StartWärmepumpe & HeizungNachtabsenkung: Wann sie spart und wann sie teurer wird

Nachtabsenkung: Wann sie spart und wann sie teurer wird

Ob sich eine Nachtabsenkung lohnt, hängt weniger vom Thermostat ab als vom Gebäude. In einem schlecht gedämmten Altbau mit Heizkörpern und Gaskessel spart sie etwas. In einem gut gedämmten Haus mit Fußbodenheizung und Wärmepumpe spart sie kaum etwas und kann sogar mehr kosten.

Der Grund liegt in einer einfachen Bilanz. Ein Haus verliert umso mehr Wärme, je größer der Unterschied zwischen innen und außen ist. Senkt man nachts die Innentemperatur, geht weniger verloren. Am Morgen muss diese Wärme aber wieder ins Haus – in die Luft, vor allem aber in Wände, Böden und Möbel, die über Nacht abgekühlt sind. Wie viel von der nächtlichen Einsparung dabei übrig bleibt, hängt von zwei Dingen ab: wie schnell das Haus auskühlt und wie effizient die Heizung beim Wiederaufheizen arbeitet.

Ein ungedämmtes Haus kühlt schnell aus. Die Einsparung in der Nacht ist real. Ein Gas- oder Ölkessel heizt morgens mit hoher Leistung wieder auf, sein Wirkungsgrad ändert sich dabei kaum. Hier bleibt am Ende etwas übrig, typischerweise im Bereich weniger Prozent. Wer größere Zahlen liest, sollte nachfragen, unter welchen Annahmen.

Ein Passivhaus oder ein gut gedämmter Neubau kühlt über Nacht vielleicht um ein Grad ab, selbst wenn die Heizung ganz aus ist. Was es da zu sparen gäbe, ist kaum messbar.

Wärmepumpe und Fußbodenheizung

Hier kippt die Rechnung. Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten mit niedriger Vorlauftemperatur und gleichmäßigem Betrieb. Muss sie morgens ein ausgekühltes Haus schnell aufheizen, braucht sie höhere Vorlauftemperaturen, und die Effizienz sinkt. Im schlechtesten Fall springt der elektrische Heizstab an. Eine Kilowattstunde vom Heizstab ist eine Kilowattstunde Wärme – eine Kilowattstunde durch den Verdichter sind drei oder vier.

Dazu kommt die Trägheit. Ein Estrich mit Fußbodenheizung speichert enorm viel Wärme. Die Absenkung wirkt erst Stunden später, das Aufheizen ebenso. Oft verschiebt man damit nur den Verbrauch in der Zeit.

Bei Wärmepumpen daher: höchstens ein, zwei Grad absenken, oder gar nicht. Viele Hersteller empfehlen genau das.

Zwei Dinge gelten unabhängig vom System. Erstens: Bei längerer Abwesenheit – ein Wochenende, eine Woche Urlaub – lohnt sich die Absenkung immer. Zweitens: Wer absenkt, sollte es moderat tun. Drei bis vier Grad weniger sind in einem Altbau vernünftig. Mehr lässt die Wände so weit auskühlen, dass es morgens trotz warmer Luft ungemütlich bleibt, und in schlecht gedämmten Ecken steigt das Schimmelrisiko.

Wer es für das eigene Haus wissen will, kann es messen: zwei Wochen mit, zwei Wochen ohne Absenkung, und den Verbrauch vom Gaszähler oder aus der App der Wärmepumpe mitschreiben. Das Wetter spielt mit, sauber ist der Vergleich nicht. Aber besser als jede Faustregel.

Quellen

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