Rund 7,5 Cent. So viel kostet eine Kilowattstunde Wärme aus einem Split-Klimagerät, wenn der Strom 30 Cent kostet und das Gerät im Schnitt eine Leistungszahl von 4 schafft. Zum Vergleich: Ein Heizlüfter macht aus derselben Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme – und kostet damit das Vierfache.
Wer im Sommer ein Klimagerät eingebaut hat, sitzt im Herbst also womöglich auf einer recht günstigen Zusatzheizung. Ob sie auch günstiger ist als die Gasheizung im Keller, ist eine andere Frage. Rechnen wir’s durch.
Ein Klimagerät ist eine Wärmepumpe
Technisch ist ein Split-Klimagerät eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Im Kühlbetrieb pumpt es Wärme nach draußen, im Heizbetrieb holt es Wärme aus der Außenluft herein. Wie effizient es das tut, steht auf dem EU-Energielabel als SCOP, die saisonale Leistungszahl für das Heizen. Laut klimaaktiv gelten diese Klassen:
| Klasse (Heizen) | SCOP |
|---|---|
| A+++ | ab 5,10 |
| A++ | 4,60 bis unter 5,10 |
| A+ | 4,00 bis unter 4,60 |
| A | 3,40 bis unter 4,00 |
| B | 3,10 bis unter 3,40 |
Der SCOP ist ein Jahresmittel, berechnet für ein mitteleuropäisches Referenzklima. An einem einzelnen Tag hängt die Leistungszahl stark von der Außentemperatur ab. Wie stark, zeigt das Prüfzertifikat eines kleinen Wandgeräts mit 2,5 kW Heizleistung und SCOP 5,1 bei Eurovent: bei +12 °C eine Leistungszahl von 7,7, bei +7 °C 6,3, bei +2 °C 5,1 und bei −7 °C noch 3,6. Das ist ein Gerät, kein Marktdurchschnitt. Die Richtung gilt aber allgemein: Je milder es draußen ist, desto günstiger heizt das Klimagerät. Im Oktober und im April ist es in seinem Element.
Die Rechnung
Die Formel ist einfach: Strompreis geteilt durch Leistungszahl ergibt den Preis pro Kilowattstunde Wärme. Bei Gas teilt man den Gaspreis durch den Nutzungsgrad der Heizung. In Österreich wird Gas nach dem Brennwert abgerechnet; bezogen darauf erreichen Brennwertkessel laut Fachliteratur bis etwa 95 bis 98 Prozent, im Jahresbetrieb weniger. Wir rechnen deshalb vorsichtig mit 90 Prozent.
Die Energiepreise sind Annahmen. Ihren eigenen Arbeitspreis inklusive Netz und Abgaben finden Sie auf der Jahresabrechnung oder im Tarifkalkulator der E-Control.
| Szenario | Günstig | Mittel | Ungünstig |
|---|---|---|---|
| Strompreis (Annahme) | 25 ct/kWh | 30 ct/kWh | 35 ct/kWh |
| Klimagerät, Leistungszahl 5 (milde Tage) | 5,0 ct | 6,0 ct | 7,0 ct |
| Klimagerät, Leistungszahl 4 (SCOP A+) | 6,3 ct | 7,5 ct | 8,8 ct |
| Klimagerät, Leistungszahl 2,5 (strenger Frost) | 10,0 ct | 12,0 ct | 14,0 ct |
| Heizlüfter / Infrarot (1:1) | 25,0 ct | 30,0 ct | 35,0 ct |
| Gaspreis (Annahme) | 12 ct/kWh | 15 ct/kWh | 18 ct/kWh |
| Gasheizung, Nutzungsgrad 90 % | 13,3 ct | 16,7 ct | 20,0 ct |
Alle Werte: Kosten pro Kilowattstunde Wärme, eigene Berechnung der Redaktion, gerundet.
Klingt eindeutig? In der Übergangszeit ist es das auch. Knapp wird es erst bei strengem Frost: Mit teurem Strom kostet die Wärme aus dem Klimagerät dann rund 14 Cent und liegt etwa gleichauf mit einer Gasheizung, die einen günstigen Tarif hat.
