Man kennt das: Im Frühjahr liegt eine gelbe Pollenschicht auf dem Auto, im Herbst kleben Blätter in der Dachrinne. Und irgendwann fällt der Blick nach oben, auf die PV-Module. Die sehen auch nicht mehr ganz sauber aus. Muss man da ran?
Meistens nicht. Bei einer normal geneigten Dachanlage erledigt der Regen einen großen Teil der Arbeit. Es gibt aber Situationen, in denen sich Schmutz festsetzt und der Ertrag spürbar leidet. Die gilt es zu erkennen – und dann richtig zu reagieren. Nicht mit dem Hochdruckreiniger.
Wie viel Ertrag kostet Schmutz wirklich?
Die Zahlen gehen weit auseinander, und es lohnt sich, genau hinzuschauen, wer sie nennt.
Eine Auswertung internationaler Studien, die der deutsche Bundesverband Solarwirtschaft im April 2026 veröffentlicht hat, kommt für mitteleuropäische Bedingungen auf durchschnittlich 3 bis 4 % Ertragsverlust pro Jahr. In einzelnen dokumentierten Fällen waren es über 10 %, vor allem wenn sich Schmutz am unteren Modulrand sammelt. Erstellt wurde die Auswertung im Auftrag der PViQ GmbH, veröffentlicht hat sie der Branchenverband. Die Empfehlung am Ende: regelmäßige professionelle Reinigung. Das kann man so sehen. Man sollte nur wissen, dass die Zahlen aus dem Umfeld einer Branche kommen, die an Wartung und Reinigung auch verdient.
Beim Saharastaub, der auch in Österreich immer wieder die Autos färbt, schätzte ein deutscher Betreiber mit großem Anlagenportfolio den Verlust 2022 auf weniger als 0,5 %. Einzelne Anlagenbesitzer berichteten zur selben Zeit von deutlich größeren Einbrüchen. Der Normalfall ist: Der nächste kräftige Regen spült den Staub wieder weg.
Realistisch betrachtet also: ein paar Prozent auf einer durchschnittlichen Dachanlage, deutlich mehr in Sonderfällen. Welcher Fall bei Ihnen vorliegt, zeigt kein Foto vom Dach, sondern der Blick in die Ertragsdaten.
Wann Regen nicht reicht
Ein paar Konstellationen, bei denen sich Schmutz hartnäckig hält:
- Flach montierte Module. Wasser läuft schlecht ab, am unteren Rahmen bleibt ein Schmutzrand. Genau der ist das Problem, weil er Zellen teilweise abschattet.
- Nähe zu Landwirtschaft, Bäumen oder Straße. Ernte, Blütenstaub, Laub, Ruß.
- Vogelkot. Kleine Ablagerungen können lokal Schatten auf einzelne Zellen werfen. Wie stark sich das auf den Ertrag auswirkt, hängt dabei auch davon ab, wo genau der Fleck sitzt und wie das Modul verschaltet ist.
- Moos und Flechten am Rahmen, typischerweise auf schattigen, feuchten Dachseiten.
Das Laub im Herbst ist ein Sonderfall. Blätter, die in der Ecke zwischen Modul und Rahmen liegen bleiben, verrotten dort gern und hinterlassen einen Film. Wer ohnehin die Dachrinne putzen lässt, kann die Module gleich mitkontrollieren lassen.
Erst schauen, dann putzen
Viele Wechselrichter haben eine App oder ein Webportal. Dort sieht man den Ertrag pro Tag und Monat. Drei einfache Vergleiche:
| Was Sie sehen | Wahrscheinliche Ursache | Was tun |
|---|---|---|
| Ertrag an sonnigen Tagen deutlich unter dem gleichen Monat im Vorjahr | Verschmutzung, Verschattung (Baum gewachsen?) oder ein technischer Fehler | Module von unten ansehen, Fehlermeldungen im Portal prüfen |
| Eine Modulreihe liefert weniger als die andere (bei mehreren Strings oder Optimierern) | Kann auf Verschmutzung, Verschattung oder einen technischen Fehler hindeuten | gezielt diese Fläche prüfen lassen |
| Sichtbarer Schmutzrand am unteren Modulrand | flache Neigung, Wasser läuft schlecht ab | Reinigung sinnvoll |
| Ertrag nach Saharastaub gesunken | Staubschicht | den nächsten Regen abwarten |
| Moos oder Flechten am Rahmen | dauerfeuchte, schattige Lage | Fachbetrieb, nicht selbst abkratzen |
Wichtig beim Vorjahresvergleich: Einzelne Monate schwanken wetterbedingt stark. Aussagekräftig wird es erst, wenn der Rückstand über mehrere sonnige Wochen anhält. Wer einen Stromspeicher hat, sollte außerdem die Erzeugung ansehen, nicht nur den Netzbezug. Sonst verwechselt man einen leeren Speicher mit einem schmutzigen Modul.
Wenn schon, dann richtig
Zuerst das Offensichtliche: Auf ein Schrägdach steigt man nicht einfach so. Schon gar nicht auf nasse Module. Das ist Arbeit für Leute mit Absturzsicherung. Vom Boden aus mit einer langen Teleskopbürste geht bei niedrigen Dächern manchmal, bei den meisten Einfamilienhäusern eher nicht.
Dann das Werkzeug. Das Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik hat untersucht, wie Reinigungsmittel auf Modulkomponenten wirken. Ergebnis: Viele handelsübliche Reiniger greifen die Antireflexschicht auf dem Glas an, zum Teil schon in der empfohlenen Konzentration. Auch der eloxierte Aluminiumrahmen und die Randabdichtung können leiden. Kurz gesagt:
Klares, möglichst kalkarmes Wasser – etwa Regenwasser – und eine weiche Bürste. Kein Hochdruckreiniger, kein Scheuermittel, keine aggressiven Haushaltsreiniger. Und nicht in der prallen Mittagssonne auf heiße Module kaltes Wasser schütten.
Bevor jemand loslegt, lohnt ein Blick in die Montage- oder Wartungsanleitung des Modulherstellers. Dort steht oft, welche Reinigung erlaubt ist. Wer sich nicht daran hält, riskiert im Schadensfall Diskussionen über die Garantie.
Und im Winter?
Schnee rutscht von geneigten Modulen oft von selbst ab, sobald die Sonne ein wenig durchkommt. Schnee vom Dach kratzen ist gefährlich und kann die Glasoberfläche verkratzen. Der Winterertrag ist in Österreich ohnehin vergleichsweise gering – die paar Kilowattstunden, die unter dem Schnee verloren gehen, sind kein Grund, sich aufs Dach zu wagen.
Einmal im Jahr hinsehen, am besten mit Blick in die Ertragsdaten, reicht für die meisten Anlagen. Geputzt wird, wenn es die Zahlen zeigen. Nicht, wenn das Dach aus der Nähe betrachtet etwas grau aussieht.
Quellen
- https://www.csp.fraunhofer.de/de/referenzen/Materialvertraeglichkeit-Reinigungsmittel-PV-Modul-Komponenten.html
- Bundesverband Solarwirtschaft, 15.4.2026: Verschmutzung als unterschätzter Risikofaktor für Photovoltaikanlagen
- pv magazine, 29.3.2022: Sahara-Sand mindert Erträge nur kurzzeitig leicht
- ADAC-Ratgeber zur Solaranlagen-Reinigung: adac.de


