach Marktlage auch gut. Dynamische Stundentarife sind eine eigene Rechnung, die sich vor allem für Haushalte mit Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher lohnen kann.
Unsere Einschätzung: Wer seit mehr als zwei Jahren denselben Tarif beim regionalen Versorger hat und nie verglichen hat, sollte das diese Woche tun. Alle anderen einmal im Jahr, im Herbst, wenn die Jahresabrechnung ohnehin auf dem Tisch liegt.
Quellen
- E-Control: Anleitung in 3 Schritten und Laufzeit und Kündigung
- e-control.at – Lieferanten wählen (Neukundenrabatte)
- Konsumentenfragen.at: So wechseln Sie den Stromlieferanten


