Man kennt das: Die Fenster sind dicht, die Heizung läuft, und trotzdem zieht es im Schlafzimmer. Irgendwo von oben. Wer die Hand an den Deckel des Rollladenkastens hält, hat die Antwort oft nach ein paar Sekunden.
Der Kasten über dem Fenster ist in vielen älteren Häusern ein kaltes Loch. Oft trennt nur eine dünne Holzverkleidung den warmen Raum von der Außenluft. Das Passivhaus Institut schreibt in seiner Bauanleitung, dass es manchmal nur wenige Millimeter Holz sind. Die gute Nachricht: Das lässt sich an einem Nachmittag beheben, meistens ohne Fachbetrieb.
Erst prüfen, dann kaufen
An einem windigen Tag eine Kerze oder ein Räucherstäbchen langsam am Deckel und am Gurtauslass entlangführen. Flackert die Flamme oder wird der Rauch abgelenkt, kommt dort Luft durch. An sehr kalten Tagen reicht auch der Handrücken. Die Verbraucherzentrale Südtirol empfiehlt diesen Test für Fenster und Türen; beim Rollladenkasten funktioniert er genauso.
Dann den Deckel öffnen. Meist sind es ein paar Schrauben an der Innenseite. Mit der Taschenlampe hineinleuchten, Staub und Spinnweben gleich mitnehmen. Und vor allem messen: Wie viel Platz ist zwischen der aufgewickelten Rolle und den Wänden des Kastens? Die Rolle bei ganz hochgezogenem Rollladen messen, denn dann ist sie am dicksten.
| Was man merkt | Wahrscheinliche Ursache | Was tun |
|---|---|---|
| Zug rund um den Deckel | undichte Fugen am Revisionsdeckel | Dichtband am Deckelrand, Fugen abkleben |
| Zug beim Gurt | offener Gurtauslass | Bürstendichtung oder Gurtdurchführung mit Dichtung |
| Deckel innen spürbar kalt | keine oder kaum Dämmung im Kasten | Dämmplatten oder -matten einsetzen |
| Dunkle Flecken am Deckel oder darüber | Feuchtigkeit, möglicherweise Schimmel | Ursache klären lassen, bevor gedämmt wird |
So geht’s
Das Passivhaus Institut hat zwei einfache Anleitungen veröffentlicht, eine mit Dämmmatten, eine mit Hartschaumplatten. Der Ablauf ist ähnlich.
Kasten reinigen. Fugen und Ritzen mit Luftdichtheitsklebeband schließen – das ist der wichtigste Schritt, wichtiger als jeder Zentimeter Dämmung. Dann die Dämmung zuschneiden. Für die Plattenvariante empfiehlt die Anleitung, vom gemessenen Abstand zur Rolle 1 bis 1,5 cm Spiel abzuziehen und dann die nächstkleinere Plattenstärke zu nehmen. Platten an den Innenseiten des Kastens anbringen, Fugen dicht verkleben, am Rand des Deckels ein selbstklebendes Dichtband aufbringen und wieder zuschrauben.
Zwei Sachen gehen gern schief. Erstens: zu dick gedämmt. Dann schleift der Rollladen oder bleibt hängen. Lieber ein Zentimeter weniger. Zweitens: Gurt und Welle zugestopft. Rund um den Gurt soll nur ein kleiner Spalt bleiben, aber beides muss frei laufen.
Beim Gurtauslass selbst helfen Bürstendichtungen, die es fertig zu kaufen gibt. Wer ohnehin über einen elektrischen Antrieb nachdenkt: Der macht den Gurt und damit diese Öffnung überflüssig.
Was es kostet und was es bringt
Das Material ist günstig. Die Passivhaus-Anleitung nennt rund 12 Euro pro Meter Kasten für die Mattenvariante und rund 20 Euro für die Plattenvariante, dazu ein bis zwei Stunden für den ersten Kasten. Der zweite geht schneller. ÖKO-TEST kam schon 2015 bei einem kleinen Kasten in Eigenleistung auf unter 100 Euro.
Beim Ertrag sollte man realistisch bleiben. Gemessen am ganzen Haus ist der Rollladenkasten ein kleiner Posten, ÖKO-TEST spricht von einigen Prozent Ersparnis. Die Anleitung des Passivhaus Instituts rechnet in ihrem Beispiel damit, dass sich das Material etwa im dritten Jahr bezahlt macht. Das ist ein Beispielwert der Autoren, kein Versprechen.
Was man sofort merkt, ist der Komfort. Kein kalter Luftzug mehr am Kopfende des Bettes. Darum geht es eigentlich.
Dicht vor dick
Ein populärer Tipp lautet: einfach Dämmwolle hineinstopfen. Lassen Sie’s. Ohne luftdichte Schicht zieht warme, feuchte Raumluft weiter in den Kasten und kondensiert dort an den kalten Stellen. Die Dämmung wird feucht, im schlimmsten Fall wächst Schimmel. Deshalb: zuerst abdichten, dann dämmen, und die Platten untereinander und zur Wand sauber verkleben. Nach dem Abdichten ist die Wohnung insgesamt etwas dichter. Regelmäßiges Stoßlüften wird damit wichtiger, nicht unwichtiger – wie das im Winter klappt, steht in unserem Beitrag zum richtigen Lüften im Winter.
Wann es mehr braucht
Kästen, die sich nur von außen öffnen lassen, gehören zum Fachbetrieb – außer vielleicht im Erdgeschoß. Auf der Leiter am offenen Fenster im ersten Stock wird’s gefährlich.
Wer ohnehin neue Fenster plant, sollte den Kasten nicht vergessen. Die Energieberatung Salzburg rät, Rollladenkästen auch dann zu prüfen, wenn die Fenster nicht getauscht werden. Umgekehrt gilt: Ein neues Fenster unter einem ungedämmten Kasten lässt die Schwachstelle einfach bestehen. Bei einem Tausch gibt es mehrere Möglichkeiten, etwa einen Vorbaurollladen außen an der Fassade oder einen gut gedämmten neuen Kasten. Ob und wie Rollläden im Rahmen der Sanierungsförderung anrechenbar sind, ist in den Unterlagen für 2026 nicht ausdrücklich geregelt. Für 2027 stehen die Bedingungen noch aus. Ob Zugluft am Fenster selbst ein Grund zum Tausch ist, haben wir im Beitrag Fenster tauschen oder abdichten durchgespielt.
Und für Mieter: vorher kurz beim Vermieter fragen. Meist hat niemand etwas gegen eine Dämmung, die sich wieder entfernen lässt. Aber gefragt ist gefragt.
Quellen
- Passivhaus Institut (Passipedia): DIY-Anleitung Rollladenkästen mit Matten dämmen (PDF)
- Passivhaus Institut, Variante mit Platten, gespiegelt bei der Universität Marburg: https://www.uni-marburg.de/de/universitaet/profil/universitaetskultur/nachhaltigkeit/monitoring/energie-co2/energiesicherung/lea/rollladenkaesten-daemmung.pdf
- Energieberatung Salzburg, Broschüre „Sanieren heute“, S. 28–29: PDF
- EVN Wärme-Info 03/2019
- ÖKO-TEST, Ratgeber Rollladenkästen sanieren (2015): oekotest.de
- Verbraucherzentrale Südtirol, Undichtheiten erkennen: https://www.consumer.bz.it/de/print/pdf/node/419