Was das in Euro heißt
Ein Beispiel mit offenen Annahmen: Das Wohnzimmer braucht in der Übergangszeit von Oktober bis Anfang Dezember und dann wieder ab März rund 2.000 Kilowattstunden Wärme. Die Gasheizung läuft in dieser Zeit sonst nur dafür.
- Mit dem Klimagerät (Leistungszahl 4, Strom 30 Cent): rund 150 Euro
- Mit der Gasheizung (15 Cent, 90 Prozent): rund 330 Euro
- Mit dem Heizlüfter: rund 600 Euro
Gegenüber Gas bleiben rund 180 Euro im Jahr. Nicht eingerechnet: die Grundgebühren für Gas und Strom, die ohnehin anfallen, Wartung des Klimageräts und die Frage, ob die Gasheizung wegen der Warmwasserbereitung trotzdem regelmäßig anspringt. Und ob die 2.000 Kilowattstunden zu Ihrer Wohnung passen, wissen nur Sie.
Wer sein Klimagerät ohnehin hat, sollte es in den milden Monaten nutzen. Das ist die einfachste Ersparnis in diesem Artikel.
Extra eins kaufen? Eher nicht.
Bei der Anschaffung kippt die Rechnung. klimaaktiv rät ausdrücklich davon ab, Klimageräte vorrangig zum Heizen anzuschaffen. Wärmepumpe, Pellets oder Fernwärme seien meist effizienter. Gegenüber einer alten Elektro-Direktheizung ist ein Split-Gerät allerdings klar effizienter.
Dazu kommen Punkte, die in keiner Kostentabelle stehen. Viele Menschen empfinden die Strahlungswärme eines Heizkörpers angenehmer als einen Luftstrom. Die Geräte müssen regelmäßig gewartet werden, weil sich in Filtern Keime sammeln und verschmutzte Filter mehr Strom brauchen. Die Montage darf nur ein Fachbetrieb mit Sachkundenachweis für Kältemittel durchführen. klimaaktiv empfiehlt Geräte mit natürlichen Kältemitteln wie Propan (R290).
In der Eigentumswohnung braucht ein Außengerät an der Fassade die Zustimmung der anderen Eigentümer; das Bezirksgericht kann sie unter bestimmten Voraussetzungen ersetzen, erklärt die Arbeiterkammer Niederösterreich. In Wien sind Split-Außengeräte an Fassaden nur zulässig, wenn sie vom öffentlichen Raum aus nicht sichtbar sind.
Wer also eine Anschaffung überlegt, rechnet so: Angebotspreis inklusive Montage geteilt durch die jährliche Ersparnis aus der Tabelle oben. Kommt dabei eine Zahl heraus, die über der Lebensdauer des Geräts liegt, rechnet sich der Kauf zum Heizen allein nicht. Ob sich dagegen eine richtige Wärmepumpe für das ganze Haus rechnet, zeigt unser Beitrag dazu, wie viel Strom eine Wärmepumpe braucht. Und wer zunächst ohne Investition sparen will, findet Ansätze im Ratgeber Heizkosten senken ohne Umbau.
Unsere Einschätzung: Ein vorhandenes Klimagerät im Herbst und Frühling zum Heizen zu nutzen, lohnt sich fast immer gegenüber Gas und erst recht gegenüber Strom-Direktheizung. Ein neues Gerät nur zum Heizen zu kaufen, lohnt sich in den meisten Haushalten nicht.
Quellen
- klimaaktiv – Topprodukte Split-Klimageräte (Effizienzklassen): klimaaktiv.at
- klimaaktiv – Klimaanlagen und Split-Klimageräte kaufen
- Eurovent, Prüfzertifikat Beispielgerät: https://www.eurovent-certification.com/en/catalog/program/certificate/participant/model/show/201724435; Erklärung SEER/SCOP: eurovent-certification.com
- E-Control – Preismonitor; Abrechnung nach Brennwert: PDF
- BauNetz Wissen – Wirkungs- und Nutzungsgrade von Heizkesseln: baunetzwissen.de
- AK Niederösterreich – Klimaanlage in der Eigentumswohnung
- Stadt Wien – Klimagerät an der Fassade

