StartWärmepumpe & HeizungWarmwasser-Wärmepumpe statt E-Boiler: Ab wann sich der Tausch rechnet

Warmwasser-Wärmepumpe statt E-Boiler: Ab wann sich der Tausch rechnet

Rund 660 Euro im Jahr. So viel spart ein Drei-Personen-Haushalt in unserer mittleren Rechnung, wenn er den Elektroboiler durch eine Warmwasser-Wärmepumpe ersetzt. Bei einem Gerätepreis von etwa 3.000 bis 4.000 Euro ist das Geld nach viereinhalb bis sechs Jahren wieder herinnen. Klingt gut, gilt aber nicht für jeden. Bei zwei sparsamen Personen und einem kalten Keller sieht die Rechnung deutlich schlechter aus.

Rechnen wir’s durch, und zwar so, dass Sie mit Ihren eigenen Zahlen nachrechnen können.

Wie viel Strom das Warmwasser heute frisst

klimaaktiv, die Klimaschutzinitiative des Bundes, rechnet mit rund 40 Litern Warmwasser (60 °C) pro Person und Tag. Inklusive Verlusten von Speicher und Leitungen sind das etwa 2,5 kWh pro Person und Tag, also rund 900 kWh im Jahr bei sparsamen und rund 1.300 kWh bei weniger sparsamen Menschen.

Beim Elektroboiler ist das gleichzeitig der Stromverbrauch. Ein Heizstab macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, nicht mehr. Und der Speicher verliert ständig etwas: Bei einem 200-Liter-Boiler sind laut klimaaktiv Verluste von 2 kWh am Tag „keine Seltenheit“. Das allein sind über 700 kWh im Jahr, auch wenn niemand duscht.

Ihre eigene Zahl finden Sie am einfachsten so: Falls der Boiler einen eigenen Zähler oder einen Nachtstromtarif hat, steht der Verbrauch auf der Jahresabrechnung. Sonst hilft ein Blick ins Webportal des Smart Meters an ein paar Tagen, an denen sonst wenig läuft.

Was die Wärmepumpe daraus macht

Eine Warmwasser-Wärmepumpe (auch Brauchwasser-Wärmepumpe oder Wärmepumpenboiler) holt sich die Wärme aus der Raumluft, meist im Keller oder Technikraum, und hebt sie auf Warmwassertemperatur. Wie gut sie das macht, beschreibt die Leistungszahl (COP). Herstellerdatenblätter nennen bei 15 bis 20 °C Raumluft Werte von knapp 3 bis gut 4, etwa 2,9 bzw. 3,0 beim Austria-Email-Gerät WPA 203/303 oder 4,2 bis 4,3 beim Stiebel-Eltron-Modell WWK-I Plus bei 20 °C. Das sind Prüfstandwerte. Stiftung Warentest hat 2026 fünf Geräte unter eigenen Bedingungen geprüft und weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ergebnisse mit den Herstellerangaben nicht vergleichbar sind.

Für die Rechnung nehmen wir deshalb drei Annahmen: 3,5 im günstigen Fall, 3,0 als Mitte und 2,3 für einen kühlen Aufstellraum, in dem die Wärmepumpe im Winter öfter den Heizstab zu Hilfe nimmt. Vereinfachung: Wir teilen den bisherigen Boilerverbrauch einfach durch diese Zahl. Unterschiede bei den Speicherverlusten und der Strom für die Legionellen-Aufheizung stecken damit nur grob drin.

Drei Haushalte durchgerechnet

Strompreis: 30 ct/kWh brutto inklusive anteiliger Netzkosten und Abgaben. Das entspricht ungefähr der Musterrechnung der Österreichischen Energieagentur vom Frühjahr 2026 für einen Wiener Haushalt. Ihr eigener Preis steht auf der Jahresrechnung. Gerätepreis inklusive Einbau: 3.500 Euro. Das Energieinstitut Vorarlberg nennt für Wärmepumpenboiler „etwa 3 bis 4.000 Euro“.

günstig mittel ungünstig
Personen 4 3 2
Bedarf pro Person und Jahr 1.300 kWh 1.100 kWh 900 kWh
Stromverbrauch E-Boiler 5.200 kWh 3.300 kWh 1.800 kWh
angenommene Leistungszahl 3,5 3,0 2,3
Stromverbrauch Wärmepumpe 1.486 kWh 1.100 kWh 783 kWh
Kosten E-Boiler / Jahr 1.560 € 990 € 540 €
Kosten Wärmepumpe / Jahr 446 € 330 € 235 €
Ersparnis / Jahr 1.114 € 660 € 305 €
Amortisation bei 3.500 € ca. 3 Jahre ca. 5,3 Jahre ca. 11,5 Jahre

Rechenweg zum Nachmachen: Personen × kWh pro Person = Boilerverbrauch. Geteilt durch die Leistungszahl = Verbrauch der Wärmepumpe. Die Differenz mal Strompreis ist die Ersparnis. Investition geteilt durch Ersparnis ergibt die Amortisation in Jahren.

