„Im Altbau geht keine Wärmepumpe.“ Das stimmt so nicht, und es war auch nie richtig. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern eine einzige Zahl: die Vorlauftemperatur, die das Haus an kalten Tagen braucht. Und die lässt sich mit der bestehenden Heizung messen, bevor man einen Cent für eine neue ausgibt.
Warum die Vorlauftemperatur
Eine Wärmepumpe hebt Wärme von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau. Je größer der Abstand zwischen Wärmequelle (Außenluft, Erdreich) und Heizwasser, desto mehr Strom braucht der Verdichter für dieselbe Wärmemenge. Bis etwa 50 Grad Vorlauf arbeiten die meisten Geräte effizient, an den kältesten Tagen sind auch 55 Grad vertretbar. Darüber sinkt die Jahresarbeitszahl deutlich. Es funktioniert noch, aber es wird teuer.
Viele Öl- und Gaskessel laufen mit 65, 70 Grad oder mehr. Die entscheidende Frage ist: Weil das Haus das braucht – oder weil es irgendwann so eingestellt wurde? Meistens Letzteres.
Der Test
Er funktioniert nur an wirklich kalten Tagen, also Dezember, Jänner, Februar. An einem milden Novembertag kommt jede Heizung mit wenig Vorlauf aus.
- Alle Thermostatventile ganz aufdrehen. Sonst regeln sie ab und verfälschen das Ergebnis.
- An der bestehenden Heizung die Vorlauftemperatur senken – über die Heizkurve oder eine Begrenzung der maximalen Vorlauftemperatur. Wie das bei Ihrem Gerät geht, steht in der Anleitung, oder der Installateur zeigt es beim nächsten Service.
- In Schritten von etwa fünf Grad, jeweils zwei bis drei Tage abwarten. Häuser sind träge.
- Notieren: Außentemperatur, Vorlauf, welche Räume noch warm werden.
Bei sehr alten Kesseln ohne Brennwerttechnik nicht beliebig weit runtergehen. Bei zu niedrigen Rücklauftemperaturen kann sich im Kessel Kondensat bilden, was ihm schadet. Im Zweifel vorher mit dem Installateur reden.
Was das Ergebnis bedeutet
| Ergebnis bei Frost | Bedeutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| alle Räume warm bei ≤ 50 °C | sehr gute Voraussetzungen | Angebote einholen, Heizlast berechnen lassen |
| alle warm bei 55 °C | machbar, Effizienz etwas geringer | prüfen, ob einzelne Heizkörper vergrößert werden können |
| ein, zwei Räume kalt, Rest warm | Heizkörper dort zu klein | diese Heizkörper tauschen, dann erneut testen |
| ganzes Haus kalt unter 60 °C | Hülle oder Heizflächen reichen nicht | zuerst dämmen (z. B. oberste Geschoßdecke), dann neu bewerten |
Die dritte Zeile ist die häufigste. Und sie ist keine schlechte Nachricht. Meist betrifft es ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden oder das Bad. Ein größerer Heizkörper in einem Raum kostet einen Bruchteil einer Sanierung.
Eine Faustformel zur Größe
Die genaue Heizlast berechnet ein Fachbetrieb nach ÖNORM EN 12831. Für eine erste Plausibilitätsprüfung reicht eine alte Faustregel: jährlicher Heizölverbrauch in Litern geteilt durch rund 250 ergibt die Heizlast in Kilowatt. 2.500 Liter wären also etwa 10 kW. Für Gas entsprechend: kWh pro Jahr geteilt durch rund 2.500.
Ungenau, weil Warmwasser, Nutzerverhalten und Kesselwirkungsgrad mitspielen. Aber es fällt auf, wenn ein Angebot eine Wärmepumpe mit 16 kW für ein Haus mit 1.800 Litern Ölverbrauch vorsieht. Überdimensionierte Wärmepumpen takten häufiger und laufen weniger effizient.
Was der Test nicht beantwortet: wo das Außengerät stehen kann, ohne dass es dem Nachbarn unters Schlafzimmerfenster brummt. Ob der Hausanschluss reicht. Wie Warmwasser künftig gemacht wird. Das sind Fragen für die Besichtigung.
Und selbst wenn Sie gar nicht wechseln wollen: Wenn das Haus mit 55 statt 70 Grad warm wird, lassen Sie die Heizung einfach dort. Das spart auch mit Öl oder Gas.


