Kurz gesagt: Der größte Hebel ohne Handwerker ist die Raumtemperatur – jedes Grad weniger spart laut klimaaktiv rund sechs Prozent. Danach kommen freie Heizkörper, geschlossene Türen zu kühlen Räumen und richtiges Lüften. Vieles andere, was man im Netz liest, bringt weniger, als es verspricht.
Die Frage kommt jeden Herbst wieder, besonders von Mieterinnen und Mietern: „Ich kann nichts umbauen – kann ich trotzdem etwas tun?“ Ja. Aber es hilft, ehrlich zu sein, was realistisch ist.
Wie warm ist es bei Ihnen eigentlich?
Klingt banal. Ist aber der Punkt, an dem die meisten danebenliegen. Viele Wohnzimmer haben 23 oder 24 Grad, ohne dass es jemandem auffällt. Ein einfaches Thermometer auf Sitzhöhe – nicht direkt neben dem Heizkörper – bringt Klarheit.
klimaaktiv empfiehlt für das Wohnzimmer 20 bis 22 Grad, für die Küche 18 bis 20, fürs Schlafzimmer 16 bis 18 und fürs Bad etwa 23. Wer von 23 auf 21 Grad geht, spart laut diesen Werten grob zwölf Prozent der Heizenergie. Keine andere Maßnahme in diesem Artikel kommt da heran.
Übrigens: Stufe 3 am Thermostatkopf entspricht bei den meisten Modellen ungefähr 20 Grad. Ungefähr. Nachmessen schadet nicht.
Warum wird der Raum nicht warm, obwohl der Heizkörper heiß ist?
Oft, weil davor etwas steht. Ein Sofa, ein langer Vorhang, eine hübsche Holzverkleidung. Die Wärme staut sich, das Thermostat misst „warm genug“ und dreht zu – während der Rest des Raums kalt bleibt. klimaaktiv spricht von bis zu zwölf Prozent Mehrverbrauch durch verdeckte Heizkörper.
Die Lösung ist so simpel, dass man sie fast nicht aufschreiben mag: Platz lassen. Vorhänge bis zur Fensterbank, Möbel mit etwas Abstand.
Soll ich Türen offen lassen, damit sich die Wärme verteilt?
Lieber nicht. Wer das Schlafzimmer kühler hält, sollte die Tür schließen. Sonst zieht warme, feuchte Luft hinüber und schlägt sich an den kalten Wänden nieder. Das kostet Energie und ist nebenbei ein Einfallstor für Schimmel.
Und das Lüften?
Das gekippte Fenster ist im Winter der teuerste Fehler. Kurz und kräftig lüften, dann wieder zu – mehr dazu in unserem eigenen Lüft-Ratgeber, das Thema ist größer, als man denkt.
Was bringt Abdichten?
Bei alten Fenstern und Wohnungstüren durchaus etwas. Den Papiertest kennen viele: Blatt einklemmen, Fenster schließen, ziehen. Rutscht es leicht heraus, dichtet die Stelle nicht mehr. Selbstklebende Dichtbänder und ein Zugluftstopper vor der Tür kosten wenig. In einer Mietwohnung sollten sie sich rückstandslos entfernen lassen.
Oft ist es aber gar nicht die Dichtung, sondern der Fensterflügel hat sich gesenkt und drückt nicht mehr an. Das lässt sich nachstellen, meist in wenigen Minuten. Fragen Sie die Hausverwaltung, ob das ohnehin auf der Liste steht.
Welche Tipps werden überschätzt?
Reflexionsfolie hinter dem Heizkörper, zum Beispiel. Die hilft vor allem bei ungedämmten Heizkörpernischen, sonst kaum. Oder die Heizung komplett abzudrehen, wenn man tagsüber in der Arbeit ist: In schlecht gedämmten Wohnungen kühlen die Wände dann so stark aus, dass das Aufheizen am Abend lange dauert und einiges an Ersparnis wieder auffrisst. Eine moderate Absenkung ist meistens der bessere Weg.
Und die Rollläden? Nachts geschlossen helfen sie spürbar, vor allem bei alten Fenstern. Tagsüber, wenn die Sonne scheint: auf. Das ist Gratis-Wärme.
Und wenn Sie nur eine Sache machen?
Ein Thermometer aufstellen und eine Woche lang schauen. Die Heizkörper freiräumen. Und wenn Sie im eigenen Haus wohnen: beim nächsten Service fragen, wie die Heizkurve eingestellt ist. Die steht in vielen Häusern seit der Installation unverändert – und oft zu hoch.
Quellen
klimaaktiv, Einfache Maßnahmen um Heizkosten zu sparen (Raumtemperaturen, Einsparung pro Grad, Heizkörper, Türen) · Verbraucherzentrale, 10 einfache Tipps zum Heizkosten sparen