Zwei Dinge verschieben das Ergebnis stark. Erstens der Strompreis: Bei 35 statt 30 ct steigt die Ersparnis im mittleren Fall auf 770 Euro. Die Großhandelspreise für Strom sind im Herbst 2026 deutlich gestiegen, laut Energieagentur lag der Strompreisindex für Oktober um gut 92 % über dem Vorjahr. Wie viel davon bei den Haushaltstarifen ankommt, ist offen. Zweitens die Frage, ob der alte Boiler sowieso fällig ist. Dann zählt nicht der volle Preis der Wärmepumpe, sondern nur der Aufpreis gegenüber einem neuen Elektroboiler, und die Amortisation wird entsprechend kürzer. Diesen Aufpreis müssen Sie mit eigenen Angeboten einsetzen. Seriöse Durchschnittswerte für Österreich haben wir nicht gefunden.

Was in der Rechnung nicht vorkommt

Die Wärmepumpe kühlt den Raum, in dem sie steht. Im Keller ist das im Sommer angenehm, im Winter kann der Boden darüber kälter werden. In unsanierten Häusern wird deshalb empfohlen, die Kellerdecke mitzudenken. Unterhalb der Einsatzgrenze des Geräts (bei den genannten Umluftgeräten +6 bzw. +7 °C Raumtemperatur) übernimmt der Heizstab, und der Vorteil schrumpft gegen null. Stiftung Warentest nennt als Mindestgröße für den Aufstellraum 20 m³. Manche Geräte können die Luft auch über Kanäle von außen oder aus Bad und Küche ansaugen.

Dann das Geräusch. Für das Austria-Email-Gerät sind 56 dB(A) Schalldruck angegeben, beim Stiebel-Eltron-Modell 51,5 dB(A) in einem Meter Abstand. Neben dem Schlafzimmer will man das nicht haben.

Und die Hygiene. Für Ein- und Zweifamilienhäuser sieht die Errichtungsnorm ÖNORM B 2531 mindestens 55 °C im Speicher vor, ausgenommen kurze Aufheizzeiten. Eine Pflicht für den laufenden Betrieb gibt es im Einfamilienhaus laut klimaaktiv nicht, empfohlen wird aber, den Speicher regelmäßig deutlich über 60 °C aufzuheizen. Wärmepumpenboiler haben dafür meist eine Legionellenschaltung, die mit dem Heizstab nachheizt, beim Austria-Email-Gerät zum Beispiel alle 14 Tage auf 60 °C. Das kostet etwas Strom, und darauf sollte man trotzdem nicht verzichten. (Auf manchen Seiten liest man noch von der ÖNORM B 5019. Sie wurde 2023 durch die ÖNORM B 1921 ersetzt, die für größere Gebäude gilt.)

Förderung: kaum, mit einer Ausnahme

Vom Bund gibt es derzeit nichts. Die Sanierungsoffensive 2026 ist ausgeschöpft. Bei den Ländern haben wir eine klare Ausnahme gefunden: Tirol fördert den Einbau einer Brauchwasser-Wärmepumpe in Gebäuden, deren Baubewilligung älter als zehn Jahre ist, mit 25 % der förderbaren Kosten als Einmalzuschuss. Die förderbaren Kosten sind bei Anlagen unter 50 kW mit 3.000 Euro gedeckelt, das ergibt höchstens 750 Euro. Das Burgenland zahlt bis zu 300 Euro, aber nur zusammen mit einer neuen Biomasse-Zentralheizung. Die Steiermark fördert neue Wärmepumpen derzeit nicht, ausgenommen den Ersatz alter Biomassekessel oder Wärmepumpen. Eine Position für Warmwasser-Wärmepumpen gibt es dort nicht. In den übrigen Ländern fanden wir auf den Förderseiten keine eigene Position für reine Warmwasser-Wärmepumpen. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Landesenergieberatung nach.

Was eine Kilowattstunde bei Ihnen wirklich kostet und wie sie sich zusammensetzt, steht in unserem Ratgeber Stromrechnung verstehen.

Unsere Einschätzung: Für Haushalte ab drei Personen mit Elektroboiler im Keller ist die Warmwasser-Wärmepumpe eine der rentableren Maßnahmen, die es im Haus gibt. Für zwei Personen mit sparsamem Verbrauch würden wir nur tauschen, wenn der alte Boiler ohnehin kaputt ist.

Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr.

Quellen

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