Eine Kilowattstunde Strom, eine Kilowattstunde Wärme. Mehr kann ein elektrischer Heizstab physikalisch nicht leisten. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe macht aus derselben Kilowattstunde im Jahresmittel etwa drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Deshalb entscheidet die Frage, wie oft der Heizstab in einer Wärmepumpe mitläuft, ganz wesentlich über die Stromrechnung – und sie wird in der Praxis erstaunlich selten gestellt.
Die gute Nachricht vorweg: In einer korrekt geplanten und eingestellten Anlage spielt der Heizstab kaum eine Rolle. Das Fraunhofer ISE hat in einem vierjährigen Feldtest 77 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden gemessen. Bei den Luft-Wasser-Geräten entfielen im Schnitt nur 1,3 % der elektrischen Arbeit auf den Heizstab, bei Sole- bzw. Erdwärmepumpen fast null. Das Institut weist selbst darauf hin, dass die Messperiode vergleichsweise mild war. In einem strengen Winter wären die Werte höher. Trotzdem zeigt die Zahl, wo man hinwill.
Wozu der Heizstab überhaupt da ist
Viele Luft-Wasser-Wärmepumpen in Einfamilienhäusern arbeiten „monoenergetisch“: Wärmepumpe und Heizstab laufen beide mit Strom, eine zweite Heizung gibt es nicht. Die Wärmepumpe wird dabei oft nicht auf den allerkältesten Tag ausgelegt, sondern etwas knapper. Das spart Anschaffungskosten und verhindert, dass ein großes Gerät in der Übergangszeit ständig ein- und ausschaltet (taktet), was Effizienz und Lebensdauer kostet.
Der Punkt, an dem die Wärmepumpe allein die Heizlast nicht mehr schafft, heißt Bivalenzpunkt. Er wird als Außentemperatur angegeben. Liegt er zum Beispiel bei −8 °C, hilft der Heizstab nur an den Tagen, an denen es noch kälter ist. Wie viele Stunden das im Jahr sind, hängt vom Standort und vom jeweiligen Winter ab. In milden Jahren können es sehr wenige sein.
Daneben hat der Heizstab einige Nebenjobs, die mit dem Heizen gar nichts zu tun haben:
- Notbetrieb, wenn die Wärmepumpe eine Störung hat
- Estrichtrocknung im Neubau, bei manchen Anlagen
- Legionellenschaltung, also das periodische Aufheizen des Warmwasserspeichers auf hohe Temperaturen
- Komfortfunktionen für Warmwasser, je nach Hersteller
Gerade die letzten beiden Punkte sind unauffällig, weil sie das ganze Jahr laufen können, auch im Sommer.
Warum Anlagen öfter nachheizen als nötig
Es gibt dafür im Wesentlichen drei Ursachen. Keine davon ist exotisch.
Zu hohe Vorlauftemperatur. Je wärmer das Heizungswasser sein muss, desto schlechter arbeitet die Wärmepumpe. Das Energieinstitut Vorarlberg rechnet mit rund 2,5 % Effizienzverlust pro Grad Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizwasser; ideal sind Vorlauftemperaturen unter 35 °C. Bei hohen Vorlaufanforderungen erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe an kalten Tagen außerdem schneller ihre Leistungsgrenze, und der Heizstab springt früher ein. Schlecht verteilte Wärme – ein Raum wird nicht warm, also dreht jemand die Heizkurve hoch – ist ein Klassiker. Hier hilft oft ein hydraulischer Abgleich mehr als jede Reglereinstellung.
Großzügige Freigabe im Regler. Viele Regler erlauben einzustellen, ab welcher Außentemperatur oder nach welcher Wartezeit der Heizstab zugeschaltet werden darf. Ist diese Schwelle ab Werk oder bei der Inbetriebnahme defensiv gewählt, heizt der Stab schon mit, obwohl die Wärmepumpe es mit etwas Geduld allein geschafft hätte. Welche Parameter es gibt und wie sie heißen, ist von Hersteller zu Hersteller verschieden.
Warmwasser-Programme. Eine Legionellenschaltung, die täglich statt wöchentlich läuft, oder eine Warmwasser-Solltemperatur, die die Wärmepumpe allein nicht erreicht, lassen den Heizstab regelmäßig arbeiten. Hier ist Vorsicht angebracht: Beim Warmwasser geht es auch um Hygiene. Die Einstellungen sollte man mit dem Installateur besprechen, nicht nach Gefühl reduzieren.
