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Leistungspreis ab 2027: Wer beim Stromnetz künftig mehr zahlt – und wer weniger

Rund 10 % weniger, nachgerechnet gut 30 Euro im Jahr. So viel spart laut Tarifsimulation der E-Control ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt mit 3.500 kWh Verbrauch bei den Netzkosten, wenn die neue Struktur voll greift. Ein Haushalt mit E-Auto, das ungesteuert mit 11 kW lädt, zahlt dagegen rund ein Fünftel mehr. Der Grund ist ein neuer Posten auf der Stromrechnung: der Leistungspreis, geplant ab 1. Jänner 2027.

Vorweg, damit keine falschen Erwartungen entstehen: Die Grundsatzverordnung (SNE-G-V) lag im Sommer als Begutachtungsentwurf vor. Beschlossen werden soll sie bis Oktober, die konkreten Tarife folgen danach in einer eigenen Verordnung. Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus Unterlagen der E-Control vom Juli 2026 und sind Österreich-Durchschnittswerte. Ihr Netzbetreiber wird eigene Tarife haben.

Was sich ändert

Heute zahlen Haushalte beim Netz vor allem für die bezogene Energie, also pro Kilowattstunde. Dazu kommen eine Pauschale und das Messentgelt. Ab 2027 fallen Pauschale und Messentgelt weg. Übrig bleiben zwei Teile:

  • Arbeitspreis pro kWh – deutlich niedriger als bisher.
  • Leistungspreis pro kW – berechnet nach der höchsten Viertelstunde im Monat. Also nach dem Moment, in dem Ihr Haushalt am meisten Strom gleichzeitig gezogen hat.

Bis 10 kW gilt ein Preis, für alles darüber ein höherer – in den Planungswerten der E-Control das Doppelte. Mindestens verrechnet werden 2 kW (bzw. 20 % der vertraglich vereinbarten Leistung, falls das mehr ist). Das Gesamtvolumen der Netzkosten bleibt laut E-Control gleich. Es wird nur anders verteilt.

Die Parameter der sogenannten Endstufe, also der Zustand, auf den die Reform hinarbeitet:

  • Arbeitspreis: 4,53 Cent/kWh (heute im Schnitt 7,36 Cent plus 54 Euro Pauschale)
  • Leistungspreis bis 10 kW: 33,82 Euro pro kW und Jahr
  • Leistungspreis über 10 kW: 67,64 Euro pro kW und Jahr

Wichtig: Zum Start 2027 soll der Leistungspreis niedriger sein. Die E-Control nennt als Überlegung rund 19 Euro pro kW, je nach Netzbereich grob 15 bis 26 Euro. Das ist ausdrücklich illustrativ, verbindlich wird erst die Tarifverordnung.

Rechnen wir’s durch

Nehmen wir den Durchschnittshaushalt aus der E-Control-Präsentation: 3.500 kWh im Jahr, die höchste Viertelstunde liegt im Monatsschnitt bei 4,4 kW.

Heute: 3.500 × 7,36 Cent = 257,60 Euro, plus 54 Euro Pauschale, plus 28,80 Euro Messentgelt. Macht rund 340 Euro.

Endstufe: 3.500 × 4,53 Cent = 158,55 Euro, plus 4,4 kW × 33,82 Euro = 148,81 Euro. Macht rund 307 Euro. Also etwa 10 % weniger.

Mit Ihren eigenen Zahlen funktioniert das genauso. Den Jahresverbrauch finden Sie auf der Jahresabrechnung. Die Monatsspitzen sieht man im Webportal des Netzbetreibers – sofern Ihr Smart Meter Viertelstundenwerte liefert.

Vier Haushalte im Vergleich

Die folgende Tabelle nutzt die Musterkunden der E-Control. Die Prozentwerte stammen von der E-Control, die Euro-Beträge haben wir mit den Endstufen-Parametern nachgerechnet (gerundet, nur Netznutzung inklusive Pauschale und Messentgelt, ohne Energiepreis des Lieferanten).

Haushalt Verbrauch Ø Monatsspitze heute Endstufe Änderung lt. E-Control
Kleiner Haushalt 1.800 kWh 2,0 kW ca. 215 € ca. 149 € −31 %
Durchschnittshaushalt 3.500 kWh 4,4 kW ca. 340 € ca. 307 € −10 %
Mit Wärmepumpe 8.700 kWh 7,0 kW ca. 723 € ca. 631 € −12,4 %
E-Auto, ungesteuert 7.000 kWh 11,0 kW ca. 598 € ca. 723 € +21 %

Bei der Wärmepumpe kommen wir auf knapp 13 % statt 12,4 %. Die Differenz ist Rundung, die Richtung stimmt.

