600 Euro rein, jedes Jahr 100 bis 200 Euro zurück. So ungefähr sieht die Rechnung für ein Balkonkraftwerk in Österreich aus, wenn man es ordentlich macht. Ob Sie eher bei 100 oder bei 200 landen, entscheiden allerdings nicht die Module, sondern Ihr Balkon und Ihr Tagesablauf. Erst kurz, was erlaubt ist. Dann die Zahlen.
Stand: Herbst 2026
Die Regeln in drei Sätzen
Bis 800 Watt Wechselrichterleistung gilt ein vereinfachtes Verfahren, eine Genehmigung braucht man nicht. Anmelden muss man das Gerät aber beim Netzbetreiber, meist per Online-Formular, und zwar vor der Inbetriebnahme – mehrere Quellen nennen zwei Wochen Vorlauf. Ob eine normale Schuko-Steckdose reicht, sehen die Netzbetreiber unterschiedlich; bei den Wiener Netzen wird etwa eine fest verlegte Einspeisesteckdose vom Elektriker empfohlen.
Also: vor dem Kauf auf der Seite des eigenen Netzbetreibers nachschauen. Kostet fünf Minuten.
Rechnen wir’s durch
Annahmen für unser Beispiel: 800-Watt-Set um 600 Euro, Südbalkon, wenig Schatten. Laut verschiedenen österreichischen Quellen sind unter guten Bedingungen rund 750 bis 900 kWh pro Jahr drin. Wir rechnen vorsichtig mit 700 kWh.
Entscheidend ist jetzt, wie viel davon Sie selbst verbrauchen. Denn der Strom, der ins Netz geht, bringt bei einem Balkonkraftwerk praktisch nichts. Nur was im Haushalt direkt verbraucht wird, ersetzt teuren Netzstrom. Wir rechnen mit 28 Cent pro kWh.
| wenig zuhause | mittel | viel zuhause / hohe Grundlast | |
|---|---|---|---|
| selbst genutzt | 40 % = 280 kWh | 60 % = 420 kWh | 80 % = 560 kWh |
| Ersparnis pro Jahr | 78 € | 118 € | 157 € |
| Amortisation (600 €) | ca. 7,7 Jahre | ca. 5,1 Jahre | ca. 3,8 Jahre |
Der Unterschied zwischen links und rechts ist fast Faktor zwei. Und der hängt nicht an der Technik.
Wer tagsüber arbeitet und abends kocht, landet eher links. Homeoffice, Pension, ein Kühlschrank und eine Gefriertruhe, die sowieso durchlaufen: eher rechts. Die Grundlast eines Haushalts – Router, Kühlgeräte, Standby – liegt oft bei 50 bis 150 Watt. Die frisst ein Balkonkraftwerk tagsüber gern weg.
Und der Balkon selbst? Ost- oder Westausrichtung bringt weniger, grob gesagt ein Viertel bis ein Drittel. Verschattung durch Nachbargebäude oder den Balkon darüber kann noch mehr kosten. Einen Tag lang beobachten, wann wirklich Sonne auf den Platz fällt, ist gut investierte Zeit.
Mieter, Eigentümer, Hausverwaltung
Wohnungseigentümer haben es seit der WEG-Novelle 2024 leichter: Das Balkonkraftwerk zählt zu den begünstigten Änderungen. Die anderen Eigentümer werden informiert, und wenn innerhalb von zwei Monaten kein Widerspruch kommt, gilt die Zustimmung als erteilt.
Als Mieterin oder Mieter sollten Sie mit dem Vermieter reden und sich das Okay schriftlich geben lassen. Gerade bei Montage außen am Geländer. Ein Modul hat eine große Fläche, und bei Sturm will niemand diskutieren, wer haftet.
Förderung
Vom Bund: nichts. Manche Bundesländer und Gemeinden zahlen etwas dazu, das ist sehr unterschiedlich. Wenn Ihre Gemeinde 100 oder 150 Euro gibt, verschiebt das die Tabelle oben um ein ganzes Jahr nach vorne.
Unsere Einschätzung
Für wen es sich lohnt: Haushalte mit sonnigem Süd-Balkon, die tagsüber Strom brauchen, und alle ohne eigenes Dach, die trotzdem etwas Solarstrom haben wollen. Für wen eher nicht: Wer einen verschatteten Nordbalkon hat, tagsüber nie zuhause ist und einen sehr günstigen Stromtarif hat. Dann dauert es zehn Jahre, bis das Geld zurück ist – und dann ist die Frage, ob der Wechselrichter so lange hält.

