3.750 bis 4.500 Euro. So viel kostet es ungefähr, ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Wärmebedarf ein Jahr lang mit Infrarotpaneelen zu heizen. Dieselbe Wärme aus einer Wärmepumpe: um die 1.100 bis 1.300 Euro. Das ist eigentlich schon der ganze Artikel.
Aber gut, rechnen wir es ordentlich.
Die Physik ist gnadenlos
Eine Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Mehr geht physikalisch nicht. Eine Wärmepumpe holt sich zusätzlich Wärme aus Luft oder Erdreich und macht aus derselben Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
| 15.000 kWh Wärme | Strombedarf | Kosten bei 25 ct | Kosten bei 30 ct |
|---|---|---|---|
| Infrarot | 15.000 kWh | 3.750 € | 4.500 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,5 | ca. 4.290 kWh | 1.070 € | 1.290 € |
Rund 2.700 bis 3.200 Euro Unterschied. Pro Jahr.
Klar, die Anschaffung ist bei Infrarot deutlich günstiger. Das Energieinstitut Vorarlberg nennt grob 10.000 Euro für 100 m². Aber bei 3.000 Euro Mehrkosten im Jahr ist dieser Vorteil nach wenigen Wintern aufgebraucht.
Und die angenehme Strahlungswärme?
Die gibt es wirklich. Ein Infrarotpaneel gibt je nach Modell 40 bis 90 Prozent seiner Wärme als Strahlung ab, ein normaler Heizkörper nur 10 bis 30 Prozent (Zahlen vom Energieinstitut Vorarlberg). Strahlung wärmt Oberflächen und Menschen direkt, deshalb fühlt sich ein Raum schon bei etwas niedrigerer Lufttemperatur behaglich an.
Nur: Um aus diesem Effekt die 3.000 Euro Mehrkosten herauszuholen, müsste man die Raumtemperatur um viele Grad senken können. Ein, zwei Grad sind realistisch. Das sind grob sechs bis zwölf Prozent weniger Energie. Rechnen Sie das gern selbst mit der Tabelle oben nach – es reicht nicht annähernd. Und wer im „Schatten“ eines Sofas oder Tischs sitzt, bekommt von der Strahlung ohnehin weniger ab.
„Aber ich hab doch PV“
Das Argument hören Infrarot-Anbieter gern. Nur: Im Winter liefert eine PV-Anlage in Österreich einen kleinen Bruchteil ihres Jahresertrags. Das Energieinstitut Vorarlberg schätzt, dass Dach-PV den Strom für eine Infrarotheizung im Winter nur zu rund sieben Prozent deckt. Die restlichen 93 Prozent kommen aus dem Netz, zum vollen Preis.
Wann wir es trotzdem machen würden
In einem Passivhaus oder sehr gut gedämmten Neubau, wo der Wärmebedarf so niedrig ist, dass die Rechnung oben auf ein paar hundert Euro schrumpft. Dann gewinnt die niedrige Investition.
Für einzelne Räume, die selten genutzt werden. Das Bad an kalten Morgen. Der Hobbyraum. Das Gästezimmer.
Als Ersatz für alte Nachtspeicheröfen, wenn ein wassergeführtes System baulich nicht geht. Dann ist Infrarot zumindest nicht schlechter als vorher, und behaglicher.
Als Hauptheizung im normalen Bestandshaus? Würden wir nicht machen.
Quellen
- Energieinstitut Vorarlberg: Faktencheck – Vor- und Nachteile von Infrarotheizungen
- pieno.at – Infrarotheizung: Stromverbrauch, Kosten und Nutzen