Zu groß oder zu klein? Eine Debatte mit österreichischem Twist
Man könnte meinen, die Lösung sei einfach: Wärmepumpe größer auslegen, dann braucht es keinen Heizstab. Das stimmt nur bedingt. Eine überdimensionierte Anlage kostet mehr und taktet in der Übergangszeit, und die Übergangszeit ist viel länger als die paar Frosttage.
Dazu kommt ein Befund aus Österreich. Das IBO hat 2025 einen Fachbeitrag von Andreas van Egmond-Fröhlich und Ulrike Wernhart (Energie- und Umweltagentur NÖ) veröffentlicht. Die Heizlastberechnung stützt sich auf Norm-Außentemperaturen, deren Datenbasis aus den Jahren 1981 bis 2000 stammt. Die Autoren haben 30 Standorte in Wien und Niederösterreich für den Zeitraum 1995 bis 2024 ausgewertet: Klimakorrigiert lägen die Auslegungstemperaturen im Schnitt um rund 5,8 K höher als in der Norm von 2015. Die berechnete Heizlast würde im Mittel um knapp 17 % sinken. Mit anderen Worten: Viele Wärmepumpen dürften eher zu groß als zu klein geplant sein.
Für den Heizstab heißt das: Wenn er in einer normgerecht ausgelegten Anlage häufig läuft, liegt das selten am Wetter. Eher an Vorlauftemperatur und Einstellungen.
Wie man es merkt
Viele Wärmepumpenregler weisen die Energie für die „Zusatzheizung“ oder den „Elektroheizstab“ getrennt aus, manchmal in einem Untermenü, manchmal nur in der App des Herstellers. Ein Blick darauf nach dem ersten richtig kalten Monat sagt mehr als jede Faustregel. Zum Vergleich: Im Fraunhofer-Feldtest lag der Anteil bei 1,3 %. Ein Vielfaches davon ist ein guter Grund, mit dem Installateur über die Einstellungen zu reden.
Ohne eigenen Zähler bleibt der Umweg über die Jahresarbeitszahl. Das Energieinstitut Vorarlberg nennt eine JAZ über 3 als Voraussetzung dafür, dass eine Wärmepumpe gegenüber fossilen Heizungen einen nennenswerten CO₂-Vorteil bringt; im Fraunhofer-Feldtest erreichten Luft-Wasser-Geräte im Schnitt 3,4, Erdwärmepumpen 4,3. Wer deutlich darunter liegt, hat oft einen fleißigen Heizstab.
Ab 2027 wird es auch eine Leistungsfrage
Bisher war der Heizstab nur ein Verbrauchsthema. Die E-Control plant ab Jänner 2027 einen Leistungspreis bei den Netzentgelten, bei dem die höchste Viertelstunde im Monat zählt. Ein Heizstab mit einigen Kilowatt, der an einem kalten Abend genau dann anspringt, wenn auch Backrohr und Geschirrspüler laufen, treibt diese Spitze nach oben. Ein Punkt mehr, die Freigabe des Heizstabs bewusst einzustellen, statt sie dem Werkszustand zu überlassen.
Abschalten sollte man ihn allerdings nicht. Ein gesperrter Heizstab kann bei einer Störung oder am kältesten Tag des Jahrzehnts zu einer kalten Wohnung führen, bei manchen Anlagen auch zu einem Frostrisiko für wasserführende Teile im Freien. Die Aufgabe ist, ihn auf seine eigentliche Rolle zurückzustutzen: Reserve, nicht Mitarbeiter.
Quellen
- Fraunhofer ISE, Pressemitteilung 2025: Heat Pumps Provide Climate-Friendly Heating in Existing Buildings (Feldtest mit 77 Anlagen)
- https://www.energieinstitut.at/privatpersonen/haustechnik-energieversorgung/die-waermepumpe-eine-glanzleistung-an-effizienz
- IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie: Heizlastberechnungen mit Normdaten führen zu überdimensionierten Wärmepumpen
- E-Control, Begutachtungsentwurf zur Netzentgelt-Grundsatzverordnung: PDF

