Ein Heizkörper, der oben kalt bleibt und unten warm wird, hat fast immer Luft im System. Das Entlüften dauert ein paar Minuten und braucht nur einen Vierkantschlüssel. Wichtiger als das Entlüften selbst ist aber der Schritt danach, und den lassen die meisten aus.
Warum die Luft immer oben sitzt
Luft ist leichter als Wasser. In einem Heizkörper sammelt sie sich deshalb am höchsten Punkt. Dort bildet sie ein Polster, durch das kein warmes Wasser fließt. Der obere Teil bleibt kalt, der untere wird warm. Das Gluckern, das man beim Einschalten hört, sind Luftblasen, die vom Wasser mitgerissen werden.
Woher die Luft kommt? Zum Teil ist sie im Wasser gelöst und wird beim Erwärmen frei. Das ist normal, besonders am Anfang der Heizsaison oder wenn Wasser nachgefüllt wurde. Zum Teil dringt sie über kleine Undichtheiten ein. Das ist nicht normal. Wer einmal im Herbst entlüftet, hat den ersten Fall erledigt. Wer jede Woche entlüften muss, hat den zweiten.
So wird entlüftet
Heizung oder Umwälzpumpe ausschalten und etwa eine Stunde warten. Solange die Pumpe läuft, wird die Luft im System verwirbelt und sammelt sich nicht dort, wo man sie ablassen kann. Dann das Thermostatventil voll aufdrehen, ein Glas unter das Entlüftungsventil halten (es sitzt oben seitlich, gegenüber vom Thermostat) und das Ventil mit dem Schlüssel eine halbe Umdrehung öffnen.
Zuerst zischt es. Sobald Wasser ohne Blasen kommt, ist der Heizkörper luftfrei. Ventil zu, fertig. Das Wasser ist bei älteren Anlagen oft dunkel, das ist Magnetit aus den Stahlrohren und kein Grund zur Sorge.
Bei mehreren Heizkörpern im untersten Geschoß anfangen und nach oben arbeiten. Die Luft wandert mit der Zeit ohnehin nach oben, am obersten Heizkörper landet also oft der Rest.
Der Schritt danach: Druck kontrollieren
Mit jeder Luftblase geht auch etwas Wasser aus der Anlage. Bei einem Heizkörper spielt das keine Rolle. Wer das ganze Haus entlüftet, kann aber so viel Druck verlieren, dass die Heizung danach schlechter läuft als vorher. Ohne ausreichenden Druck kommt das Wasser in den oberen Stockwerken nicht mehr richtig an, und manche Kessel schalten auf Störung.
Das Manometer sitzt am Kessel bzw. an der Wärmepumpe. Welcher Wert richtig ist, hängt vor allem von der Höhe der Anlage ab. Eine gängige Faustregel: Gebäudehöhe über dem Kessel in Metern durch zehn, plus ein paar Zehntel bar Reserve. Ein zweigeschoßiges Einfamilienhaus landet damit meist irgendwo zwischen 1 und 2 bar im kalten Zustand. Der genaue Sollwert steht in der Anleitung oder ist am Manometer grün markiert. Wer ihn nicht findet, fragt beim nächsten Service nach und schreibt ihn mit Filzstift auf den Kessel.
Liegt der Druck deutlich darunter, muss Wasser nachgefüllt werden. Technisch ist das ein Schlauch am Füllhahn. In der Praxis ist es eine Frage der Wasserqualität: In Österreich legt die ÖNORM H 5195-1 fest, welche Eigenschaften Heizungswasser haben soll. Bei Wärmepumpen und modernen Kesseln mit empfindlichen Wärmetauschern ist das nicht egal. Einmal ein paar Liter Leitungswasser nachzufüllen ist selten ein Problem. Regelmäßig nachzufüllen schon.
Wenn es nicht bei einem Mal bleibt
Muss man immer wieder entlüften oder fällt der Druck ständig, gibt es eine Ursache. Häufig ist es ein Ausdehnungsgefäß, das seinen Vordruck verloren hat, oder eine kleine Undichtheit irgendwo an einer Verschraubung. Jedes Nachfüllen bringt dann frisches, sauerstoffreiches Wasser in die Anlage, was die Korrosion beschleunigt. Das ist der Punkt, an dem Entlüften keine Lösung mehr ist, sondern die Diagnose verzögert.
Nicht jeder kalte Heizkörper hat überhaupt Luft. Bevor man mit dem Schlüssel durchs Haus geht, hilft ein Blick darauf, wie er kalt ist:
| Was man merkt | Wahrscheinlich | Was hilft |
|---|---|---|
| oben kalt, unten warm, Gluckern | Luft im Heizkörper | entlüften, danach Druck prüfen |
| gleichmäßig lauwarm | Thermostatventil hängt oder Anlage nicht abgeglichen | Ventilstift gängig machen; sonst hydraulischer Abgleich |
| ganz kalt, Thermostat auf 5 | Ventilstift klemmt fest | Thermostatkopf abschrauben, Stift vorsichtig bewegen |
| nur die oberen Stockwerke kalt | Anlagendruck zu niedrig | Manometer ablesen, Wasser nachfüllen lassen |
| jede Woche wieder Luft | Undichtheit oder Ausdehnungsgefäß | Installateur |
Die zweite Zeile ist die häufigste Fehldiagnose. Wer da entlüftet, kommt ohne Luft und ohne Ergebnis zurück.
Wer eine Fußbodenheizung hat, braucht diesen Artikel übrigens kaum. Dort wird über den Heizkreisverteiler entlüftet, und das ist Installateurssache.