Überraschend für viele: Die Wärmepumpe gewinnt. Sie braucht viel Energie, aber verteilt über viele Stunden. Der Leistungspreis bestraft nicht den Verbrauch, sondern die Spitze. Insgesamt sollen laut E-Control rund 75 % der Zählpunkte weniger zahlen, im Schnitt 63 Euro im Jahr. Knapp 23 % zahlen mehr, im Schnitt 198 Euro. Das sind die Haushalte mit hohen, kurzen Spitzen – typischerweise ungesteuerte Wallboxen.

Wo die Spitze herkommt

Eine Viertelstunde reicht. Ein Monat mit einem einzigen Abend, an dem Backrohr, Geschirrspüler, Durchlauferhitzer und Wallbox gleichzeitig laufen, zählt für diesen Monat. Die typischen Kandidaten:

  • Wallbox mit 11 kW – allein schon über der 10-kW-Grenze, sobald noch irgendetwas anderes läuft
  • elektrischer Durchlauferhitzer
  • Heizstab in Wärmepumpe oder Boiler, der zeitgleich mit anderen Verbrauchern anspringt
  • Kochfeld und Backrohr im Vollbetrieb

Bei der Wallbox ist der Hebel am größten, und er kostet am wenigsten Komfort. Ein Beispiel mit Endstufen-Preisen: Senkt man die Monatsspitze durch gedrosseltes Laden von 11 auf 7 kW, sinkt der Leistungspreis von rund 406 auf rund 237 Euro. Das sind knapp 170 Euro im Jahr. Die geladenen Kilowattstunden bleiben gleich, das Auto braucht nur länger. Beim niedrigeren Startniveau von rund 19 Euro pro kW wären es grob 75 bis 95 Euro – je nachdem, wie die Verdoppelung über 10 kW in der Startphase ausgestaltet wird.

Klingt nach wenig? Über zehn Jahre, bei steigender Stufe, ist es das nicht.

Zwei günstige Zeitfenster

Schon seit 1. April 2026 gibt es den Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP): Von April bis September ist der Arbeitspreis der Netzentgelte zwischen 10 und 16 Uhr um 20 % reduziert. Ab 2027 soll ein Winter-Pendant dazukommen, der WiNAP, von Oktober bis März zwischen 22 und 4 Uhr. Wie hoch der Winterrabatt ausfällt, ist noch offen.

Beide Rabatte setzen voraus, dass der Smart Meter Viertelstundenwerte aufzeichnet und überträgt. Wer im Webportal nur Tageswerte sieht, sollte beim Netzbetreiber nachfragen, wie der Zähler konfiguriert ist.

Und dann gibt es noch die „flexible Entnahme“. Nach vorläufiger Position der E-Control soll sie auf Haushalte ausgeweitet werden: Man legt fest, welcher Teil der Leistung garantiert und welcher flexibel ist. Für den flexiblen Teil fallen nur 25 % des Leistungspreises an. Dafür darf der Netzbetreiber diese Leistung einschränken – vorgesehen sind für Haushalte zwei Zeitfenster zu je vier Stunden. Für eine Wallbox, die ohnehin über Nacht lädt, ist das oft kein Problem. Für eine Wärmepumpe im Jänner schon eher.

Was noch offen ist

Einiges. Die endgültigen Werte je Netzbereich. Die Höhe des WiNAP-Rabatts. Und auch politisch ist nicht alles entschieden: Die Arbeiterkammer kritisierte am 26. September die geplanten Netzentgelt-Befreiungen für Großspeicher, weil diese Kosten auf Haushalte verschieben könnten. Ob sich daran im finalen Text etwas ändert, wird sich zeigen.

Wer jetzt eine Wallbox kauft oder eine Wärmepumpe plant, sollte auf eine Sache achten: dass sich die Leistung steuern oder begrenzen lässt. Genau dafür gibt es seit Juni auch eine eigene Förderung des Klima- und Energiefonds für Energiemanagementsysteme. Mit Speicher und PV verschiebt sich die Rechnung zusätzlich, weil Netzbezug in Spitzenzeiten aus der Batterie gedeckt werden kann – mehr dazu im Beitrag PV mit Stromspeicher.

Unsere Einschätzung: Für die meisten Haushalte wird die Netzrechnung 2027 etwas günstiger, ohne dass sie etwas tun müssen. Handlungsbedarf haben vor allem E-Auto-Besitzer mit Wallbox – die sollten die Ladeleistung begrenzen, bevor der erste Leistungspreis auf der Rechnung steht.

Stand: September 2026. Die Verordnungen sind noch nicht beschlossen; alle Werte sind Planungswerte der E-Control. Angaben ohne Gewähr.

Quellen

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